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Muttersprachlicher Unterricht: Information und Übermittlung der Merkblätter/Anmeldeformulare

BMBWK-27.901/0022-V/12a/2006
Mag. Elfie Fleck
V/12a
elfie.fleck@bmbwk.gv.at
+43(1)/53120-2552/53120-2599

Verteiler: Landesschulräte/Stadtschulrat für Wien
Sachgebiet: Pädagogische Angelegenheiten
Inhalt: Muttersprachlicher Unterricht
Geltung: Schuljahr 2006/07

Rundschreiben Nr. 5/2006

An alle LSR/SSR für Wien

Merkblätter/Anmeldeformulare für den muttersprachlichen Unterricht

Auf Grund des Inkrafttretens des Schulrechtspakets 2 (BGBl. I Nr. 20/2006 vom 16. Februar 2006) hat die Anmeldung zum Freigegenstand bzw. zur unverbindlichen Übung „Muttersprachlicher Unterricht" bereits im Sommersemester VOR dem in Betracht kommenden Schuljahr zu erfolgen.

Laut § 12 Abs. 1 letzter Satz SchUG hat die Anmeldung „anlässlich der Aufnahme in die Schule oder innerhalb einer vom Schulleiter zu Beginn des 2. Semesters der vorangegangenen Schulstufe vorzusehenden Frist von mindestens drei Tagen und längstens einer Woche zu erfolgen und gilt nur für das nächstfolgende Unterrichtsjahr; nach dieser Frist ist eine Anmeldung zulässig, wenn sie keine Teilung der Unterrichtsveranstaltung zur Folge hat.“

Um eine reibungslose Anmeldung zu gewährleisten, wurden die Merkblätter/Anmeldeformulare zum muttersprachlichen Unterricht den zuständigen SachbearbeiterInnen bei den Landesschulräten/beim Stadtschulrat für Wien bereits auf dem Postweg übermittelt.

Grundsätzliches

Die erforderlichen Ressourcen sind dem allgemeinen Stellenplankontingent zu entnehmen. Der muttersprachliche Unterricht stellt nach wie vor ein zentrales bildungspolitisches Anliegen dar. Daher werden die Landesschulräte/Stadtschulrat ersucht, dafür Sorge zu tragen, dass dieses wichtige pädagogische Angebot bei Vorliegen der erforderlichen Teilnehmerzahl unbedingt ermöglicht wird.

In jenen Bundesländern, in denen keine diesbezügliche Landesverordnung erlassen wurde und folglich am jeweiligen Schulstandort entschieden wird, ob der muttersprachliche Unterricht ab der 5. Schulstufe als Freigegenstand oder als unverbindliche Übung angeboten wird, wird empfohlen, die Lehrkräfte für den muttersprachlichen Unterricht und die betroffenen Eltern in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen.

Organisatorisches

Sprachenangebote
Im laufenden Schuljahr werden folgende Sprachen im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts angeboten: Albanisch, Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Bulgarisch, Chinesisch, Italienisch, Makedonisch, Persisch, Portugiesisch, Polnisch, Romanes, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Tschetschenisch, Türkisch und Ungarisch.

Die Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts ist grundsätzlich in jeder Sprache möglich, sofern Bedarf angemeldet wird und die personellen und stellenplanmäßigen Ressourcen gegeben sind. Sollte die Einführung einer neuen Sprache in Ihrem Bundesland geplant sein, werden Sie ersucht, mit dem Referat für interkulturelles Lernen im bm:bwk Kontakt aufzunehmen.

Eröffnungs- und Teilungszahlen – Gruppenbildung – Team Teaching – Wochenstundenanzahl

Allgemein bildende Pflichtschulen
Bei nichtintegrativer Führung (Kursform) gelten die Eröffnungs- und Teilungszahlen für Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen (Landesausführungsgesetze bzw. Eröffnungs- und Teilungszahlenverordnung für Bundesschulen). Es ist auch möglich, klassen-, schulstufen-, schul- und schulartenübergreifende Gruppen zu bilden bzw. an Standorten, an denen bisher kein muttersprachlicher Unterricht angeboten wurde, einen solchen einzurichten.

Für Klassen mit einem hohen Anteil an SchülerInnen der gleichen Herkunftssprache bietet sich der muttersprachliche Unterricht in integrativer Form (Team Teaching) an, sofern dies von den betroffenen Lehrkräften (Klassen/FachlehrerIn und LehrerIn für den muttersprach-lichen Unterricht) gewünscht wird. Eine Kombination aus Kursform und Team Teaching ist zulässig.

Vorschule
In der Vorschulstufe kann im Rahmen der verbindlichen Übung „Sprache und Sprechen“ eine besondere Förderung in der Muttersprache des Kindes im Ausmaß von drei Wochenstunden parallel zum Unterricht bzw. (ganz oder teilweise) integrativ angeboten werden. Ein verstärkter Einsatz der muttersprachlichen LehrerInnen in der Vorschulstufe wird aus Gründen der frühen sprachlichen Förderung empfohlen.

Weiterführende Schulen
Es wird in Erinnerung gerufen, dass aufsteigend mit dem Schuljahr 2004/05 auch für die Oberstufe der allgemein bildenden höheren Schulen ein Lehrplan für den muttersprachlichen Unterricht verordnet wurde. Für alle weiterführenden Schularten wird empfohlen, den muttersprachlichen Unterricht im Rahmen der Schulautonomie zu ermöglichen, sofern der Bedarf und die stellenplanmäßige Bedeckung gegeben sind. Auch hier gilt die Möglichkeit von schulübergreifenden Sammelkursen. Die Teilnahme von SchülerInnen der genannten Schularten an einem Kurs an einem Hauptschulstandort ist zulässig, jedoch werden diese SchülerInnen bei der Eröffnung einer neuen oder der Teilung einer bestehenden Gruppe nicht mitgezählt.

Gemischte Gruppen aus native speakers der betreffenden Sprache und aus SchülerInnen, die diese Sprache als lebende Fremdsprache erlernen wollen, sind aus sprachdidaktischen Gründen unbedingt zu vermeiden.

Sonstige organisatorische Hinweise

Weiters wird in Erinnerung gerufen,

  • dass die Information über den muttersprachlichen Unterricht seitens der Schule (KlassenlehrerIn) zu erfolgen hat, wobei die Mitwirkung der muttersprachlichen LehrerInnen bei der Elterninformation und dem Sammeln der Anmeldungen sinnvoll und daher ausdrücklich erwünscht ist.
  • dass der muttersprachliche Unterricht laut Lehrplanverordnung im Ausmaß von mindestens zwei Wochenstunden anzubieten ist,
  • dass der muttersprachliche Unterricht – wie alle anderen Gegenstände auch – der Inspektion durch die Schulaufsicht unterliegt,
  • dass die Teilnahme der muttersprachlichen LehrerInnen an Lehrerkonferenzen der Stammschule verpflichtend ist. Ist eine Lehrkraft an mehreren Schulstandorten tätig, sollte die Teilnahme an den Konferenzen ermöglicht werden.

Zeugnisvermerk

Die Teilnahme an der unverbindlichen Übung „Muttersprachlicher Unterricht“ bzw. die Note für den Freigegenstand „Muttersprachlicher Unterricht“ ist im Zeugnis/ in der Schulnach-richt/in der Schulbesuchsbestätigung zu vermerken, auch dann, wenn die Schülerin/der Schüler den muttersprachlichen Unterricht nicht am eigenen Schulstandort besucht.

Muttersprachlicher Unterricht in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

Im nach wie vor gültigen Rundschreiben Nr. 10/1996 (GZ 27.901/8-V/5a/96) wird empfohlen, „nach Möglichkeit keine Trennung nach ethnischen Zugehörigkeiten vorzunehmen“, und die Lehrkräfte werden darauf hingewiesen, „ungeachtet ihrer eigenen ethnischen oder regionalen Herkunft, alle in ihrer Gruppe vertretenen Sprachvarietäten im gleichen Maße zu respektieren und zu fördern.“

Die Landesschulräte/der Stadtschulrat für Wien werden ersucht, die in diesem Rundschreiben enthaltenen Informationen ALLEN Schulen, auch den mittleren und höheren Schulen, bekanntzugeben. Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Sachbearbeiterin zur Verfügung.

Eine Abschrift dieses Schreibens ergeht an die für die Anstellung der muttersprachlichen LehrerInnen zuständigen Personen bei den Landesregierungen bzw. bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien, die Schulberatungsstellen für AusländerInnen/MigrantInnen bei den Landesschulräten/dem Stadtschulrat für Wien, die KoordinatorInnen für interkulturelles Lernen an den Pädagogischen Instituten, die Übungsschulen der Pädagogischen Akademien, alle in Österreich tätigen LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht.

Wien, 7. März 2006

Für die Bundesministerin:
SC Mag. Heidrun Strohmeyer

Letzte Aktualisierung: 6. April 2018