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Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule im Schuljahr 2001/2002

Geschäftszahl: 39.407/74-I/1/2000

Sachbearbeiter: Dr. Wilhelm WOLF
Tel.: +43/1/53120-4447
Fax: +43/1/53120-4504
Email: Wilhelm.Wolf@bmbwk.gv.at

Verteiler: VII, N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule
Geltung: Schuljahr 2001/2002

Rundschreiben Nr. 5/2001

An alle Landesschulräte/Stadtschulrat für Wien

VORBEMERKUNGEN

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schuljahr 2001/2002, GZ 39.407/68-I/1a/2000, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen bei der Beantragung von Schulversuchen bekannt gegeben.

1. SPRACHENLERNEN IN DER GRUNDSCHULE

Nach der Übertragung der Schulversuche gemäß § 131e SchOG („Lebende Fremdsprache ab der 1. Schulstufe“) ins Regelschulwesen, wird es v.a. um folgende Projekte gehen:

1. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volksschule in einer lebenden Fremdsprache durch die Klassenlehrerin bzw. den Klassenlehrer im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Gelegentlich kann der Unterricht in der Fremdsprache auch von Expertinnen bzw. Experten – wenn möglich „native speakers“ – in Kooperation mit der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer erteilt werden, die bzw. der jedenfalls die Verantwortung für den Unterricht trägt. Die gemeinsame Planung des Unterrichts der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers mit dem „native speaker“ ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens. Beim Einsatz von „native speakers“ ist auf eine dem Grundschullehrer gleichwertige Ausbildung zu achten. Eine grundsätzliche, unverzichtbare Voraussetzung für Schulversuche zur Sprachintensivierung ist es, dass die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer über die erforderlichen Qualifikationen zur Erteilung des integrativen Unterrichts in der jeweiligen Sprache ab der ersten Schulstufe verfügt.

2. Führung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:

- Zielsprachengemäß gemischte Schülerpopulation zur Gewährleistung des Prinzips des peer group learning (annähernd gleich große Gruppen)

- für die fremdsprachige Schülergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die über ein Lehramt für Volksschulen in Österreich bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügen und deren Erstsprache nach Möglichkeit die Fremdsprache ist.

Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die bereits mit der Novellierung des Volksschullehrplans (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es selbstverständlich keiner Beantragung als Schulversuch. Bezüglich der integrativen Führung einer Lebenden Fremdsprache ab der ersten Schulstufe wird auf die Lehrplannovelle (BGBl. Nr. 310/1998) und deren Publikation in der Broschürenreihe „Aller Anfang“, Heft 5, hingewiesen.

Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgenden Bereichen enthalten:

- zum Gesamtwochenstundenausmaß bzw. Ausmaß der Fremdspracheneinheiten

- konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Schulaufsicht

- zur Durchführung der wissenschaftlichen Betreuung und Begleitung

- zum methodisch-didaktischen Konzept mit allen relevanten Versuchsbereichen (wie zum Beispiel von nichtapprobierten Lehrbüchern, Entwicklung von Planungs- und Unterrichtsmaterialien)

- zu einem seitens des Landesschulrates vorgesehenen Evaluationskonzepts.

Bei der Planung und Durchführung von Fremdsprachenprojekten sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren soziokulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

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An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremdsprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw. eine umfassende wissenschaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Präzise Angaben zum Evaluationskonzept dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

Besonderes Augenmerk ist der „Nahtstellenproblematik“ zu widmen, indem konkrete Maßnahmen und Projekte auch schulartenübergreifend ein konstitutives Versuchselement darstellen.

Bezüglich gänzlich neuer Projekte wird auf Punkt 1 des Rundschreibens Nr. 69/2000 verwiesen.

2. ALTERNATIVE FORMEN DER LEISTUNGSBEURTEILUNG

Im Zuge der beschlossenen Schulgesetznovellen (BGBl. Nr. 133/1998) kam es auch zu Veränderungen bei der Leistungsbeurteilung. Mit Ausnahme der Möglichkeit, zu der Ziffernbeurteilung verbale Zusätze hinzufügen, können alle übrigen alternativen Formen der Leistungsbeurteilung weiterhin nur im Wege von Schulversuchen zur Anwendung gelangen. Dafür wurde § 78a SchUG geschaffen, der auch eine größere Anzahl von Schulversuchen ermöglicht, indem auf alle öffentlichen Schulen und alle in Österreich zur Durchführung gelangenden Projekte abgestellt wird:

§ 78a: (1) An Volksschulen und an Sonderschulen sind alternative Formen der Leistungsbeurteilung zu erproben, wobei die Selbstständigkeit der Arbeit, die Erfassung und die Anwendung des Lehrstoffes, die Durchführung der Aufgaben und die Eigenständigkeit der Schüler zu beurteilen sind und unterschiedliche Schülerleistungen zum Ausdruck zu bringen sind. In den Schulversuchen ist vorzusehen, dass auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat.

(2) Auf Schulversuche gemäß Abs. 1 findet § 7 des Schulorganisationsgesetzes mit der Maßgabe Anwendung, dass die Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen, an denen diese Schulversuche durchgeführt werden, 25% der Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet nicht übersteigen.

3. MASSNAHMEN ZUR BEGABUNGSFÖRDERUNG

Kennzeichnend für derartige Versuche könnten sein: Individualisierende und differenzierende Formen von Lernanreicherung und -beschleunigung („enrichment“ und „acceleration“), ins-besondere in begabungs- und interessenfördernden Projekten.

Dies betrifft zB:

· Steigern der Grundfertigkeiten

· Fächerübergreifende Aspekte und qualitätsfördernde Maßnahmen

· Aspekte des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts einschließlich wichtiger Querverbindungen usw.

4. VOLKSSCHULEN BZW. VOLKSSCHULKLASSEN MIT MUSIKALISCHEM SCHWERPUNKT-4-

Grundlage für die Beantragung ist die Projektbeschreibung des (damaligen) BMUK. Dies bedeutet u.a. auch, dass für derartige Klassen die derzeit im Lehrplan vorgesehenen einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinaus gehende Konzepte können nicht als „Musikvolksschulklassen“ genehmigt werden. Nach Fertigstellung des Lehrplanentwurfes für die geplante unverbindliche Übung „vertiefende Musikerziehung“ könnte allerdings dieser Text im Rahmen dieser Schulversuche praktisch erprobt werden.

Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der „Musikvolksschule“ zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche darauf zu achten, dass bei den einzelnen Schulen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. Es sind also alle Stunden für den erweiterten Musikunterricht bzw. die benötigten Lehrerwochenstunden anzugeben, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrerinnen bzw. Lehrern im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder als MDL gehalten werden.

Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung sollen einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw. Kinder.



5. SCHULBIBLIOTHEKEN

Entsprechend der Qualitätsinitiative „verlässliche Volksschule“ und dem damit in Zusammenhang stehenden Modul „Lesen“ sollte v.a. dem weiterführenden Lesen vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diesem Anliegen könnte mit Schulbibliotheken in besonderer Weise entsprochen werden.

Die zentrale Schulbibliothek (in der Folge mit „ZSB“ abgekürzt) sollte sowohl den Lehrerinnen und Lehrern als auch den Schülerinnen und Schülern als Freihandbibliothek zur Verfügung stehen und Funktionsbereiche wie z.B. Informations- und Wissenszentrum, Medienzentrum, Unterrichtszentrum, Lese- und Freizeitzentrum, Kommunikationszentrum umfassen. Pädagogische Aspekte der Individualisierung und Differenzierung sowie soziale und erziehliche Aufgaben stehen mit den verschiedenen Funktionsbereichen in einem engen Zusammenhang. Durch die Nutzung einer ZSB und ihrer vielfältigen Angebote kann in vielen Bereichen selbstständigen Lernen unterstützt und gefördert werden. Die ZSB sollte mit ihrem Medienbestand (Bücher, Zeitschriften, Spiele, moderne Medien usw.) den Erfahrungen, Bedürfnissen und Interessen der Kinder entgegen

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kommen und somit den gesamten Bildungs- und Erziehungsprozess bereichern. Durch die ZSB soll den Kindern, aber auch den Eltern, eine positive Haltung bezüglich des Umganges mit Büchern und zeitgemäßen Medien vermittelt werden.

Als wesentlich ist anzusehen, dass die Benutzung der Schulbibliothek zur Vorbereitung bzw. während des Unterrichts z.B. für Gruppen- und Projektunterricht, fächer- und klassen-übergreifenden Unterricht erfolgen kann. Gegebenenfalls sollte auch die spontane Benutzung der ZSB während des Unterrichts bzw. die selbstständige Beschaffung von Arbeitsmaterialien und Arbeitsunterlagen möglich sein.

In diesem Zusammenhang darf erwähnt werden, dass ein Rahmenkonzept für zentrale Schulbibliotheken an der Volksschule von einer ministeriellen Arbeitsgruppe erstellt worden ist, das auf Wunsch gern von Abteilung I/1 übermittelt wird.



6. SONSTIGE VERSUCHSVORHABEN

Bei anderen als den in den Punkten 1 – 5 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landesschulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zu prüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.



7. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlass sind nur jene Elemente Teil des Schulversuches, die in den diesbezüglichen Formblättern aufscheinen. Es wird gebeten, die Formblätter genau zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen.

Die Anträge für das Schuljahr 2001/2002 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung I/1, bis längstens 15. April 2001 vorzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Beilage

Wien, 16. Jänner 2001

Für die Bundesministerin:

Dr. Wolf

F.d.R.d.A:

Inhaltlicher Stand: 6. April 2018