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Muttersprachlicher Unterricht: Information und Übermittlung der Merkblätter/Anmeldeformulare

Geschäftszahl: 27.901/67-V/12a/2003

Sachbearbeiterin: Mag. Elfie Fleck
Tel.: 01/53-120/25-52
Fax: 01/53-120/25-99
e-mail: elfie.fleck@bmbwk.gv.at

Verteiler: Landesschulräte/Stadtschulrat für Wien
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Muttersprachlicher Unterricht
Geltung: Schuljahr 2003/04

Rundschreiben Nr. 21/2003

Landesschulräte/ Stadtschulrat für Wien

1. Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht/Merkblätter

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur übermittelt mit getrennter Post die Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht/Merkblätter, die in folgenden Sprachen abgefasst sind: Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Chinesisch, Englisch, Kurdisch (Kurmançi und Sorani), Makedonisch, Persisch, Portugiesisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Serbokroatisch (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch), Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch.

Es wird ersucht, die Merkblätter/Anmeldeformulare zu Beginn des Schuljahres an die einzelnen Schulstandorte zu verteilen, um den SchülerInnen eine Anmeldung zum muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen.

In jenen Bundesländern, in denen keine diesbezügliche Landesverordnung erlassen wurde und daher am jeweiligen Schulstandort entschieden wird, ob der muttersprachliche Unterricht ab der

5. Schulstufe als Freigegenstand oder als unverbindliche Übung angeboten wird, wird empfohlen, die Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht und die betroffenen Eltern in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen.

2. Statistikblätter

Die Statistikblätter werden zu Beginn des kommenden Schuljahres wiederum DIREKT an die Stammschulen der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht übermittelt werden. Die betreffenden Lehrkräfte werden in einem Begleitschreiben ersucht werden, die ausgefüllten Statistikblätter bis Ende Oktober 2003 im Wege der Landesschulräte/des Stadtschulrats für Wien an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zu retournieren.

3. Stellenplanmäßige Bedeckung

Obwohl keine zentralen zweckgebundenen Zuschläge für den muttersprachlichen Unterricht mehr vorgesehen sind und die erforderlichen Ressourcen nunmehr dem allgemeinen Kontingent zu entnehmen sind, wird darauf hingewiesen, dass der muttersprachliche Unterricht nach wie vor ein zentrales bildungspolitisches Anliegen darstellt, dessen Durchführung bei Vorliegen der erforderlichen Teilnehmerzahl unbedingt ermöglicht werden sollte.

4. Organisatorisches

a) Sprachenangebote

Die Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts ist grundsätzlich in jeder Sprache möglich, sofern der Bedarf gegeben ist und die personellen und stellenplanmäßigen Ressourcen vorhanden sind. Sollte die Einführung einer neuen Sprache in Ihrem Bundesland geplant sein, werden Sie ersucht, mit dem Referat für interkulturelles Lernen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Kontakt aufzunehmen.

b) Eröffnungs- und Teilungszahlen – Gruppenbildung – Team Teaching – Wochenstundenanzahl

Die Bestimmungen für den muttersprachlichen Unterricht werden durch den neuen Lehrplan für die Sekundarstufe I nicht berührt.

Bei nichtintegrativer Führung (Kursform) gelten die Eröffnungs- und Teilungszahlen für Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen (Landesausführungsgesetze bzw. Eröffnungs- und Teilungszahlenverordnung für Bundesschulen). Es ist auch möglich, klassen-, schulstufen-, schul- und schulartenübergreifende Gruppen zu bilden bzw. an Standorten, an denen bisher kein muttersprachlicher Unterricht angeboten wurde, einen solchen einzurichten.

Für Klassen mit einem hohen Anteil an SchülerInnen der gleichen Herkunftssprache bietet sich der muttersprachliche Unterricht in integrativer Form (Team Teaching) an, sofern dies von den betroffenen Lehrkräften (Klassen/FachlehrerIn und LehrerIn für den muttersprachlichen Unterricht) gewünscht wird. Eine Kombination aus Kursform und Team Teaching ist zulässig.

In der Vorschulstufe kann im Rahmen der verbindlichen Übung „Sprache und Sprechen“ eine besondere Förderung in der Muttersprache des Kindes im Ausmaß von drei Wochenstunden parallel zum Unterricht bzw. (ganz oder teilweise) integrativ angeboten werden (vgl. BGBl. Nr. 528/1992, S. 2144).

Für allgemein bildende höhere Schulen und für berufsbildende mittlere und höhere Schulen wird empfohlen, den muttersprachlichen Unterricht im Rahmen der Schulautonomie zu ermöglichen, sofern der Bedarf und die stellenplanmäßige Bedeckung gegeben sind. Auch hier gilt die Möglichkeit von schulübergreifenden Sammelkursen. Die Teilnahme von SchülerInnen der genannten Schularten an einem Kurs an einem Hauptschulstandort ist zulässig, jedoch werden diese SchülerInnen bei der Eröffnung einer neuen oder der Teilung einer bestehenden Gruppe nicht mitgezählt.

Aus aktuellem Anlass wird weiters in Erinnerung gerufen, dass der muttersprachliche Unterricht im Ausmaß von mindestens zwei Wochenstunden anzubieten ist.

Schließlich wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht an Lehrerkonferenzen, sofern es nicht durch den Einsatz an zu vielen Schulstandorten organisatorisch unmöglich ist, verpflichtend ist.

c) Zeugnisvermerk

Die Teilnahme an der unverbindlichen Übung „Muttersprachlicher Unterricht“ bzw. die entsprechende Note für den Freigegenstand „Muttersprachlicher Unterricht“ ist im Zeugnis/in der Schulnachricht/in der Schulbesuchsbestätigung zu vermerken, auch dann, wenn die Schülerin/der Schüler den muttersprachlichen Unterricht nicht am eigenen Schulstandort besucht.

5. Muttersprachlicher Unterricht in Serbokroatisch (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch)

Auf Grund wiederholter Anfragen zur Organisationsform des muttersprachlichen Unterrichts in Serbokroatisch (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) darf das Rundschreiben Nr. 10/1996 (GZ. 27.901/8-V/5a/96) in Erinnerung gerufen werden, in welchem empfohlen wird, „nach Möglichkeit keine Trennung nach ethnischen Zugehörigkeiten vorzunehmen“, und die Lehrkräfte darauf hingewiesen werden, „ungeachtet ihrer eigenen ethnischen oder regionalen Herkunft, alle in ihrer Gruppe vertretenen Sprachvarietäten im gleichen Maße zu respektieren und zu fördern.“ Auf diesen Sachverhalt sowie auf die Tatsache, dass für die Auswahl und Anstellung der Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht ausschließlich österreichische Behörden zuständig sind, wäre bei etwaigen neuerlichen Anfragen bzw. bei der Neuanstellung von LehrerInnen ausdrücklich hinzuweisen.

Die Landesschulräte/der Stadtschulrat für Wien werden ersucht,
die in diesem Rundschreiben enthaltenen Informationen ALLEN Schulen,
auch den mittleren und höheren Schulen, bekannt zu geben.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Sachbearbeiterin zur Verfügung.

Eine Abschrift dieses Schreibens ergeht an

- die für die Anstellung der muttersprachlichen LehrerInnen zuständigen Personen bei den Landesregierungen bzw. bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien,
- die Schulberatungsstellen für AusländerInnen/MigrantInnen bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien,
- die KoordinatorInnen für interkulturelles Lernen an den Pädagogischen Instituten,
- die im Bereich Interkulturelles Lernen und Deutsch als Zweitsprache tätigen ProfessorInnen an den Pädagogischen Akademien,
- die Übungsschulen der Pädagogischen Akademien,
- alle in Österreich tätigen LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht.

Wien, 24. Juni 2003

Für die Bundesministerin:
Dr. Gruber

Für die Richtigkeit der Ausfertigung:

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018