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Nationalfeiertag 2001; Intensivierung von Friedenserziehung, Toleranz und Völkerverständigung in der Schule

Geschäftszahl: 36.200/77-SL V/2001

Sachbearbeiterin: OR Dr. Birgid REIMER
Sektion V
Telefon: 0043-1/531 20-2502
Telefax: 0043-1/531 20-2509
E-Mail: birgid.reimer@bmbwk.gv.at

Verteiler: N
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Aktuelle Informationen, Friedenserziehung, Toleranz, Völkerverständigung
Geltung: unbefristet
Angesprochener Personenkreis: Schulaufsicht, Schulleiter/innen, Lehrer/innen

Rundschreiben Nr.: 54/2001

Alle
Landesschulräte (Stadtschulrat für Wien)
Pädagogische Institute
Pädagogische Akademien Religionspädagogische Akademien
Berufspädagogische Akademien
Zentrallehranstalten

Der österreichische Nationalfeiertag steht in den Schulen alljährlich im Zeichen besonderer Bemühungen um die Menschenrechtserziehung und politische Bildung. Dabei können wichtige österreichische Anliegen in einen europäischen bzw. internationalen Kontext gestellt werden.

Die Europäische Union setzt neue Maßstäbe für die Mitgliedsstaaten, Maßstäbe der Freiheit, der Menschenrechte und der Demokratie. Die Europäische Union weiß sich in dieser Zielsetzung in Übereinstimmung mit vielen anderen Ländern dieser Erde.

Die fürchterlichen Terroranschläge vom 11. 9. 2001 in Amerika gefährden diese Entwicklung, weil Terror und seine Auswirkungen vor den Grenzen eines Staates nicht Halt machen.

Durch die aktuellen Geschehnisse fühlen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion auch in Österreich bedroht.

Die österreichische Lehrerschaft hat im aktuellen Zusammenhang und von der Betroffenheit der Jugend ausgelöst, in vielfältiger Weise diese Ereignisse im Unterricht aufgegriffen. Es ist besonders dafür zu danken, dass dadurch wichtige Beiträge zum Verständnis und zur psychischen Bewältigung dieser schockierenden Ereignisse erbracht wurden.

Derzeit besteht verstärkt die Gefahr einer pauschalen Verurteilung von Mitmenschen durch einzelne Gruppen der Bevölkerung, der entgegenzuwirken ist. Die Schule ist ein wichtiger Sozialisations-bereich, in dem Vorurteile abgebaut werden können.

Um den negativen Erscheinungen dieses sozialpsychologischen Phänomens rechtzeitig und nachhaltig zu begegnen, ist das Wissen um die Entstehung von Urteilen und Vorurteilen, von Stereotypen und Feindbildern, ihre Funktion und ihre Auswirkungen auf das Zusammenleben unerlässlich. Wissen darüber ermöglicht eine kritische Bewusstseinsbildung und ist eine Voraussetzung für besseres gegenseitiges Verständnis in einer multikulturellen Welt.

Gemäß Schulorganisationsgesetz § 2 ist es Aufgabe der österreichischen Schule, die Schüler/innen zu selbstständigem Urteil und sozialem Verständnis zu führen, sie dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen zu machen und sie zu befähigen, in Freiheit- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.

Aufbauend auf den bisherigen Bemühungen insbesondere in den Pflichtgegenständen Religion, Deutsch, Sachunterricht, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung, Geographie und Wirtschaftskunde, Psychologie, Pädagogik und Philosophie, Bildnerische Erziehung und den Unterrichtsprinzipien Politische Bildung und Interkulturelles Lernen, stellen die Konsequenzen der fürchterlichen Terrorereignisse eine neue Herausforderung – auch in der Auseinandersetzung über deren mögliche Ursachen – für alle Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen dar.

Die Behandlung des Nationalfeiertages 2001 in den Schulen sollte deshalb in besonderer Weise auf Gewaltfreiheit und friedensorientierte Aktivitäten Bezug nehmen. Dazu gehört auch, über verschiedene Religionsgemeinschaften zu informieren und den Beitrag jedes Einzelnen zu einem friedlichen Zusammenleben altersgemäß zu erarbeiten.

Als weitere Anlässe eignen sich auch der „Internationale Tag für Toleranz“ (16.11.), die „Friedenswoche“ (12. bis 28.11.) und der „Tag der Menschenrechte“ (10.12.), die sich als Ansatzpunkte für die konkrete Behandlung der Zielsetzungen Friedenserziehung, Toleranz und Völkerverständigung anbieten. Der beiliegende Anhang mit Hinweisen auf geeignete Informations-materialien soll die Lehrerschaft dabei unterstützen.

Wien, 8. Oktober 2001

Für die Bundesministerin:
Dr. GRUBER

F.d.R.d.A.:

Anhang

(GZ 36.200/77-SL V/2001, Rundschreiben Nr.: 54/2001)

Wo findet man aktuelle Informationen, konkrete Initiativen, Materialien, Internetadressen und Unterrichtsbeispiele zur Thematik?

Schulpsychologie

Empfehlungen der Schulpsychologie-Bildungsberatung zum Umgang mit traumatisierenden Ereignissen und Situationen:

1. Wie sollten Lehrer/innen und Eltern mit den Kindern und Jugendlichen über schockierende Ereignisse/Situationen reden?
2. Wie kann man Vorurteilen und Stereotypen, insbesondere Feindbildern entgegen wirken?
3. Welche zwei Hauptstrategien im Umgang mit traumatisierenden Ereignissen/Situationen verfolgt die Schulpsychologie-Bildungsberatung?

Die Informationen findet man auf der Homepage der Schulpsychologie-Bildungsberatung (www.schulpsychologie.at/krisen).

Schulbücher

Es wird empfohlen, die Kapitel in den Schulbüchern durch aktuelle Informationen aus anderen Medien zu aktualisieren und zu ergänzen:

Dafür eignen sich besonders Texte in Deutsch und den Fremdsprachen sowie Themen in Geschichte und Sozialkunde sowie in Geographie und Wirtschaftskunde, z.B. die Weltreligionen, Dritte Welt, Europa und der Orient im Mittelalter, das Zeitalter der Entdeckungen, die Konflikte des Habsburgerreichs mit dem Osmanischen Reich, Imperialismus und Kolonialismus, Krisenherde der Weltpolitik nach 1945.

Politische Bildung

Die im Grundsatzerlass zum Unterrichtsprinzip Politische Bildung angeführten Zielvorstellungen sind nach wie vor aktuell und ermöglichen in allen Unterrichtsfächern eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Ereignissen und dahinter stehenden politischen Fragestellungen.

Servicestelle Politische Bildung: www.politischebildung.at und
Servicestelle Menschenrechtsbildung: www.humanrights.at

Auf den Homepages der beiden Servicestellen sind Artikel und Hinweise platziert, die weitere Informationen zu Medien und deren Berichterstattung, über den Islam bzw. andere Weltreligionen oder auch zu ökonomischen Hintergründen anbieten.

Workshop „Recht hat jeder?! – z`samstreiten 5.-9. November 2001, WUK.
Ein Workshop für Kinder und Jugendliche, bei dem das Erkennen von Konfliktfeldern und Ursachen sowie das Erarbeiten von Lösungsmodellen vermittelt werden sollen.
Kontakt: Mag. Heidrun Thomas, Servicestelle Menschenrechtsbildung, heidrun.thomas@univie.ac.at

Publikation „Das Dreieck im Sand, 50 Jahre Staat Israel“. Die Artikel der Publikation sind nach wie vor aktuell und ergänzen mit ihren grundsätzlichen Überlegungen und Sichtweisen die tägliche Berichterstattung über den Nahostkonflikt.
(Erhältlich bei der Abteilung Politische Bildung: Telefon: 01-53120-2545, Telefax: 01-53120-2549 oder e-mail: politische.bildung@bmbwk.gv.at)

Geistige Landesverteidigung

Informationen über die „Gemeinsame Europäische Außen- und Sicherheitspolitik“ (GASP) die den Schulen durch die Referenten für Geistige Landesverteidigung zur Verfügung stehen, können im Unterricht berücksichtigt werden.

Verhalten im Katastrophenfall

Im Katastrophenfall erfolgt die Information über Verhaltensmaßnahmen je nach Lagebeurteilung durch die Selbstschutzzentren der Gemeinden, die Landes- oder Bundeswarnzentrale. Die Alarmierung erfolgt bundesweit über die Sirenenanlagen und die Medien, wie ORF, Radio, Internet etc.

Die einzelnen Sirenen-Alarmsignale und ihre Bedeutung sind einzuüben. Die jeweiligen Fluchtpläne sind zu aktualisieren.

Informationen erteilen alle Zivilschutz-Referent/innen und Referent/innen für Geistige Landesverteidigung.

Interkulturelles Lernen

(vgl. GZ 27.901/210-V/B/5a/99)

Auszug aus dem Erlass GZ 27.901/210-V/B/5a/99:

Wer definiert die Grenzen der Toleranz?

Kopftuch, Koedukation und Sexualkundeunterricht. Von Yasemin Karakaþoðlu-Aydýn. Beiträge zur erziehungswissenschaftlichen Migrations- und Minderheitenforschung. Frankfurt am Main 1999.

Die genannte Broschüre bezieht sich zwar in erster Linie auf die Situation in Deutschland, ist aber dennoch bestens geeignet, auch Lehrer/innen, Schulleiter/innen und Bildungspolitiker/innen in Österreich einen umfassenden, vorurteilsfreien Einblick in die Problematik zu gewähren.

Medienpädagogik

Terror in Medien – eine Herausforderung für die Medienpädagogik
Wie mit den Ereignissen vom 11. September in der Schule umgehen?

Als Anregung und Orientierung für die Aufarbeitung erscheint Mitte Oktober ein MEDIENIMPULSE-SPECIAL

Expert/innen nehmen Stellung zum „Einzigartigen“ der Ereignisse – die Beiträge bieten Hintergrundinformation und versuchen das Geschehene im Licht der derzeitigen Situation zu positionieren.

Grundsätzliche Überlegungen zu Manipulationsmöglichkeiten mit Bildern und Sprache bieten Beiträge aus MEDIENIMPULSE-Heften, die – zwar an anderen Beispielen aufgehängt – durchaus verwendet werden können.

Gedanken zum Umgang mit Gewaltdarstellungen, die auch in der gegenwärtigen Situation durchaus dienlich sind, ergänzen das Sonderheft.

Beiträge des MEDIENIMPULSE-SPECIALS können ab Mitte Oktober von der Homepage der Abteilung Medienpädagogik http://www.mediamanual.at/themen heruntergeladen werden.

Medienservice

Aggressionen, Vorurteilen und Ängsten kann man am besten mit objektiver Information begegnen. Aus Anlass der schrecklichen Geschehnisse in den USA hat das Medienservice daher ein Paket von Filmen zusammengestellt, die sich mit den Themen Toleranz, Demokratie, Religion, Völkerverständigung und Friedenserziehung beschäftigen. Diese Medien sollen dazu beitragen, die Ereignisse im Unterricht anzusprechen und zu verarbeiten.

Die Medienzusammenstellung finden Sie auf der Homepage des BMBWK-Medienservice unter www.bmbwk.gv.at, weiter zu Service, zum Medienservice und zur Rubrik "Aus aktuellem Anlass".

Sonstige Links

www.e-lisa.at/linkexpress(vom 20.9.2001 - Terror in den USA)
www.islam.de (Spezialforum zu den Anschlägen in den USA)
www.rpi.at (Linksammlungen zu „Religion und politische Aspekte“ sowie „Weltreligionen“)
www.eduhi.at (Toplinks zu den Terroranschlägen)
www.jugendrotkreuz.at
www.orf.at (Aktueller Dienst)
www.orf.at/religion

Letzte Aktualisierung: 6. April 2018