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Richtlinien zum Schulmanagementlehrgang
für Bezirksschulinspektoren/innen

Geschäftszahl: 39.057/104-I/A/97

Verteiler: VII/2, N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten, Personalwesen
Inhalt: Schulmanagementlehrgang für Bezirksschulinspektoren/innen – Ausgangslage – Voraussetzungen – Ziele – Inhalte - Organisation
Geltung: unbefristet

Rundschreiben Nr. 47/1997

Alle
Landesschulräte
(Stadtschulrat für Wien)

Ämter der Landesregierung

Pädagogischen Institute



SCHULMANAGEMENTLEHRGANG

FÜR BEZIRKSSCHULINSPEKTOREN/INNEN



1. Ausgangslage

Die Veränderungen im Bildungswesen der letzten Jahre haben für die Schulaufsicht eine Vielzahl neuer Aufgabenstellungen gebracht:

* die Sicherung der Leistungsfähigkeit und Qualität in allen Schulen bzw. Schularten der Pflichtschulen

* die Effizienzsteigerung der verschiedenen schulorganisatorischen Maßnahmen (auch im internationalen Vergleich)

* die Unterstützung von Dezentralisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen mit besonderer Berücksichtigung der Schulautonomie

* die verstärkte Legitimierung der pädagogischen Innovation und des Ressourceneinsatzes gegenüber der Öffentlichkeit

Die dafür notwendigen umfassenden Kompetenzen sollen in einem Ausbildungslehrgang erworben bzw. verbessert werden.

Das hier vorgestellte Qualifizierungskonzept für die Bezirksschulinspektoren/innen bzw. das regionale Schulmanagement soll ermöglichen, berufsbegleitend diese Kompetenzen zu erwerben und weiterzuentwickeln. Grundlage des Qualifizierungskonzeptes bildet das Anforderungsprofil für die Schulaufsicht * bzw. der berufsbegleitende Weiterbildungslehrgang (Schulmanagement-Kurs) für Schulleiter gemäß § 26a Abs.3 LDG.



2. Voraussetzungen

Vom zukünftigen regionalen Schulmanagement werden bestimmte Kenntnisseund Fähigkeiten als gegeben vorausgesetzt. Diese resultieren aus der bisherigen Tätigkeit und beziehen sich auf

* Qualifikation aus der Unterrichtstätigkeit

* Erfahrungen in der Lehreraus- bzw. Weiterbildung und der Lehrerfortbildung

* eventuellen Erfahrungen aus einer Schulleitertätigkeit oder aus anderen leitenden Aufgaben im Schulwesen

* Erfahrungen aus der Mitarbeit in Berufs- und Interessensvertretungen, bisweilen auch auf außerschulische Führungstätigkeit

Der hier beschriebene Weiterbildungslehrgang für das regionale Schulmanagement ist berufsbegleitend konzipiert. Das bedeutet, daß die Ernennung im Regelfall bereits erfolgt sein wird. Es ist daher sinnvoll, diesen Lehrgang möglichst bald nach der Ernennung absolvieren zu können.

Der vorliegende Lehrgang baut auf dem bestehenden Weiterbildungslehrgang für Leiterinnen und Leiter (Schulmanagement-Kurs) auf (siehe §26a Abs.3 LDG).

Sollte noch keine erfolgreiche Teilnahme an der Leiterausbildung nachgewiesen werden können, ist im Einzelfall vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten zu prüfen und zu entscheiden, unter welchen Voraussetzungen und Auflagen eine Teilnahme erfolgen kann.

Über die Anrechenbarkeit inhaltlich und in der Qualität gleichwertiger Kurse entscheidet das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten in Absprache mit der Lehrgangsleitung.



3. Ziele

Ziel des Lehrganges ist es, die Führungskräfte des regionalen Schulmanagements für die Aufgaben ihres Berufsbildes zu qualifizieren. Dazu werden ihnen die entsprechenden Instrumente für ein professionelles Führungsmanagement, für die Systemberatung und für die Evaluation von Schulen zur Verfügung gestellt.

Ansatzpunkt und Ziel der Qualifikation ist einerseits die Persönlichkeitsentwicklung der Führungspersonen und andererseits die Erweiterung bzw.Verbesserung ihrer Sozial- und Kommunikationskompetenz sowie ihrer Team- und Führungsfähigkeiten . Im Sinne des Aktionslernens soll ein Schwerpunkt auf der Entwicklung eigenständiger Konzepte des Bildungs- und Projektmanagements, der Systemberatung, der Personalentwicklung, sowie der Qualitätssicherung im Rahmen des Schul- und Bildungssystems liegen.



4. Inhalte

4.1. Führungsaufgaben und Systemberatung
(120 Einheiten)

- Das veränderte Rollenbild des regionalen Schulmanagements (Selbstverständnis und Zukunftsperspektiven)

- Selbstmanagement und Weiterentwicklung der eigenen Führungskompetenz; persönliche Ressourcennutzung (Öffentlichkeitsarbeit, Zeitmanagement, Büroorganisation, Arbeitstechniken, Kostenberichte, Ressourceneinsatz)

- Systemberatung durch Schulaufsicht und ihre Instrumente (Entwicklungsberatung und Feedbackkultur)

- Kennenlernen verschiedener Führungs- und Beratungskonzepte zur Organisations- und Personalentwicklung

- Führung von Führungskräften

- Die soziale Architektur autonomer Entwicklungsprozesse (Umgang mit Fehlern und Unterstützung von Problemlösungskapazitäten)

- Kooperation in vernetzten Sozialsystemen (Aufbau bzw. Verbesserung von Teamkultur in Kollegien)

- Koordination und Organisation von schulübergreifenden Entscheidungsprozessen



4.2. Umgang mit Problemsituationen und systemisches Konfliktmanagement
(60Einheiten)

- Diagnose von Kommunikationsproblemen und Kommunikationsstörungen in Schulen und ihre Hintergründe

- Systemische Denkweise zur Klärung von institutionellen und personabhängigen Widerständen bei Organisationsentwicklungsprozessen

- Einsatz professioneller Interventionsmethoden und adäquater Rollenmodelle zur Konfliktbearbeitung

- Verstehen des Konfliktpotentials unterschiedlicher Schulen und Entwicklung übergeordneter Strategien und Konzepte zu ihrer systemischen Bearbeitung

- Pädagogische Bewältigung schulischer Problemsituationen im Rahmen des Schul- und Verwaltungsrechtes und der regionalen Gegebenheiten



4.3. Bildungs- und Projektmanagement
(60 Einheiten)

- Konzepte, Strukturen und Entwicklungen im österreichischen und internationalen Bildungswesen (vergleichende Bildungsforschung und deren Methoden)

- Methodik der Personal-, Team- und Organisationsentwicklung

- Motive, Auslöser und Verlauf von Schulentwicklungsprojekten

- Innovation und Motivation als wesentliche Elemente einer Systemberatung

- Einsatz von Coaching und Supervision als Formen der Unterstützung von Schulleitungen, Steuergruppen und Lehrerteams

- Initiierung und Steuerung der regionalen Lehrerfortbildung unter besonderer Berücksichtigung der schulinternen Fortbildung

- Fortbildung als Instrument der Personalentwicklung

- Aufbau und Vernetzung von regionalen und überregionalen Projektteams

- Öffentlichkeitsarbeit

- Methoden des Projektmanagements



4.4. Qualitätssicherung und Evaluation von Schulen

(120 Einheiten)

- Von der fachorientierten individuellen Kontrolle einzelner Lehrerinnen und Lehrer zur Evaluation von Schulen als lernende Organisationen

- Einführung in das Instrumentarium der Qualitätssicherung (Total Quality Management, European Foundation for Quality Management, Kaizen, usw.); Umgang mit statistischen Verfahren

- Datenfeedback und Visualisierung als Instrumente für die Begleitung und Steuerung von Entwicklungsprozessen

- Zusammenhang von interner und externer Evaluation

- Analyse des Spannungsfeldes von Beratung und Kontrolle im Berufsbild des regionalen Schulmanagements

- Die dienstliche Beurteilung und das Mitarbeitergespräch als Instrument der Personalentwicklung und Mitarbeiterförderung

Von den angeführten Einheiten ist ein Viertel durch Selbststudium abzudecken.



5. Seminarorganisation


Veranstalter:

Im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten wird der Lehrgang über die Pädagogischen Institute organisiert.

Der jeweilige Veranstalter ist für die Detailplanung (Konkretisierung der Inhalte, Methoden, Zeitplanung, Referentenauswahl) verantwortlich und legt sie dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten zur Genehmigung vor.



Adressaten:

In erster Linie sollen in Hinkunft die neu ernannten Schulaufsichtsbeamten an dem Schulmanagementlehrgang teilnehmen.



Gruppengröße:

Unterschiedliche Gruppengröße abhängig von Themen und Form der Durchführung (ca.12 bis 25 Teilnehmer). Die Gruppen können bundesländerübergreifend zusammengesetzt sein und nach Maßgabe der Möglichkeiten für die Schulaufsicht anderer Bereiche offen sein.



ReferentInnen/TrainerInnen:

Fachleute für die Bereiche

a) Schulorganisationsentwicklung, -innovation, Beratung und Qualitätssicherung/Evaluation

b) Führungs- und Projektmanagement (incl. Managementfachleute der Wirtschaft mit Trainererfahrung im Non-Profit-Bereich)

c) Verwaltung (in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsakademie, rechtskundige Beamte der Schulbehörden mit Referentenerfahrungen)



Zeitstruktur:

Ca. 2-jähriger Lehrgang mit insgesamt 360 Unterrichtseinheiten (incl. 100 Unterrichtseinheiten Selbststudium); zusätzlich 6 Halbtage "Praxisreflexion" mit Kolleginnen und Kollegen der Schulaufsicht innerhalb derzweijährigen Ausbildungszeit.

Die Organisation soll insbesondere jene Zeiträume berücksichtigen, die mit einem verringerten Arbeitsanfall verbunden sind (z.B. Teile der Hauptferien).



Seminardidaktik und -methodik:

Der Lehrgang zielt auf eine Aktivierung und Vertiefung der Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab. Vom gemeinsamen Aufgabenprofil ausgehend sollen kollegiale Kontakte mit dem Erleben eines Prozesses gemeinsamen Lebens und Arbeitens ermöglicht werden, wobei in erster Linie gestalterische Verfahrensweisen einzusetzen wären.



2.5. Zertifikat

Der berufsbegleitende Weiterbildungslehrgang schließt mit einem Zertifikat ab.

Voraussetzungen für die Erlangung des Zertifikats:

* Absolvierung aller Seminare zu den Lehrgangsinhalten, wobei eine durchgehende Anwesenheit erforderlich ist

* Erstellung einer Projektarbeit aus den Themenbereichen der Seminarmodule

* Selbststudium von Fachliteratur aus einer vorgegebenen Themenliste

Das Zertifikat wird vom Bundesminister oder von der Bundesministerin und vom Lehrgangsleiter bzw. -leiterin unterzeichnet.

Das Zertifikat enthält neben den üblichen Daten in einer kurzen Zusammenstellung die wesentlichen Inhalte des Lehrgangs und den Vermerk über die erfolgreiche Teilnahme.

Wien, 9. September 1997

Für die Bundesministerin:

Dr. Dobart

F.d.R.d.A.:

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018