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Muttersprachlicher Unterricht: Information und Übermittlung der Merkblätter/Anmeldeformulare

Geschäftszahl: BMBWK-27.901/0052-V/12a/2005

SachbearbeiterIn: Mag. Elfie Fleck
Abteilung: V/12a
E-mail: elfie.fleck@bmbwk.gv.at
Telefon/Fax: +43(1)/53120-2552/53120-2599

Verteiler: Landesschulräte/Stadtschulrat für Wien
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Muttersprachlicher Unterricht
Geltung: Schuljahr 2005/06

1. Merkblätter/Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur übermittelt den zuständigen SachbearbeiterInnnen mit getrennter Post die Merkblätter/Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht in folgenden Sprachen: Albanisch, Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch, Bulgarisch, Chinesisch, Makedonisch, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch.

Es wird ersucht, die Merkblätter/Anmeldeformulare zu Beginn des Schuljahres an die einzelnen Schulstandorte zu verteilen, um den SchülerInnen eine Anmeldung zum muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen. Weiters wird ersucht, ausschließlich die Formulare des bm:bwk und keine selbsterstellten Blätter zu verteilen.

In jenen Bundesländern, in denen keine diesbezügliche Landesverordnung erlassen wurde und daher am jeweiligen Schulstandort entschieden wird, ob der muttersprachliche Unterricht ab der 5. Schulstufe als Freigegenstand oder als unverbindliche Übung angeboten wird, wird empfohlen, die Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht und die betroffenen Eltern in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen.

2. Statistikblätter

Die Statistikblätter werden zu Beginn des kommenden Schuljahres wiederum DIREKT an die Stammschulen der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht übermittelt werden. Die betreffenden Lehrkräfte werden in einem Begleitschreiben ersucht werden, die ausgefüllten Statistikblätter bis Ende Dezember 2005 im Wege der Landesschulräte/des Stadtschulrats für Wien an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zu retournieren.

3. Grundsätzliches

Die erforderlichen Ressourcen sind dem allgemeinen Stellenplankontingent zu entnehmen. Der muttersprachliche Unterricht stellt nach wie vor ein zentrales bildungspolitisches Anliegen dar. Die Landesschulräte/Stadtschulrat werden ersucht, dafür Sorge zu tragen, dass dieses wichtige pädagogische Angebot des muttersprachlichen Unterrichts bei Vorliegen der erforderlichen Teilnehmerzahl unbedingt ermöglicht wird.

4. Organisatorisches

a) Sprachenangebote

Die Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts ist grundsätzlich in jeder Sprache möglich, sofern der Bedarf angemeldet wird und die personellen und stellenplanmäßigen Ressourcen gegeben sind. Sollte die Einführung einer neuen Sprache in Ihrem Bundesland geplant sein, werden Sie ersucht, mit dem Referat für interkulturelles Lernen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Kontakt aufzunehmen.

b) Eröffnungs- und Teilungszahlen – Gruppenbildung – Team Teaching – Wochenstundenanzahl

Allgemein bildende Pflichtschulen

Bei nichtintegrativer Führung (Kursform) gelten die Eröffnungs- und Teilungszahlen für Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen (Landesausführungsgesetze bzw. Eröffnungs- und Teilungszahlenverordnung für Bundesschulen). Es ist auch möglich, klassen-, schulstufen-, schul- und schulartenübergreifende Gruppen zu bilden bzw. an Standorten, an denen bisher kein muttersprachlicher Unterricht angeboten wurde, einen solchen einzurichten.

Für Klassen mit einem hohen Anteil an SchülerInnen der gleichen Herkunftssprache bietet sich der muttersprachliche Unterricht in integrativer Form (Team Teaching) an, sofern dies von den betroffenen Lehrkräften (Klassen/FachlehrerIn und LehrerIn für den muttersprachlichen Unterricht) gewünscht wird. Eine Kombination aus Kursform und Team Teaching ist zulässig.

Vorschule

In der Vorschulstufe kann im Rahmen der verbindlichen Übung „Sprache und Sprechen“ eine besondere Förderung in der Muttersprache des Kindes im Ausmaß von drei Wochenstunden parallel zum Unterricht bzw. (ganz oder teilweise) integrativ angeboten werden. Ein verstärkter Einsatz der muttersprachlichen LehrerInnen in der Vorschulstufe wird aus Gründen der frühen sprachlichen Förderung empfohlen.

Weiterführende Schulen

Es wird in Erinnerung gerufen, dass aufsteigend mit dem Schuljahr 2004/05 auch für die Oberstufe der allgemein bildenden höheren Schulen ein Lehrplan für den muttersprachlichen Unterricht verordnet wurde. Für alle weiterführenden Schularten wird empfohlen, den muttersprachlichen Unterricht im Rahmen der Schulautonomie zu ermöglichen, sofern der Bedarf und die finanzielle Bedeckung gegeben sind. Auch hier gilt die Möglichkeit von schulübergreifenden Sammelkursen. Die Teilnahme von SchülerInnen der genannten Schularten an einem Kurs an einem Hauptschulstandort ist zulässig, jedoch werden diese SchülerInnen bei der Eröffnung einer neuen oder der Teilung einer bestehenden Gruppe nicht mitgezählt.

Gemischte Gruppen aus native speakers der betreffenden Sprache und aus SchülerInnen, die diese Sprache als lebende Fremdsprache erlernen wollen, sind jedoch aus sprachdidaktischen Gründen unbedingt zu vermeiden.

c) Sonstige organisatorische Hinweise

Weiters wird in Erinnerung gerufen,

  • dass die Anmeldefrist für den muttersprachlichen Unterricht – wie für alle anderen Freigegenstände und unverbindliche Übungen – eine Woche beträgt (vgl. § 12 Abs. 1 SchUG) und die Anmeldung für das gesamte Unterrichtsjahr gilt. Spätere Anmeldungen (etwa durch SeiteneinsteigerInnen) sind entgegenzunehmen, wobei nach Möglichkeit keine neuen Gruppen eingerichtet werden sollten.
  • dass die Information über den muttersprachlichen Unterricht seitens der Schule (KlassenlehrerIn) zu erfolgen hat, wobei die Mitwirkung der muttersprachlichen LehrerInnen bei der Elterninformation und dem Sammeln der Anmeldungen sinnvoll und daher ausdrücklich erwünscht ist.
  • dass der muttersprachliche Unterricht laut Lehrplanverordnung im Ausmaß von mindestens zwei Wochenstunden anzubieten ist,
  • dass der muttersprachliche Unterricht – wie alle anderen Gegenstände auch – der Inspektion durch die Schulaufsicht unterliegt,
  • dass die Teilnahme der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht an Lehrerkonferenzen der Stammschule verpflichtend ist. Ist eine Lehrkraft an mehreren Schulstandorten tätig, sollte die Teilnahme an den Konferenzen ermöglicht werden.

d) Zeugnisvermerk

Die Teilnahme an der unverbindlichen Übung „Muttersprachlicher Unterricht“ bzw. die entsprechende Note für den Freigegenstand „Muttersprachlicher Unterricht“ ist im Zeugnis/in der Schulnachricht/in der Schulbesuchsbestätigung zu vermerken, auch dann, wenn die Schülerin/der Schüler den muttersprachlichen Unterricht nicht am eigenen Schulstandort besucht.

5. Muttersprachlicher Unterricht in Serbokroatisch (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch)

Es wird nach wie vor auf das Rundschreiben Nr. 10/1996 (GZ 27.901/8-V/5a/96) verwiesen, in welchem empfohlen wird, „nach Möglichkeit keine Trennung nach ethnischen Zugehörigkeiten vorzunehmen“, und die Lehrkräfte darauf hingewiesen werden, „ungeachtet ihrer eigenen ethnischen oder regionalen Herkunft, alle in ihrer Gruppe vertretenen Sprachvarietäten im gleichen Maße zu respektieren und zu fördern.“

Die Landesschulräte/der Stadtschulrat für Wien werden ersucht,
die in diesem Rundschreiben enthaltenen Informationen ALLEN Schulen,
auch den mittleren und höheren Schulen, bekanntzugeben.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Sachbearbeiterin zur Verfügung.

Eine Abschrift dieses Schreibens ergeht an

  • die für die Anstellung der muttersprachlichen LehrerInnen zuständigen Personen bei den Landesregierungen bzw. bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien,
  • die Schulberatungsstellen für AusländerInnen/MigrantInnen bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien,
  • die KoordinatorInnen für interkulturelles Lernen an den Pädagogischen Instituten,
  • die Übungsschulen der Pädagogischen Akademien,
  • alle in Österreich tätigen LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht.

Wien, 10. Juni 2005

Für die Bundesministerin:
SektChefin Mag. Heidrun Strohmeyer

Inhaltlicher Stand: 26.05.2014