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Allgemeinbildende öffentliche Pflichtschulen;
Allgemeine Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr1999/2000

Geschäftszahl: 39.407/79-I/1/98

Sachberbeiterin: Mag. Christine Seifner
Tel.: 53120/4369
Fax: 53120/4504
e-Mail: christine.seifner@bmuk.gv.at

Verteiler: VII, N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Schulversuchsrichtlinien
Geltung: Schuljahr 1999/2000

Rundschreiben Nr. 55/1998

An die

Landesschulräte

(Stadtschulrat für Wien)



1. VORBEMERKUNGEN

Bezüglich empfehlenswerter Schwerpunktsetzungen bei der Durchführung von Schulversuchen sowie der Berücksichtigung besonderer Planungsgesichtspunkte für die Beantragung an den einzelnen Schularten wird in Speziellen Richtlinien für die einzelnen Schularten gesondert informiert werden.

Anträge, die diesen Richtlinien nicht entsprechen, werden ausnahmslos retourniert.

In diesen Fällen kann mit einer Entscheidung des Ministeriums vor Beginn des neuen Schuljahres nicht gerechnet werden. Gleiches gilt bei der Einrichtung neuer, komplexer Schulversuchsvorhaben, die im Hinblick auf die Kürze der für die Prüfung zur Verfügung stehenden Zeit

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nicht schon mit Beginn des Schuljahres 1999/2000, sondern womöglich erst im darauf folgenden Schuljahr durchgeführt werden können.

Es wird daher ausdrücklich hingewiesen, dass in diesen Fällen auch nicht mit der Führung derartiger Schulversuche begonnen werden darf.

2. RECHTSGRUNDLAGEN

Die Beantragung von Schulversuchen kann auf der Basis folgender Rechtsgrundlagen vorgenommen werden:

§§ 7, 131a, 131b des Schulorganisationsgesetzes,§ 78 Abs. 1 und §78a des Schulunterrichtsgesetzes

§ 6 des Schulzeitgesetzes.

Grundlage für die Genehmigung der einzelnen Schulversuchsvorhaben sind in der Regel die entsprechenden Formblätter und nicht allfällige Beilagen.

Es wird daher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wesentliche bzw. kostenrelevante Versuchselemente, die in diesen Formularen nicht aufscheinen, auch nicht Gegenstand der Genehmigung sein können.

2.1 PROZENTGRENZEN

Die in den einzelnen schulgesetzlichen Bestimmungen vorgesehenen Prozentgrenzen sind genauestens zu beachten:

§ 7 SchOG: 5 % der Klassen an öffentlichen Pflichtschulen im Bundesland

§ 131a SchOG: so viel Klassen, wie 20 % der Sonderschulklassen im Bundesland imSchuljahr 1991/92 entsprechen

§ 131b SchOG: 15 % der Klassen an öffentlichen Hauptschulen im gesamten Bundesgebiet

§ 78 SchUG: 5 % der Klassen an öffentlichen Pflichtschulen in Bundesland

§ 78a SchUG 25 % der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet

§ 6 SchZG: 5 % der Klassen an gleichartigen Schulen im Bundesgebiet.

Bei Schulversuchen, die sich auf mehrere der angeführten Paragraphen beziehen, sind die Klassen nicht mehrfach zu zählen. Bei neuen Schulversuchen, die aufsteigend geführt werden, ist die Anzahl der Versuchsklassen entsprechend über einen mehrjährigen Erprobungszeitraum zu verteilen.

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2.2 BERECHNUNG DER ANZAHL DER KLASSEN

Bei Schulversuchen, die nicht alle Schüler/innen einer Klasse erfassen (z.B. bei unverbindlichen Übungen), ist zur Berechnung der fiktiven Klassenzahl die Zahlder teilnehmenden Schüler/innen durch die durchschnittliche Klassenschülerzahl der jeweiligen Schulart im Bundesland zu teilen.

2.3 ZUSTIMMUNG DER ERZIEHUNGSBERECHTIGTEN UND DER LEHRER/INNEN

Schulversuche dürfen nur eingerichtet werden, wenn die Erziehungsberechtigten von mindestens zwei Dritteln der Schüler und zwei Dritteln der Lehrer der betreffenden Schule dem Schulversuch zustimmen.

Ist ein Schulversuch nur für einzelne Klassen geplant, darf der Schulversuch nur eingerichtet werden, wenn die Erziehungsberechtigten von zwei Dritteln der Schüler, welche die Klasse voraussichtlich besuchen werden, und mindestens zwei Drittel der Lehrer, welche in diese Klasse voraussichtlich unterrichten werden, zustimmen.

Vor der Einführung eines Schulversuches an einer Schule ist das Schulforum bzw. der Schulgemeinschaftsausschuss zu hören.

2.4 SCHULVERSUCHSPLÄNE

Als Grundlage sind Schulversuchspläne zu erstellen, aus denen das Ziel des Schulversuches, die Einzelheiten der Durchführung und die Dauer hervorgehen.

Die Schulversuchspläne sind in der jeweiligen Schule durch Anschlag während eines Monats kundzumachen und anschließend bei der Schulleitung zu hinterlegen. Auf Verlangen ist Schülern/innen und Erziehungsberechtigten Einsicht zu gewähren.

Sofern es sich um Schulversuche zum Lehrplan handelt, ist ein Versuchslehrplan bzw. eine Lehrplanskizze sowie eine vorläufige Jahresplanung der Schulbehörde erster Instanz vorzulegen.

2.5 BETREUUNG; KONTROLLE UND AUSWERTUNG

Schulversuche im Bereich der allgemeinbildenden Pflichtschulen sind von der Schulbehörde zweiter Instanz zu betreuen, zu kontrollieren und auszuwerten, wobei Einrichtungen der Lehreraus- und -fortbildung herangezogen werden können, und den Abteilungen bzw. "Bereichen" des Zentrums für Schulentwicklung dabei beratende Tätigkeit zukommt.

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3. BEDECKUNG IM STELLENPLAN

Unter Hinweis auf die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern gem. Artikel
15a B-VG und die hiezu ergangenen Rundschreiben betreffend die Erstellung der Stellenpläne der Länder wird darauf hingewiesen, dass alle auf Grund der gegenständlichen Richtlinien beantragten stellenplanwirksamen Schulversuche im genehmigten endgültigen Stellenplan ihre Bedeckung finden müssen. Die Genehmigung von Planstellen über die geltenden Richtlinien hinaus aus Anlass der Führung von Schulversuchen ist grundsätzlich nicht möglich. Mit der Genehmigung eines Schulversuches wird jedenfalls keine Aussage über zusätzliche Planstellen getroffen. Bei der Planstellenbewirtschaftung ist der aus Schulversuchen resultierende Mehrbedarf an Lehrerstunden mitzubedenken. Sofern die diesbezüglichen Kompetenzen bei der Landesregierung liegen, ist daher vor der Antragstellung das Einvernehmen herzustellen.

3.1 SONDERSCHULE

Für das Schuljahr 1999/2000 gilt das für die Sonderschule bestehende Berechnungsmodell.

Bei der Erstellung wurde auch der als Konstante eingehende allfällige Mehrbedarf für Schulversuche bereits berücksichtigt, sodass mit dem errechneten Planstellenkontingent auch für Schulversuche das Auslangen gefunden werden muss.

Damit sind auch planstellenmäßige Vorgaben in diesem Erlass für einzelne Schulversuche entbehrlich, und es obliegt den zuständigen Landesbehörden, innerhalb der planstellenmäßigen Vorgabe die sonderpädagogische Förderung zu gewährleisten und Schwerpunkte in der Schulversuchsarbeit zu setzen.

4. SCHULVERSUCHE ZUR SCHULISCHEN BETREUUNG VON FLÜCHTLINGSKINDERN

Zielgruppe sind schulpflichtige Kinder, die sich vorübergehend in Österreich aufhalten und auf Grund mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache oder ausanderen maßgeblichen Gründen nicht im Rahmen der bestehenden Regelungen in den Unterricht integriert werden können.

Bei der Einrichtung gesonderter Gruppen und Klassen sind die für die Organisation maßgeblichen Gründe sowie die beabsichtigte Betreuungsdauer für die einzelnen Schüler/innen anzugeben.

Sofern als Unterrichtssprache die Muttersprache der Schüler/innen vorgesehen ist, sind jedenfalls auch entsprechende Maßnahmen zum Erwerb von Deutsch vorzusehen.

Im Hinblick auf Übertritte und Anrechnungen ist bei den Versuchslehrplänen eine möglichst große Nähe zum geltenden österreichischen Lehrplan herzustellen.

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Den Versuchsanträgen sind Angaben über die voraussichtlichen Schülerzahlen anzuschließen.

5. HINWEISE ZUM ADMINISTRATIVEN ABLAUF BEI DER BEANTRAGUNG VON SCHULVERSUCHEN

5.1 ZU DEN EINZELNEN RUBRIKEN DER FORMBLÄTTER

Schuljahr:

Schuljahr, auf das sich der Antrag bzw. die Genehmigung bezieht.

Land:

Kürzel für das Bundesland.

Paragraph:

Schulversuchsparagraph. Eine Mehrfachnennung ist in der Regel möglich, der erstgenannte Paragraph ist jener, bei dem die Klassen in Bezug auf Prozentgrenzen gezählt werden.

Geschäftszahl:

Zahl jenes Erlasses, mit dem das Projekt zuletzt behandelt wurde. Wird vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten eingetragen.

Titel:

Kurzer Titel des Projektes, aus dem seine Hauptintention hervorgeht.

Schulart:

Kürzel für die Schulart.

Status:

Kürzel für den aktuellen Status des Projektes, wird vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten eingetragen.

Sachgebiet:

Dient der Kennzeichnung der Projekte. Die Liste der aktuellen Kürzelist in der Schulversuchsübersicht 1998/99 zu finden.

Kurze Projektdarstellung (inkl. Angaben über Abweichung vom Lehrplan,Klassenschülerzahlen/ Gruppengrößen):

Hier soll einerseits das Projekt als Ganzes in knapper Form charakterisiert werden, um einen Gesamteindruck zu vermitteln. Andererseits sollen jene Elemente, die von den Möglichkeiten des Regelschulwesens abweichen, klar ausgewiesen werden - darauf bezieht sich die Genehmigung. Wenn keine Angaben zum Lehrplan bzw. zu Klassen- oder Gruppengrößen gemacht werden, gelten die Bestimmungen der Regelklassen. Ähnliche Versuchsvorhaben sind in einem Formblatt in einer rahmenhaften Projektbeschreibung zusammenzufassen.

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Angaben zur Betreuung und Auswertung:

Diese Rubrik dient der Benennung der eingesetzten Methoden und Maßnahmen (geplante Art der Evaluation). Die Schulaufsicht ist grundsätzlich nicht eigens anzuführen, da deren Zuständigkeit ohnehin bekannt ist. Personen sollen nur dann angegeben werden, wenn sie spezielle Aufgaben übernehmen.

Dauer:

Darunter ist im Allgemeinen der Erprobungszeitraum eines Schulversuches zu verstehen. Dieser endet mit dem Zeitpunkt, zu dem voraussichtlich Ergebnisse vorliegen, die als Entscheidungsgrundlage für die Weiterführung oder Übertragung des Versuchsanliegens in das Regelschulwesen bzw. für die Einstellung relevant sind.

An dieser Stelle kann auch eine genauere Klassifizierung erfolgen, Hinweise darauf sind den Speziellen Richtlinien für die einzelnen Schularten zu entnehmen.

Summe der Standorte:

Anzahl jener Standorte, an denen das Projekt geführt werden soll.

Summe der Klassen:

Gesamtzahl der Klassen, die das Projekt durchführen wollen.

Summe der Kosten:

Mehraufwand, der insgesamt durch dieses Projekt verursacht würde.

Standorte:

Liste der Standorte, die das Projekt durchführen wollen.

Klassen:

Anzahl der Klassen an den jeweiligen Standorten, die am Projekt teilnehmen wollen. Zur Berechnung siehe Punkt 2.2.

Kosten:

Mehraufwand gegenüber derselben Anzahl von Regelklassen, ausgedrückt in Lehrerwochenstunden.

5.2 WIEDERBEANTRAGUNG VON SCHULVERSUCHEN

Die Wiederbeantragung von Schulversuchen erfolgt auf der Basis der vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten übermittelten Übersichten. Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr sind deutlich zu kennzeichnen.

5.3 NEUBEANTRAGUNG VON SCHULVERSUCHEN

Für die Neubeantragung von Schulversuchen sind ausnahmslos Kopien des beiliegenden Leerformulars zu verwenden.

Bei der Vorlage von Anträgen zu neuen Schulversuchen wird um kritische Sichtung dieser Versuchsvorhaben seitens des Landesschulrates (Stadtschulrates für Wien) gebeten.

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Dies betrifft insbesondere:

· die Frage, ob das Versuchsanliegen nicht auch im Rahmen des Regelschulwesens realisiert werden kann,

· die Möglichkeit der Generalisierbarkeit (z. B. Stundenbelastung der Schüler/innen, Finanzierbarkeit) und

· die Frage der Evaluation des Schulversuches; sofern sie nicht gemäß Punkt 2.5 sichergestellt werden kann, ist vom gegenständlichen Versuchsvorhaben Abstand zu nehmen.

Bei neuen Projekten zum Lehrplan ist der Versuchslehrplan bzw. eine Lehrplanskizze vorzulegen.

Bei neuen Schulversuchsvorhaben ist grundsätzlich nicht damit zurechnen, dass eine Durchführung schon zu Beginn des Schuljahres 1999/2000 ins Auge gefasst werden kann.

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018