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Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule im Schuljahr1998/99

Geschäftszahl: 39.407/76-I/1/97

Sachbearbeiter: Dr. Wilhelm Wolf
Tel.:53120-4447

Verteiler: VII, N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung
von Schulversuchen in der Volksschule
Geltung: Schuljahr 1998/99

Rundschreiben Nr. 8/1998

An alle
Landesschulräte
(Stadtschulrat für Wien)

VORBEMERKUNGEN

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr 1998/99, GZ 39.407/71-I/1/97, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen beider Beantragung von Schulversuchen bekanntgegeben. Die in Punkt 1 bzw. 2.1 bis 2.3 angeführten Regelungen gelten mit der Maßgabe, dass sie nicht im Widerspruch zu den noch vor dem Sommer zu erwartenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schuleingangsbereich bzw. zur integrativen Führung einer lebenden Fremdsprache ab der ersten Schulstufe der Grundschule stehen. "Der zur Begutachtung versendete Entwurf sieht die Übernahme der flexiblen Schuleingangsregelung in das Regelschulwesen bei gleichzeitiger Verlängerungder Schulversuchsphase für das Schuljahr 1998/99 ebenso vor, wie den Entfall des § 131e SchOG und die verpflichtende Verankerung einer verbindlichen Übung lebende Fremdsprache in der Grundstufe I."



1. MASSNAHMEN IM SCHULEINGANGSBEREICH

Durch die Einbindung der Vorschulstufe in der Grundstufe I können flexible Formen für eine bedarfsgerechte, regional abgestimmte schulische Versorgung im Schuleingangsbereich zur individuellen Förderung der Kinder erprobt werden. Derartige Vorhaben können, sofern gegenüber dem Regelschulwesen kein zusätzlicher finanzieller Aufwand entsteht, ohne zahlenmäßige Beschränkung neu eingerichtet bzw. die in den vorangegangenen Schuljahren begonnenen Projekte fortgesetzt werden. Für die inhaltliche Gestaltung derartiger Schulversuche wird auf das Rundschreiben des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten vom 23. Dezember 1996, RS Nr. 3/1997, GZ39.407/194-I/1/96, verwiesen.



2. SPRACHENLERNEN IN DER GRUNDSCHULE

Auch für Versuche gem. § 131e SchOG gilt, daß vorbehaltlich der geplanten gesetzlichen Regelung (Übernahme in das Regelschulwesen, Entfall des § 131e SchOG ab 1998/99) derartige Projekte ohne zahlenmäßige Beschränkungen neu eingerichtet bzw. die in den vorangegangenen Schuljahren begonnenen Projekte fortgesetzt werden können.

Bei der Planung und Umsetzung sollte verstärkt darauf geachtet werden, daß auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren soziokulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

  1. Einführung in eine lebende Fremdsprache als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts in der 1. und 2. Schulstufe. Weiterführung des integrierten Fremdsprachenlernens in der 3. und 4. Schulstufe zusätzlich zur verbindlichen Übung "Lebende Fremdsprache", wobei auch von den im Lehrplan geforderten halben Unterrichtseinheiten im Sinne des integrativen Ansatzes abgegangen werden kann.
  2. Einführung in eine lebende Fremdsprache als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts in der 1. und 2. Schulstufe. Weiterführung des integrierten Fremdsprachenlernens in der 3. und 4. Schulstufe. Die verbindliche Übung "Lebende Fremdsprache" auf der Grundstufe II wird in einer zweiten lebenden Fremdsprache geführt.
  3. Einführung in eine lebende Fremdsprache als verbindliche Übung integriert in bestimmte Bereiche des Unterrichts nur in der 1. und 2. Schulstufe. In der 3. und 4. Schulstufe wird die

Darüber hinaus können folgende Projekte unter Beachtung der entsprechenden Prozentgrenzen und Vorgaben des § 7 SchOG geführt werden:

  1. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volksschule in einer lebenden Fremdsprache im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Der Unterricht in der Fremdsprache kann von Expert/inn/en – wenn möglich "native speakers" – nach dem Prinzip "eine Person – eine Sprache" in Kooperation mit den Klassenlehrer/innen erteilt werden.
  2. Führung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:
  • Zielsprachengemäß gemischte Schülerpopulation zur Gewährleistung des Prinzips des peer group learning (annähernd gleich große Gruppen)
  • für die fremdsprachige Schülergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die über ein Lehramt für Volksschulen in Österreich bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügen und deren Erstsprache nach Möglichkeit die Fremdsprache ist.



Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die mit der Novellierung des Volksschullehrplanes (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es keiner Genehmigung als Schulversuch.

Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgenden Bereichen enthalten:

  • zum Gesamtwochenstundenausmaß bzw. Ausmaß der Fremdspracheneinheiten, allenfalls unter Angabe allfälliger beabsichtigter Kürzungen im Pflichtgegenstandsbereich
  • konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Schulaufsicht
  • zur Durchführung der wissenschaftlichen Betreuung und Begleitung
  • zum methodisch-didaktischen Konzept mit allen relevanten Versuchsbereichen (wie zum Beispiel Einsatz von nichtapprobierten Lehrbüchern, Entwicklung von Planungs- und Unterrichtsmaterialien)
  • zu einem seitens des Landesschulrates vorgesehenen Evaluationskonzept.

In den Zielsetzungen des Schulversuchs muß deutlich zum Ausdruck gebracht werden,

  • inwieweit bzw. ob die derzeit bestehenden Ziele für die verbindliche Übung "Lebende Fremdsprache" allenfalls auch überschritten werden, dazu wäre nun auch die Übermittlung einer Lehrplanskizze erforderlich
  • wie der auf der Grundstufe I begonnene Schulversuch auf der Grundstufe II bzw. auf der Sekundarstufe I weitergeführt wird und
  • welche Stellung "Schreiben" in diesem Zusammenhang einnimmt.

An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für alle Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremdsprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw.eine umfassende wissenschaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Konkrete Angaben dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

Besonderes Augenmerk ist der "Nahtstellenproblematik" zu widmen, indem konkrete Maßnahmen, Projekte und dergleichen ein konstitutives Versuchselement darstellen.

Bezüglich gänzlich neuer Projekte wird auf Punkt 1 des Rundschreibens Nr. 58/1997 verwiesen.



3. ALTERNATIVE FORMEN DER LEISTUNGSBEURTEILUNG

Sofern diese Schulversuche nicht ohnehin im Rahmen von Projekten zum Schuleingangsbereich vorgelegt werden, sollte besonders beachtet werden, daß die endgültig gewährte Form der Leistungsbeurteilung im Klassenforum der entsprechenden Klasse beschlossen wird. Eine Evaluierung, zumindest in der Form von Elternbefragungen, am Ende des Erprobungszeitraumes ist vorzusehen, um zu geeigneten Entscheidungsgrundlagen für die Übernahme derartiger Vorhaben ins Regelschulwesen zu gelangen. Seitens des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten besteht kein Einwand dagegen, wenn über Wunsch der Erziehungsberechtigten und mit Zustimmung der Lehrer/innen unterschiedliche Formen für die einzelnen Kinder einer Klasse zum Einsatz gelangen.

4. VOLKSSCHULEN BZW. VOLKSSCHULKLASSEN MIT MUSIKALISCHEM SCHWERPUNKT

Grundlage für die Beantragung ist die bekannte Projektbeschreibung des damaligen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Sport. Dies bedeutet u.a. auch, daß für derartige Klassen die einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinausgehende Konzepte können nicht als "Musikvolksschulklassen" genehmigt werden, sondern müßten z.B. im Rahmen schulautonomer Lehrplanbestimmungen realisiert werden.

Entsprechend der Projektbeschreibung ist erweiterter Musikunterricht auf der 1. und 2. Schulstufe im Ausmaß von 3 bis 4 Wochenstunden und auf der 3. und 4. Schulstufe mit jeweils höchstens vier Wochenstunden anzubieten.

Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der "Musikvolksschule"zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zuammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche darauf zu achten, daß bei den einzelnen Schulen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. Es sind also die Stunden für den erweiterten Musikunterricht sowie die benötigten Lehrerwochenstunden für instrumentales Musizieren anzugeben, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrern/Lehrerinnen im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder als MDL gehalten werden.

Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung sollen einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw. Kinder.

Einer Ausweitung auf neue Standorte kann nicht zugestimmt werden.



5. FÖRDERUNTERRICHT

Damit sind v. a. solche Vorhaben gemeint, die

  • abweichend von den im Volksschullehrplan aufscheinenden Bemerkungen zur Stundentafel der Grundschule eine integrative Führung des Förderunterrichts vorsehen und
  • v. a. präventiven Charakter haben.

Durch derartige Projekte dürfen allerdings keine Mehrkosten gegenüber der Regelschule entstehen.



6. KLEINSCHULEN (WENIG GEGLIEDERTE GRUNDSCHULE)

Wenn Vorhaben erprobt werden, die über die im Volksschullehrplan in Punkt 1 der Bemerkungen zu den Stundentafeln der Grundschule geschaffenen Bestimmungen hinausreichen, sind insbesondere die in den Punkten 1, 3 und 5 genannten Versuchsanliegen dieses Rundschreibens mit zu beachten. Als Schulversuche kommen daher vor allem solcheProjekte in Frage, die über das im Lehrplan angeführte Stundenausmaß für schulstufenreinen Unterricht hinausgehen bzw. zusätzliche spezielle Versuchselemente enthalten.



7. SONSTIGE VERSUCHSVORHABEN

Bei anderen als den in den Punkten 1 – 6 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landesschulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zuprüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.

Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlaß sind nur jene Elemente Teil des Schulversuches, die in den diesbezüglichen Formblätter aufscheinen. Die Übersicht über die genehmigten Schulversuche im Schuljahr 1997/98 (rosa Formblätter und Diskette) liegt bei. Es wird gebeten, diese eingehend zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen, neue Projekte sind hinzuzufügen.

Die Anträge für das Schuljahr 1998/99 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern (wenn möglich auch auf Diskette) dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Abt. I/1, bis 15. April 1998 vorzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Beilage

Wien, 5. Februar 1998

Für die Bundesministerin:

Dr. Wolf

F.d.R.d.A:

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018