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Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule im Schuljahr 2006/07

Geschäftszahl: BMBWK-39.407/0071-I/1/2005
SachbearbeiterIn: Karin Wallach
Abteilung: I/1
E-mail: karin.wallach@bmbwk.gv.at
Telefon/Fax: +43(1)/53120-4370/53120-81 4370

Verteiler: VII, N Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten Inhalt: Spezielle Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Schulversuchen in der Volksschule Geltung: Schuljahr 2006/2007

Rundschreiben Nr. 25/2005

VORBEMERKUNGEN

Entsprechend den Allgemeinen Richtlinien für die Beantragung von Schulversuchen im Schul jahr 2006/2007, GZ 39.407/65-I/1/05, werden für die Volksschule die folgenden speziellen Planungsgesichtspunkte bzw. erwünschten Schwerpunktsetzungen bei der Beantragung von Schulversuchen bekannt gegeben.

1. SPRACHENLERNEN IN DER GRUNDSCHULE

Bei der Lebenden Fremdsprache in der Grundschule wird es v.a. um folgende Projekte gehen:

1. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volks schule in einer lebenden Fremdsprache durch die Klassenlehrerin bzw. den Klassenlehrer im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Gelegentlich kann der Unterricht in der Fremdsprache auch von Expertinnen bzw. Experten – wenn möglich „native speakers“ – in Kooperation mit der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer erteilt werden, die bzw. der jedenfalls die Verantwortung für den Unterricht trägt.

Die gemeinsame Planung des Unterrichts der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers mit dem „native speaker“ ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens. Beim Einsatz von „native speakers“ ist auf eine dem Grundschullehrer gleichwertige Ausbildung zu achten. Eine grundsätzliche, unverzichtbare Voraussetzung für Schulversuche zur Sprachintensivierung ist es, dass die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer über die erforderlichen Qualifikationen zur Erteilung des integrativen Unterrichts in der jeweiligen Sprache ab der ersten Schulstufe verfügt.

2. Führung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:
- Zielsprachengemäß gemischte Schülerpopulation zur Gewährleistung des Prinzips des peer group learning (annähernd gleich große Gruppen)
- für die fremdsprachige Schülergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die über ein Lehramt für Volksschulen in Österreich bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügen und deren Erstsprache nach Möglichkeit die Fremdsprache ist.

Es sollten aber auch alle jene Möglichkeiten zur Intensivierung der lebenden Fremdsprache im unverbindlichen Bereich in Betracht gezogen werden, die bereits mit der Novellierung des Volks schullehrplans (BGBl. Nr. 546/1993) geschaffen worden sind. Dazu bedarf es selbstverständlich keiner Beantragung als Schulversuch. Bezüglich der integrativen Führung einer Lebenden Fremdsprache ab der ersten Schulstufe wird auf die Lehrplannovelle (BGBl. Nr. 310/1998) und deren Publikation in der Broschürenreihe „Aller Anfang“, Heft 5, hingewiesen.

Der Lehrplan für die verbindliche bzw. unverbindliche Übung Lebende Fremdsprache ab der ersten Schulstufe ist im Einklang mit der Fachdidaktik für das frühe Sprachenlernen jeweils für insgesamt vier Schulstufen konzipiert. Es können daher solche Modelle nicht genehmigt werden, bei denen die Fremdsprache z.B. auf der 1. Schulstufe bzw. auf der Grundstufe I zunächst im Rahmen der verbindlichen Übung und in der Folge als unverbindliche Übung angeboten wird. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass i.S. der Kontinuität entsprechende Fremdsprachenangebote in den weiterführenden Schulen bestehen bzw. geschafffen werden.

Die Projektanträge sollten genaue Angaben zu folgenden Bereichen enthalten:
- zum Gesamtwochenstundenausmaß bzw. Ausmaß der Fremdspracheneinheiten
- konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Schulaufsicht
- zur Durchführung der wissenschaftlichen Betreuung und Begleitung
- zum methodisch-didaktischen Konzept mit allen relevanten Versuchsbereichen (wie zum Beispiel von nichtapprobierten Lehrbüchern, Entwicklung von Planungs-und Unterrichts materialien)
- zu einem seitens des Landesschulrates vorgesehenen Evaluationskonzepts.

Bei der Planung und Durchführung von Fremdsprachenprojekten sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass auch jene Sprachen vermittelt werden, die in einem unmittelbaren soziokulturellen Zusammenhang mit den jeweiligen regionalen Bedingungen stehen.

An Projekten, die sich gezielt der Weiterentwicklung der Didaktik der Zweisprachigkeit widmen, besteht besonderes Interesse. Für Versuchsvorhaben im Bereich der lebenden Fremd sprache(n) ist eine intensive Form der Lehrerfortbildung bzw. eine umfassende wissen schaftliche Begleitung, Betreuung und Evaluation durch den Landesschulrat vorzusehen. Präzise Angaben zum Evaluationskonzept dazu sind den Schulversuchsanträgen anzuschließen.

Besonderes Augenmerk ist der „Nahtstellenproblematik“ zu widmen, indem konkrete Maß nahmen und Projekte auch schulartenübergreifend ein konstitutives Versuchselement darstellen.

Bezüglich gänzlich neuer Projekte wird auf Punkt 1 des Rundschreibens Nr. 61/2001 verwiesen.

2. ALTERNATIVE FORMEN DER LEISTUNGSBEURTEILUNG

Mit Ausnahme der Möglichkeit, zur Ziffernbeurteilung verbale Zusätze hinzuzufügen, können alle übrigen alternativen Formen der Leistungsbeurteilung nur im Wege von Schulversuchen (§ 78a SchUG) realisiert werden:

§ 78a: (1) An Volksschulen und an Sonderschulen sind alternative Formen der Leistungsbeur teilung zu erproben, wobei die Selbstständigkeit der Arbeit, die Erfassung und die Anwendung des Lehrstoffes, die Durchführung der Aufgaben und die Eigenständigkeit der Schüler zu be urteilen sind und unterschiedliche Schülerleistungen zum Ausdruck zu bringen sind. In den Schulversuchen ist vorzusehen, dass auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat.

(2) Auf Schulversuche gemäß Abs. 1 findet § 7 des Schulorganisationsgesetzes mit der Maßgabe Anwendung, dass die Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen, an denen diese Schulversuche durchgeführt werden, 25% der Anzahl der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet nicht übersteigen.

3. MASSNAHMEN ZUR BEGABUNGSFÖRDERUNG

Kennzeichnend für derartige Versuche könnten sein: Individualisierende und differenzierende Formen von Lernanreicherung und -beschleunigung („enrichment“ und „acceleration“), insbeson dere in begabungs-und interessenfördernden Projekten.

Dies betrifft zB:

  • Steigern der Grundfertigkeiten
  • Fächerübergreifende Aspekte und qualitätsfördernde Maßnahmen
  • Aspekte des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts einschließlich wichtiger Querverbindungen

Bei allen Maßnahmen zur Begabungsförderung ist darauf zu achten, dass sie grundsätzlich im heterogenen Klassenverband realisiert werden können.

4. GRUNDSTUFEN-bzw. MEHRSTUFENKLASSEN

Grundstufen-bzw. Mehrstufenklassen sollen ein bestmögliches Eingehen auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes während der vier bzw. fünf Grundschuljahre ermöglichen. Die Vorteile der Schuleingangsphase (Erhalten der positiven Motivation und Lernfreude, Möglichkeiten der Defizitkompensation wie der Begabungsförderung, flexibler Zeitrahmen usw.) sollen für die gesamte Grundschulzeit genützt werden. Die Bildung der Klassen folgt bewusst dem Grundstufenprinzip, berücksichtigt zB reformpädagogische Konzepte mit entsprechenden Erkenntnissen der Lern-und Entwicklungspsychologie und weicht von der im Lehrplan der Grundschule vorgesehenen Trennung des Lehrstoffs in der 3. und 4. Schulstufe (Grundstufe II) ab. Besonderes Augenmerk sollte auf Aspekte des sozialen Lernens gelegt werden.

Da in Grundstufen-bzw. Mehrstufenklassen alternative Formen der Leistungserprobung zum Einsatz kommen ist dies in der Antragstellung zu vermerken, ohne dass diese Standorte jedoch bei Projekten gem. Punkt 2 dieses Rundschreibens gesondert anzuführen wären.

5. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHER BEREICH

Internationale Studien wie TIMSS und PISA zeigen die Wichtigkeit der Bildung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. An Projekten, die diesem Anliegen besonders Rechnung tragen, besteht seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur daher großes Interesse.

6. VOLKSSCHULEN bzw. VOLKSSCHULKLASSEN MIT MUSIKALISCHEM SCHWERPUNKT

Grundlage für die Beantragung ist die Projektbeschreibung des (damaligen) BMUK. Dies bedeutet u.a. auch, dass für derartige Klassen die derzeit im Lehrplan vorgesehenen einschlägigen unverbindlichen Übungen entfallen, da diese Inhalte in den erweiterten Musikunterricht integriert werden. Darüber hinaus gehende Konzepte können nicht als „Musikvolksschulklassen“ genehmigt werden. Der Lehrplanentwurf für die geplante unverbindliche Übung „vertiefende Musikerziehung“ sollte nach Möglichkeit im Rahmen dieser Schulversuche praktisch erprobt werden und wird in einer überarbeiteten Fassung vor Beginn des Schuljahres 2006/07 zur Verfügung gestellt werden.

Instrumentales Musizieren ist in den Musikunterricht zu integrieren und stellt keinen eigenen Unterrichtsgegenstand dar. Da das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der „Musikvolksschule“ zählt, ist eine möglichst enge und intensive Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sehr erwünscht. Es wird ersucht, bei der Beantragung dieser Schulversuche darauf zu achten, dass bei den einzelnen Schulen die zusätzlichen Lehrerwochenstunden, die durch die Führung des Schulversuchs entstehen, angeführt werden. Es sind also alle Stunden für den erweiterten Musikunterricht bzw. die benötigten Lehrerwochenstunden anzugeben, unabhängig davon, ob diese zusätzlichen Stunden von einzelnen Lehrerinnen bzw. Lehrern im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung oder allenfalls als MDL gehalten werden. Die Anzahl der Lehrerwochenstunden sollte nach Möglichkeit mit der Anzahl der Schülerwochenstunden ident sein.

Für die Aufnahme in eine Volksschule bzw. Volksschulklasse mit musikalischem Schwerpunkt ist keine Eignungsprüfung vorgesehen. Bei der Klassenbildung sollen einzelne Schülergruppen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Über die Aufnahme entscheidet nach Maßgabe der am Schulstandort verfügbaren personellen Ressourcen bzw. Mittel der Wunsch der Eltern bzw. Kinder.

7. SONSTIGE VERSUCHSVORHABEN

Bei anderen als den in den Punkten 1 – 5 angeführten Schwerpunktsetzungen wird der Landes schulrat (Stadtschulrat für Wien) gebeten, genau zu prüfen, ob die von den einzelnen Schulen vorgelegten Schulversuchsanträge mit dem allgemeinen Bildungsziel der Volksschule, eine für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsame Elementarbildung zu vermitteln, im Einklang stehen.

8. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Entsprechend dem Allgemeinen Richtlinienerlass sind nur jene Elemente Teil des Schulver suches, die in den diesbezüglichen Formblättern aufscheinen. Es wird gebeten, die Formblätter genau zu überprüfen. Projekte, die wieder beantragt werden, sind auf den rosa Formblättern zu aktualisieren und Vermerke bzw. Korrekturen anzubringen. Das Konvolut der für das Schuljahr 2005/06 genehmigten Schulversuche wird gesondert übermittelt werden.

Die Anträge für das Schuljahr 2006/2007 sind mit den aktualisierten bzw. neuen Formblättern dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung I/1, bis längstens 15. April 2006 vorzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Beilage

Wien, 23. Dezember 2005

Für die Bundesministerin:
Dr. Wilhelm Wolf

Inhaltlicher Stand: 06.04.2018