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Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule im Schuljahr 2000/01;

Geschäftszahl: 39.407/75-I/1/99;

Sachbearbeiter: Dr. Wilhelm Wolf;

Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten;
Geltung: Schuljahr 2000/01;

Rundschreiben Nr. 6/2000

An alle

Landesschulräte

(Stadtschulrat für Wien)

VORBEMERKUNGEN

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr 2000/2001, GZ 39.407/74 -I/1/99, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen bei der Beantragung von Schulversuchen bekannt gegeben.

1. SPRACHENLERNEN IN DER GRUNDSCHULE

Nach der Übertragung der Schulversuche gem. § 131e SCHOG ("Lebende Fremdsprache ab der 1. Schulstufe") ins Regelschulwesen, wird es v.a. um folgende Projekte gehen:

    Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die bereits mit der Novellierung des Volksschullehrplanes (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es selbstverständlich keiner Genehmigung als Schulversuch. Bezüglich der integrativen Führung einer Lebenden Fremdsprache ab der ersten Schulstufe wird auf die Lehrplannovelle (BGBl. Nr. 310/1998) und deren Publikation in der Broschürenreihe des BMUK "Aller Anfang", Heft 5, hingewiesen.

    Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgenden Bereichen enthalten:

      Bei der Planung und Durchführung von Fremdsprachenprojekten sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren soziokulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

      An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremdsprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw. eine umfassende wissenschaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Konkrete Angaben dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

      Besonderes Augenmerk ist der "Nahtstellenproblematik" zu widmen, indem konkrete Maßnahmen und Projekte auch schulartenübergreifend ein konstitutives Versuchselement darstellen.

      Bezüglich gänzlich neuer Projekte wird auf Punkt 1 des Rundschreibens Nr. 51/1999 verwiesen.

      2. ALTERNATIVE FORMEN DER LEISTUNGSBEURTEILUNG

      Im Zuge der beschlossenen Schulgesetznovellen (BGBl.Nr. 133/1998) kam es auch zu Veränderungen bei der Leistungsbeurteilung. Mit Ausnahme der Möglichkeit, zu der Ziffernbeurteilung verbale Zusätze hinzufügen, können alle übrigen alternativen Formen der Leistungsbeurteilung

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      weiterhin nur im Wege von Schulversuchen zur Anwendung gelangen. Dafür wurde der neue § 78a SCHUG geschaffen, der auch eine größere Anzahl von Schulversuchen ermöglicht, indem auf alle öffentlichen Schulen und alle in Österreich zur Durchführung gelangenden Projekte abgestellt wird:

      § 78a: (1) An Volksschulen und an Sonderschulen sind alternative Formen der Leistungsbeurteilung zu erproben, wobei die Selbstständigkeit der Arbeit, die Erfassung und die Anwendung des Lehrstoffes, die Durchführung der Aufgaben und die Eigenständigkeit der Schüler zu beurteilen sind und unterschiedliche Schülerleistungen zum Ausdruck zu bringen sind. In den Schulversuchen ist vorzusehen, dass auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat.
      (2) Auf Schulversuche gemäß Abs. 1 findet § 7 des Schulorganisationsgesetzes mit der Maßgabe Anwendung, dass die Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen, an denen diese Schulversuche durchgeführt werden, 25% der Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet nicht übersteigen.

      3. VOLKSSCHULEN BZW. VOLKSSCHULKLASSEN MIT MUSIKALISCHEM SCHWERPUNKT

      Grundlage für die Beantragung ist die Projektbeschreibung des BMUK. Dies bedeutet u.a. auch, dass für derartige Klassen die derzeit im Lehrplan vorgesehenen einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinaus gehende Konzepte können nicht als "Musikvolksschulklassen" genehmigt werden. Nach Fertigstellung des Lehrplanentwurfes für eine geplante unverbindliche Übung "vertiefende Musikerziehung" könnte allerdings dieser Text im Rahmen dieser Schulversuche praktisch erprobt werden.

      Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der "Musikvolksschule" zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zuammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche darauf zu achten, dass bei den einzelnen Schulen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. Es sind also alle Stunden für den erweiterten Musikunterricht bzw. die benötigten Lehrerwochenstunden anzugeben, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrern/Lehrerinnen im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder als MDL gehalten werden.

      Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung sollen einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw. Kinder.

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      4. SCHULBIBLIOTHEKEN

      Entsprechend der für das laufende Schuljahr gestarteten Qualitätsinitiative "verlässliche Volksschule" und dem damit im Zusammenhang stehenden Modul "Lesen" sollte v. a. dem weiterführenden Lesen vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diesem Anliegen könnte mit Schulbibliotheken in besonderer Weise entsprochen werden.

      Die zentrale Schulbibliothek (in der Folge mit "ZSB" abgekürzt) sollte sowohl den Lehrern/innen als auch den Schülern/innen als Freihandbibliothek zur Verfügung stehen und Funktionsbereiche wie z.B. Informations- und Wissenszentrum, Medienzentrum, Unterrichtszentrum, Lese- und Freizeitzentrum, Kommunikationszentrum umfassen. Pädagogische Aspekte der Individualisierung und Differenzierung sowie soziale und erziehliche Aufgaben stehen mit den verschiedenen Funktionsbereichen in einem engen Zusammenhang. Durch die Nutzung einer ZSB und ihrer vielfältigen Angebote kann in vielen Bereichen selbstständiges Lernen unterstützt und gefördert werden. Die ZSB sollte mit ihrem Medienbestand (Bücher, Zeitschriften, Spiele, Ton- und Bildträger usw.) den Erfahrungen, Bedürfnissen und Interessen der Kinder entgegen kommen und somit den gesamten Bildungs- und Erziehungsprozess bereichern. Durch die ZSB soll den Kindern, aber auch den Eltern, eine positive Haltung bezüglich des Umganges mit Büchern und zeitgemäßen Medien vermittelt werden.Als wesentlich ist anzusehen, dass die geplante Benutzung zur Vorbereitung bzw. während des Unterrichts z.B. für Gruppen- und Projektunterricht, fächer- und klassenübergreifenden Unterricht erfolgen kann. Gegebenenfalls sollte auch die spontane Benutzung der ZSB während des Unterrichts bzw. die selbstständige Beschaffung von Arbeitsmaterialien und Arbeitsunterlagen möglich sein.

      In diesem Zusammenhang darf erwähnt werden, dass ein Rahmenkonzept für zentrale Schulbibliotheken an der Volksschule von einer ministeriellen Arbeitsgruppe erstellt worden ist, das auf Wunsch gern von Abt. I/1 übermittelt wird

      5. SONSTIGE VERSUCHSVORHABEN

      Bei anderen als den in den Punkten 1 – 4 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landesschulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zu prüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.

      6. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

      Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlass sind nur jene Elemente Teil des Schulversuches, die in den diesbezüglichen Formblätter aufscheinen. Es wird gebeten, die Formblätter genau zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen.

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      Die Anträge für das Schuljahr 2000/2001 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Abt. I/1, bis längstens 15. April 2000 vorzulegen.

      Mit freundlichen Grüßen


      Beilage

      Wien, 25. Jänner 2000

      Für die Bundesministerin:

      Dr. Wolf

      F.d.R.d.A.:

      Inhaltlicher Stand: 06.04.2018