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Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung vonSchulversuchen in der Volksschule im Schuljahr1999/2000

Geschäftszahl: 39.407/1-I/1/99

Sachbearbeiter: Dr. Wilhelm Wolf
Tel.:53120-4447
Fax: 53120 – 4504
E-Mail: Wilhelm.Wolf@bmuk.gv.at

Verteiler: VII, N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule
Geltung: Schuljahr 1999/2000

Rundschreiben Nr. 6/1999

An alle
Landesschulräte
(Stadtschulrat für Wien)

VORBEMERKUNGEN

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr 1999/2000, GZ 39.407/79-I/1/98, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen bei der Beantragung von Schulversuchen bekannt gegeben.

1. SPRACHENLERNEN IN DER GRUNDSCHULE

Nach der Übertragung der Schulversuche gem. § 131e SCHOG ("Lebende Fremdsprache ab der 1. Schulstufe") ins Regelschulwesen, wird es v.a. um folgende Projekte gehen:

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  1. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volks-schule in einer lebenden Fremdsprache im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Der Unterricht in der Fremdsprache kann von Expert/inn/en – wenn möglich "native speakers" – nach dem Prinzip "eine Person – eine Sprache" in Kooperation mit den Klassen-lehrer/innen erteilt werden.
  2. Führung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:
  • Zielsprachengemäß gemischte Schülerpopulation zur Gewährleistung des Prinzips des peer group learning (annähernd gleich große Gruppen)
  • für die fremdsprachige Schülergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die über ein Lehramt für Volksschulen in Österreich bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügen und deren Erstsprache nach Möglichkeit die Fremdsprache ist.



Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die bereits mit der Novellierung des Volksschullehrplanes (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es selbstverständlich keiner Genehmigung als Schulversuch. Bezüglich der integrativen Führung einer Lebenden Fremdsprache ab der ersten Schulstufewird auf die Lehrplannovelle (BGBl. Nr. 310/1998) und deren Publikation in der Broschürenreihe des BMUK "Aller Anfang", Heft 5, hingewiesen.

Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgenden Bereichen enthalten:

  • zum Gesamtwochenstundenausmaß bzw. Ausmaß der Fremdspracheneinheiten
  • konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Schulaufsicht
  • zur Durchführung der wissenschaftlichen Betreuung und Begleitung
  • zum methodisch-didaktischen Konzept mit allen relevanten Versuchsbereichen (wie zum Beispiel Einsatz von nichtapprobierten Lehrbüchern, Entwicklung von Planungs- und Unterrichtsmaterialien)
  • zu einem seitens des Landesschulrates vorgesehenen Evaluationskonzept.

Bei der Planung und Durchführung von Fremdsprachenprojekten sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren soziokulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremdsprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw. eine umfassende wissenschaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Konkrete Angaben dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

Besonderes Augenmerk ist der "Nahtstellenproblematik" zu widmen, indem konkrete Maßnahmen und Projekte auch schulartenübergreifend ein konstitutives Versuchselement darstellen.

Bezüglich gänzlich neuer Projekte wird auf Punkt 1 des Rundschreibens Nr. 55/1998 verwiesen.

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2. ALTERNATIVE FORMEN DER LEISTUNGSBEURTEILUNG

Im Zuge der beschlossenen Schulgesetznovellen (BGBl.Nr. 133/1998) kam es auch zu Veränderungen bei der Leistungsbeurteilung. Mit Ausnahme der Möglichkeit, zu der Ziffernbeurteilung verbale Zusätze hinzufügen, können alle übrigen alternativen Formen der Leistungsbeurteilung weiterhin nur im Wege von Schulversuchen zur Anwendung gelangen. Dafür wurde der neue § 78a SCHUG geschaffen, der auch eine größere Anzahl von Schulversuchen ermöglicht, indem auf alle öffentlichen Schulen und alle in Österreich zur Durchführung gelangenden Projekte abgestellt wird:

§ 78a: (1) An Volksschulen und an Sonderschulen sind alternative Formen der Leistungsbeurteilung zu erproben, wobei die Selbstständigkeit der Arbeit, die Erfassung und die Anwendung des Lehrstoffes, die Durchführung der Aufgaben und die Eigenständigkeit der Schüler zu beurteilen sind und unterschiedliche Schülerleistungen zum Ausdruck zu bringen sind. In den Schulversuchen ist vorzusehen, dass auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat.

(2) Auf Schulversuche gemäß Abs. 1 findet § 7 des Schulorganisationsgesetzes mit der Maßgabe Anwendung, dass die Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen, an denen diese Schulversuche durchgeführt werden, 25% der Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet nicht übersteigen.


3. VOLKSSCHULEN BZW. VOLKSSCHULKLASSEN MIT MUSIKALISCHEM SCHWERPUNKT

Grundlage für die Beantragung ist die Projektbeschreibung des BMUK. Dies bedeutet u.a. auch, dass für derartige Klassen die einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinausgehende Konzepte können nicht als "Musikvolksschulklassen" genehmigt werden.

In diesem Zusammenhang wird mitgeteilt, dass voraussichtlich bis zu Beginn des zweiten Semesters ein Entwurf für die unverbindliche Übung "vertiefende Musikerziehung" vorliegen wird. Dieser Text sollte nach Möglichkeit der Unterrichtsarbeit ab dem kommenden Schuljahr zu Grunde gelegt werden.

Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der "Musikvolksschule" zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zuammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche darauf zu achten, dass bei den einzelnen Schulen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. Es sind also die Stunden für den erweiterten Musikunterricht sowie die benötigten Lehrerwochenstunden für instrumentales Musizieren anzugeben, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrern/Lehrerinnen im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder als MDL gehalten werden.

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Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung sollen einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw. Kinder.

Einer Ausweitung auf neue Standorte kann nicht zugestimmt werden.

4. FÖRDERUNTERRICHT

Damit sind v. a. solche Vorhaben gemeint, die

  • abweichend von den im Volksschullehrplan aufscheinenden Bemerkungen zur Stundentafel der Grundschule eine integrative Führung des Förderunterrichts vorsehen und
  • präventiven Charakter haben.

Durch derartige Projekte dürfen allerdings keine Mehrkosten gegenüber der Regelschule entstehen.

5. SONSTIGE VERSUCHSVORHABEN

Bei anderen als den in den Punkten 1 – 4 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landesschulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zuprüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.

6. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlass sind nur jene Elemente Teil des Schulversuches, die in den diesbezüglichen Formblätter aufscheinen. Die Übersicht über die genehmigten Schulversuche im Schuljahr 1998/99 wird gesondert übermittelt werden. Es wird gebeten, die Formblätter genau zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen.

Die Anträge für das Schuljahr 1999/2000 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Abt. I/1, bis 15. April 1999 vorzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Wien, 21. Jänner 1999

Für die Bundesministerin:

Dr. Wolf

F.d.R.d.A:

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018