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Ethik – Pflichtgegenstand für alle Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen

Eines der offenen aktuellen bildungspolitischen Ziele ist es, Ethik als Pflichtgegenstand für alle Schülerinnen und Schüler einzuführen, die keinen Religionsunterricht besuchen. Dadurch entsteht ein zusätzliches Bildungsangebot für Schülerinnen und Schüler, die keinem religiösem Bekenntnis angehören oder sich vom Religionsunterricht abmelden.

Die steigende Anzahl von Jugendlichen, die sich vom Religionsunterricht abmelden oder keiner Religionsgemeinschaft angehören, zieht zunehmend von verschiedenen gesellschaftlich relevanten Gruppierungen die Forderung nach sich, auch für diese Schülerinnen und Schüler einen – nicht bloß religiösen – systematischen staatlichen Ethik- und Werteunterricht zu vermitteln. 

Ziele des Ethikunterrichtes

Der Ethikunterricht soll Schülerinnen und Schüler zu selbstständiger Reflexion im Hinblick auf Wege gelingender Lebensgestaltung befähigen, ihnen Orientierungshilfen geben und sie zur fundierten Auseinandersetzung mit den Grundfragen des Lebens anleiten.
In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen philosophischen, weltanschaulichen, kulturellen und religiösen Traditionen und Menschenbildern soll der Ethikunterricht einen Beitrag zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung leisten. Hierbei soll die Bereitschaft gestärkt werden, Verantwortung für das eigene Leben und das Zusammenleben mit anderen in sozialen, ökologischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Verhältnissen zu übernehmen. Der Ethikunterricht bestärkt die Schülerinnen und Schüler, eigene Krisenerfahrungen aufzugreifen und sich im autonomen Handeln als selbstwirksam zu erfahren. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Ethikunterricht auch maturieren können.

Schulversuch Ethik

Seit mehr als 20 Jahren wird Ethik als Schulversuch in Schulen der Sekundarstufe II (allgemeinbildende höhere Schulen, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) an derzeit 225 Standorten erprobt. Mit der Ausrollung von Ethik als Pflichtgegenstand zum Religionsunterricht wird einer jahrelangen Forderung und Entschließung des Nationalrates 2011 nachgekommen.

Ausrollung von Ethik in der Sekundarstufe II

Die Ausrollung beschränkt sich vorerst auf jene Schularten der Sekundarstufe II, in denen der Schulversuch erprobt wurde: 
Beabsichtigt ist, im Schuljahr 2020/21 "Ethik" aufsteigend in der AHS  auszurollen,  2021/22 sollen die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen folgen. Die stufenweise Ausrollung nimmt dabei auf die große Zahl an auszubildenden Lehrkräften bedacht und räumt der Entwicklungsarbeit für Schulbücher die erforderliche Zeit ein.

Lehrplanarbeit

Auf Basis der zahlreichen, vielfach schulautonom nur an einzelnen Standorten angewendeten Schulversuchs-Lehrpläne und unter besonderer Berücksichtigung eines Lehrplanentwurfes der Bundes-ARGE Ethik wird derzeit ein neuer Lehrplan erarbeitet. In diesem Lehrplan sollen aktuelle Anforderungen sowie die vielfältigen Erfahrungen aus den Schulversuchen einfließen. Grundlagenwissenschaft des Ethikunterrichts ist die Philosophie. Bezugswissenschaften sind Psychologie, Soziologie, Religionswissenschaft, aber auch Geschichte, Rechtswissenschaft, Biologie, Wirtschaftswissenschaft, Politologie, u.a.m.

Ausbildung

Für die ersten Bedarfsjahre wird an Pädagogischen Hochschulen, Universitäten und der KPH Wien/Krems ein auf Basis eines gemeinsam entwickelten Rahmencurriculum angebotener Hochschullehrgang ETHIK im Ausmaß von insgesamt 60 ECTS-Punkte als berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung angeboten. Für eine erste Lehrbefugnis sind 30 ECTS-Punkte im ersten Studienjahr, weitere 30 ECTS-Punkte sind im 2.-4. Studienjahr zu absolvieren. Weiters bieten die Universitäten Wien und Graz Masterstudienlehrgänge Ethik an (120 ECTS-Punkte). Die Zulassungsbestimmung unterscheiden sich zwar von den Hochschullehrgängen, setzen jedoch jedenfalls eine bestehende Lehrbefugnis voraus.

Zulassung Hochschullehrgänge Ethik

Als Voraussetzung für eine Zulassung zum Besuch eines Hochschullehrganges Ethik sind ein abgeschlossenes universitäres Lehramtsstudium bzw. eine gleichwertige Qualifikation und Befugnis, ein aufrechtes Dienstverhältnis an einer Stammschule und eine mindestens 3-jährige Unterrichtspraxis nachzuweisen. Aufgrund der Anforderungen werden derzeit nur Lehrkräfte aus AHS und BMHS zugelassen.

Anrechnungen

Für etliche inhaltsverwandte universitäre Lehrbefugnisse (zB Philosophie und Psychologie; Theologie, Religionspädagogik) sind Anrechnungsanträge für bereits erfüllte Ausbildungen oder Ausbildungsteile zu erwarten. Die jeweils konkrete Anrechnung erfolgt jedoch durch die jeweilige Ausbildungseinrichtung, an der der Hochschullehrgang absolviert wird. Bereits in der Vergangenheit erworbene Lehrbefugnisse für Ethik müssen nicht erneuert oder ergänzt werden und behalten die Gültigkeit.

Lehramtsstudium

Mit Ethik als Pflichtgegenstand in der Sekundarstufe II ist mittelfristig ein universitäres Lehramtsstudium anzubieten. Dazu gibt es derzeit erste Vorarbeiten, ein Studienangebot ist frühestens mit Beginn des Studienjahres 2022/23 realistisch.

Links

Kontakt

MinR Mag. Manfred Wirtitsch
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Leiter der Abteilung für Grundsatzangelegenheiten und überfachliche Kompetenzen, Schulpartnerschaft, ganztägige Schulformen
Minoritenplatz 5
1010 Wien
T +43 1 53120-2540
manfred.wirtitsch@bmbwf.gv.at