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Muttersprachlicher Unterricht: Information und Übermittlung der Merkblätter/Anmeldeformulare und Statistikblätter;

Geschäftszahl: 27.901/44-V/B/5a/2000;

Sachbearbeiterin: Mag. Elfie Fleck;

Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten;
Geltung: Schuljahr 2000/2001;

Rundschreiben Nr. 43/2000

Landesschulräte/den Stadtschulrat für Wien



  1. Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht/Merkblätter für die Eltern sowie Statistikblätter


Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur übermittelt mit getrennter Post die Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht/Merkblätter für die Eltern, die in Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Chinesisch, Englisch, Kurdisch (Sorani), Makedonisch, Persisch, Polnisch, Rumänisch, Serbokroatisch (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch), Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch abgefasst sind. Die Formulare wurden auf Grund der Umbenennung des Ministeriums neu gestaltet, wobei aus diesem Anlass auch Anregungen aus den einzelnen Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien eingearbeitet wurden. Es empfiehlt sich daher, allfällige Restbestände aus dem Vorjahr nicht mehr zu verwenden.

Es wird ersucht, die Merkblätter/Anmeldeformulare zu Beginn des Schuljahres an die einzelnen Schulstandorte zu verteilen, um den SchülerInnen eine Anmeldung zum muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen. Um SchülerInnen, die Schulen besuchen, an denen derzeit kein muttersprachlicher Unterricht stattfindet, die Teilnahme zu erleichtern, wird heuer erstmals eine nach Schulbezirken und Schularten gegliederte Liste des jeweiligen Bundeslandes beigefügt, der die Standorte, an denen im Schuljahr 1999/2000 muttersprachlicher Unterricht angeboten wurde, zu entnehmen sind. Es wird ersucht, diese Liste gemeinsam mit dem Merkblatt/Anmeldeformular an die einzelnen Schulstandorte zu verteilen.

In jenen Bundesländern, in denen keine diesbezügliche Landesverordnung erlassen wurde und daher am jeweiligen Schulstandort entschieden wird, ob der muttersprachliche Unterricht ab der 5. Schulstufe als Freigegenstand oder als unverbindliche Übung angeboten wird, wird empfohlen, die Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht und die betroffenen Eltern in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen.

Weiters werden Ihnen, ebenfalls mit getrennter Post, die Statistikblätter in der benötigten Anzahl übermittelt. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ersucht um Rücksendung der von den einzelnen Lehrkräften für den muttersprachlichen Unterricht ausgefüllten Statistikblätter bis Ende Oktober 2000.

2. Eröffnungs- und Teilungszahlen – Gruppenbildung – Team Teaching

Die Bestimmungen für den muttersprachlichen Unterricht werden durch den neuen Lehrplan für die Sekundarstufe I nicht berührt. Bei nichtintegrativer Führung (Kursform) gelten die Eröffnungs- und Teilungszahlen für Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen (Landesausführungsgesetze). Es ist auch möglich, klassen-, schulstufen-, schul- und schulartenübergreifende Gruppen zu bilden bzw. an Standorten, an denen bisher kein muttersprachlicher Unterricht angeboten wurde, einen solchen einzurichten.

Es wird auch darauf hingewiesen, dass sich für Klassen mit einem hohen Anteil an SchülerInnen der gleichen Herkunftssprache der muttersprachliche Unterricht in integrativer Form (Team Teaching) anbietet, sofern dies von den betroffenen Lehrkräften (Klassen/FachlehrerIn und LehrerIn für den muttersprachlichen Unterricht) gewünscht wird.

Weiters wird in Erinnerung gerufen, dass in der Vorschulstufe im Rahmen der verbindlichen Übung "Sprache und Sprechen" eine besondere Förderung in der Muttersprache des Kindes im Ausmaß von drei Wochenstunden parallel zum Unterricht bzw. (ganz oder teilweise) integrativ angeboten werden kann (vgl. BGBl. Nr. 528/1992, S. 2144).

Für allgemein bildende höhere Schulen und für berufsbildende mittlere und höhere Schulen wird empfohlen, den muttersprachlichen Unterricht im Rahmen der Schulautonomie zu ermöglichen, sofern der Bedarf und die stellenplanmäßige Bedeckung gegeben sind. Auch hier gilt die Möglichkeit von schulübergreifenden Sammelkursen.

Die Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts ist grundsätzlich in jeder Sprache möglich, sofern der Bedarf gegeben ist und die personellen und stellenplanmäßigen Ressourcen vorhanden sind. Sollte die Einführung einer neuen Sprache in Ihrem Bundesland geplant sein, werden Sie ersucht, mit dem Referat für Interkulturelles Lernen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Kontakt aufzunehmen.

3. Lehrverpflichtung

Anhand der eingelangten Statistikblätter für den muttersprachlichen Unterricht im Schuljahr 1999/2000 wurde erneut festgestellt, dass manche Lehrerinnen und Lehrer an über zehn Standorten eingesetzt waren. Da sowohl der Einsatz an so vielen Standorten als auch eine hohe Überstundenanzahl eine pädagogisch sinnvolle Arbeit extrem erschweren, wird neuerlich empfohlen, eine Lehrerin/einen Lehrer an nicht mehr als fünf Standorten zu beschäftigen und Mehrdienstleistungen nur im unbedingt erforderlichen Ausmaß vorzusehen.


In diesem Zusammenhang wird auch darauf hingewiesen, dass die Teilnahme der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht an Lehrerkonferenzen, sofern es nicht durch den Einsatz an zu vielen Schulstandorten organisatorisch unmöglich ist, verpflichtend ist.

4. Unterrichtsmaterialien


  • Lehrbücher


Für den muttersprachlichen Unterricht in Serbokroatisch – Bosnisch/Kroatisch/Serbisch wird das für die 1. Schulstufe approbierte Buch "Radni listovi za nastavu na maternjem jeziku" in der Schulbuchliste geführt.

Für den muttersprachlichen Unterricht in Türkisch (1. bis 9. Schulstufe) können wie in den vergangenen Schuljahren Bücher aus der Schulbuchliste bestellt werden. Für den muttersprachlichen Unterricht in Slowenisch an Volksschulen können ebenfalls die Bücher aus der Schulbuchliste für Slowenisch verwendet werden.

Weiters wird auf ein Lehrbuch zur Unterstützung der parallelen Alphabetisierung in Deutsch und Türkisch bzw. Deutsch und Serbokroatisch – Bosnisch/Kroatisch/Serbisch hingewiesen.

Der Höchstbetrag für die Durchschnittskosten pro SchülerIn beträgt öS 202,--. Da in vielen Fällen die genaue Anzahl der teilnehmenden SchülerInnen erst zu Beginn des Schuljahres 2000/2001 bekannt sein dürfte, werden die Schulen ersucht, die Bücher allenfalls mittels Nachbestellungsformular anzufordern.


  • Wörterbücher

SchülerInnen, die am muttersprachlichen Unterricht teilnehmen, dürfen außerdem einmal ein zweisprachiges Wörterbuch erhalten.

Folgende zweisprachige Wörterbücher, die das derzeitige Sprachenangebot des muttersprachlichen Unterrichts betreffen, werden in der Schulbuchliste geführt:

Volksschulen:

Slowenisch (ab der 3. Schulstufe)


Hauptschulen, Sonderschulen, die nach dem Lehrplan der Hauptschule geführt werden, und allgemein bildende höhere Schulen (ab der 5. Schulstufe):

Polnisch

Rumänisch

Serbokroatisch

Slowenisch

Türkisch


Polytechnische Schulen:

Polnisch

Rumänisch

Serbokroatisch

Türkisch



Auch die Wörterbücher können mittels Nachbestellungsformular im Laufe des Schuljahres nachbestellt werden.

  • Seit dem Schuljahr 1998/99 wird den LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht in Türkisch und Albanisch auf Wunsch das, bereits für die Volksschule geeignet, zweisprachige Wörterbuch "Die Wörterbrücke" in der gewünschten Stückzahl übermittelt. Nachbestellungen für das Schuljahr 2000/2001 sind schriftlich an das Referat für Interkulturelles Lernen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zu richten.
  • Die LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht in Serbokroatisch/Bosnisch/Kroatisch/Serbisch erhielten im Schuljahr 1999/2000 je ein Lehrerhandexemplar (Kopiervorlage) der Titel "Izabrani tekstovi" (für die 1. bis 4. Schulstufe) und "Literarna mapa" (für die 5. bis 9. Schulstufe), um den Mangel an geeigneten Materialien in der Schulbuchliste zumindest ansatzweise auszugleichen.
  • Für alle anderen im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts angebotenen Sprachen werden den Lehrkräften die benötigten Lehrbücher seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Verfügung gestellt.


5. Muttersprachlicher Unterricht in Serbokroatisch-Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

Aufgrund wiederholter Anfragen zur Organisationsform des muttersprachlichen Unterrichts in Serbokroatisch/Bosnisch/Kroatisch/Serbisch darf das Rundschreiben Nr. 10/1996 (GZ 27.901/8-V/5a/96) in Erinnerung gerufen werden, in welchem empfohlen wird, "nach Möglichkeit keine Trennung nach ethnischen Zugehörigkeiten vorzunehmen", und die Lehrkräfte darauf hingewiesen werden, "ungeachtet ihrer eigenen ethnischen oder regionalen Herkunft, alle in ihrer Gruppe vertretenen Sprachvarietäten im gleichen Maße zu respektieren und zu fördern." Auf diesen Sachverhalt sowie auf die Tatsache, dass für die Auswahl und Anstellung der Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht ausschließlich österreichische Behörden zuständig sind, wäre bei etwaigen neuerlichen Anfragen bzw. bei der Neuanstellung von LehrerInnen ausdrücklich hinzuweisen.

Die Landesschulräte/der Stadtschulrat für Wien werden ersucht, die in diesem Erlass enthaltenen Informationen allen Schulen, auch den mittleren und höheren Schulen, bekannt zu geben.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Sachbearbeiterin zur Verfügung.

Eine Abschrift dieses Schreibens ergeht an die für die Anstellung der muttersprachlichen LehrerInnen zuständigen Personen in den Landesregierungen, an die Schulberatungsstellen für AusländerInnen/MigrantInnen bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien, an die KoordinatorInnen für interkulturelles Lernen an den Pädagogischen Instituten, an die im Bereich Interkulturellen Lernen und Deutsch als Zweitsprache tätigen ProfessorInnen an den Pädagogischen Akademien sowie an alle in Österreich tätigen LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht.

Wien, 8. August 2000

Für die Bundesministerin:

Dr. Streyhammer

F.d.R.d.A.

Inhaltlicher Stand: 6. April 2018