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Spezielle Richtlinien für die Beantragung bzw. Durchführung von Schulversuchen in der Volksschuleim Schuljahr 1997/98

Geschäftszahl: 39.407/194-I/1/96

Sachbearbeiter: Dr. Wilhelm Wolf
Telefon: 53 120-4447

Verteiler: VII
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Spezielle Richtlinien für die Beantragung bzw. Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule
Geltung: Schuljahr 1997/98

Rundschreiben Nr. 3/1997

An alle Landesschulräte
(Stadtschulrat für Wien)

Vorbemerkungen

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr 1997/98, GZ 39.407/182-I/1/96, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen bei der Beantragung von Schulversuchen bekanntgegeben.



1. Massnahmen im Schuleingangsbereich

Durch die Einbindung der Vorschulstufe in die Grundstufe I sollen während der Schuljahre 1993/94 bis 1997/98 in Schulversuchen bei der Klassenbildung flexible Formen für eine bedarfsgerechte, regional abgestimmte schulische Versorgung imSchuleingangsbereich zur individuellen Förderung der Kinder erprobt werden.

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Ziel dieser Schulversuche ist es,

- auf Selektion im Schuleingangsbereich weitestgehend zu verzichten und

- den Kindern zu einem möglichst harmonischen Schulstart zu verhelfen.

Ein Versagen in der Grundstufe I soll vermieden und ein Höchstmaß an individueller Förderung, bedarfsgerechter Versorgung und Flexibilität, auch im Hinblick auf Dispenskinder, geboten werden.

Grundgedanke einer derartigen Konzeption sollte sein, den Kindern - wenn nötig - zum Durchlaufen der Grundstufe I bis zu drei Schuljahren zu gewähren und auf eine Rückstellung zu verzichten. Darüber hinaus sollte überlegt werden, inwieweit alternative Formen der Leistungsbeurteilung (z.B. nachweisliche Information der Eltern, Vorlage erbrachter Leistungen, verbale Beurteilung) ein konstitutives Moment für derartige Projekte darstellen. Bei Aufnahme einer entsprechenden Regelung in die Projektbeschreibung kann von einer gesonderten Beantragung gem. § 78 Abs. 1 SchUG abgesehen werden.

Als wesentliche Elemente bei diesen Versuchsvorhaben sind

- die Individualisierung und Differenzierung der Unterrichtsarbeit (unter Zuhilfenahme des Vorschulstufen- und des Grundschullehrplanes für die 1. und 2. Schulstufe),

- der Zeitpunkt, zu dem über die Dauer des Besuches der Grundstufe I entschieden wird, sowie

- die Elterninformation bzw. die Mitwirkung der Eltern anzusehen. Insbesondere erscheint es zweckmäßig, Kontaktmöglichkeiten der Eltern und Kinder mit der Schule noch vor dem ersten Schultag vorzusehen.

Seitens des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten besteht großes Interesse an Modellen, die an Schulen mittlerer Größe bzw. an Kleinschulen realisiert werden können.

Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten sind noch vor Beginn des neuen Schuljahres über die Intentionen bzw. Zielsetzungen des Schulversuchsanliegens umfassend zu informieren.

Weiters wird um Vorlage eines Berichts gegen Ende des Unterrichtsjahres ersucht, zu dem gegebenenfalls noch weitere Details bezüglich der Abfassung seitens Abt.I/1 gesondert bekanntgegeben werden.

Die Evaluierung der Schulversuche erfolgt über Auftrag von Abt. I/1 in Zusammenarbeit mit Abteilung II des Zentrums für Schulentwicklung in Graz. Die Mitarbeit und Unterstützung der jeweiligen Schulen bei allfälligen weiteren Erhebungen etc. stellt ein konstitutives Moment der Zustimmung zur Durchführung des Vorhabens dar.

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Die Beantragung derartiger Projekte muß bis spätestens 15. Juni1997 erfolgen.



2. Kleinschulen (Wenig gegliederte Grundschule)

Wenn Vorhaben erprobt werden, die über die im Volksschullehrplan in Punkt 1 der Bemerkungen zu den Stundentafeln der Grundschule geschaffenen Bestimmungen hinausreichen, sind insbesondere die in den Punkten 1, 4 und 7 genannten Versuchsanliegen dieses Rundschreibens mit zu beachten. Als Schulversuche kommen daher vor allem solche Projekte in Frage, die über das im Lehrplan angeführte Stundenausmaß für schulstufenreinen Unterricht hinausgehen und zusätzliche spezielle Versuchselemente enthalten, wie z. B.

- die methodisch-didaktische Gestaltung des Unterrichts in Mehrstufenklassen bzw. besonders zweckmäßige Arbeitsformen;

- Maßnahmen der Qualitätssicherung ...



3. Sprachenlernen in der Grundschule

Bei der Planung und Umsetzung von Schulversuchsvorhaben im Fremdsprachenbereich sollte verstärkt darauf geachtet werden, daß auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren sozio-kulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

Zur Erweiterung des Fremdsprachenangbotes in der Grundschule können verschiedene Modelle erprobt werden:

1. Einführung in eine lebende Fremdsprache gemäß § 131e SchOG als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts in der 1. und 2. Schulstufe. Weiterführung des integrierten Fremdsprachenlernens in der 3. und 4. Schulstufe zusätzlich zur verbindlichen Übung "Lebende Fremdsprache".

2. Einführung in eine lebende Fremdsprache gemäß § 131e SchOG als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts in der 1. und 2. Schulstufe. Weiterführung des integrierten Fremdsprachenlernens in der 3. und 4. Schulstufe. Die verbindliche Übung "lebende Fremdsprache" auf der GS II wir in einer zweiten lebenden Fremdsprache geführt.

3. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volksschule in einer lebenden Fremdsprache im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Der Unterricht in der Fremdsprache wird von Expert/inn/en - wenn möglich "native speakers" nach dem Prinzip "eine Person - eine Sprache" in Kooperation mit den Klassenlehrer/innen erteilt.

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4. Führung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:

- Zielsprachengemäß gemischte Schülerpopulation zur Gewährleistung des Prinzips des peer group learning (annähernd gleich große Gruppen)

- für die fremdsprachige Schülergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die über ein Lehramt für Volksschulen in Österreich bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügen und deren Erstsprache die Fremdsprache ist.

5. Einführung in eine lebende Fremdsprache gemäß § 131e SchOG als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts nur in der 1. und 2. Schulstufe. In der 3. und 4. Schulstufe wird die in der Regelform vorgesehene verbindliche Übung im Ausmaß einer Wochenstunde geführt.



Die in Punkt 1, 2 und 5 beschriebenen Modelle können letztmalig im Schuljahr 1997/98 begonnen werden.


Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die mit der Novellierung des Volksschullehrplanes (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es keiner Genehmigung als Schulversuch.

Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgende Bereichen enthalten:

- zum Gesamtwochenstundenausmaß bzw. Ausmaß der Fremdspracheneinheiten, allenfalls unter Angabe allfälliger beabsichtigter Kürzungen im Pflichtgegenstandsbereich

- zur Qualitätssicherung durch die Schulaufsicht

- zur Durchführung der wissenschaftlichen Betreuung und Begleitung

- zum methodisch-didaktischen Konzept mit allen relevanten Versuchsbereichen

(wie zum Beispiel Einsatz von nicht-approbierten Lehrbüchern, Entwicklung von Planungs- und Unterrichtsmaterialien)

- zu einem seitens des Landesschulrates vorgesehenen konkreten Evaluationskonzept.

In den Zielsetzungen des Schulversuches muß deutlich zum Ausdruck gebracht werden,

- inwieweit bzw. ob die derzeit bestehenden Ziele für die verbindliche Übung "Lebende Fremdsprache" allenfalls auch überschritten werden, dazu wäre dann auch die Übermittlung einer Lehrplanskizze erforderlich

- wie der auf der Grundstufe I begonnene Schulversuch auf der Grundstufe II bzw. auf der Sekundarstufe I weitergeführt wird und

- welche Stellung "Schreiben" in diesem Zusammenhang einnimmt.

An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für alle Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremdsprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw.eine umfassende wissenschaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Konkrete Angaben dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

Besonderes Augenmerk ist der "Nahtstellenproblematik" zu widmen, indem konkrete Maßnahmen, Projekte und dergl. ein konstitutives Versuchselement darstellen.

Es darf darauf hingewiesen werden, daß die Antragstellung für Schulversuche an das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten auf den 15. Juni 1997 verlegt wird. Es sollte in Betracht gezogen werden, daß neue Projekte, ausgenommen jene gem. § 131e SchOG, unter Umständen erst mit Beginn des Schuljahres 1998/99 realisiert werden können. Die letztgenannten können, wie obenbereits erwähnt, letztmalig 1997/98 begonnen werden.



4. Alternative Formen der Leistungsbeurteilung

Sofern diese Schulversuche nicht ohnehin im Rahmen von Projekten zum Schuleingangsbereich vorgelegt werden, sollte besonders beachtet werden, daß die endgültig gewählte Form der Leistungsbeurteilung im Klassenforum der entsprechenden Klasse beschlossen wird. Eine Evaluierung, zumindest in der Form von Elternbefragungen, am Ende des Erprobungszeitraumes ist vorzusehen, um zu geeigneten Entscheidungsgrundlagen für die Übernahme derartiger Vorhaben ins Regelschulwesen zu gelangen.



5. Volksschulen bzw. Volksschulklassen mit musikalischem Schwerpunkt

Grundlage für die Beantragung ist die bekannte Projektbeschreibung des damaligen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Sport. Dies bedeutet u. a. auch, daß für derartige Klassen die einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinausgehende Konzepte können wegen der beabsichtigten Evaluierung nicht als "Musikvolksschulklassen" genehmigt werden, sondern müßten z. B. im Rahmen der Autonomie realisiert werden.

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Erweiterter Musikunterricht ist auf der ersten und zweiten Schulstufe im Ausmaß von drei bis vier Wochenstunden und auf der dritten und vierten Schulstufe mit jeweils höchstens vier Wochenstunden anzubieten.

Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der "Musikvolksschule" zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird auch ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche für das kommende Schuljahr darauf zu achten, daß bei den einzelnen Schulen nur die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. D.h. Angabe der Stunden für den erweiterten Musikunterricht inklusive der Lehrerwochenstunden für instrumentales Musizieren, die zu der einen Wochenstunde Musikerziehung der Regelform dazukommen, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrern/Lehrerinnen im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder als MDL gehalten werden.

Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung ist darauf zu achten, daß einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet lediglich nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw.Kinder.



6. Förderunterricht


Damit sind v. a. solche Vorhaben gemeint, die

- abweichend von den im Volksschullehrplan aufscheinenden Bemerkungen zur Stundentafel der Grundschule eine integrative Führung des Förderunterrichts vorsehen;

- der Entwicklung und dem Ausbau einer Förderdidaktik dienen. Das heißt, daß bestimmte Arbeitsweisen bevorzugt werden: z.B. beim Umgang mit Rechtschreibfehlern (Fehleranalyse), bei Dyskalkulie usw.



7. Sonstige Versuchsvorhaben

Bei anderen als den in den Punkten 1 - 6 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landesschulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zuprüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.

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Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlaß sind nur jene Elemente Teil des Schulversuches, die in den diesbezüglichen Formblättern aufscheinen. Die Übersicht über die genehmigten Schulversuche im Schuljahr 1996/97 (rosa Formblätter und Diskette) liegt bei. Es wird gebeten, diese eingehend zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen, neue Projekte sind hinzuzufügen.

Die Anträge für das Schuljahr 1997/98 mit Ausnahme der Projekte lt.Punkt 1 und 3 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern (wenn möglich auch auf Diskette) bis 15. April 1997 dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten wieder zu übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen

Beilage

Wien, 23. Dezember 1996

Für die Bundesministerin:

Dr. Wolf

F.d.R.d.A:

Inhaltlicher Stand: 6. April 2018