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Ethik – Pflichtgegenstand für alle Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen

Mit Beschluss des Nationalrates vom 20. November 2020, BGBl. I Nr. 133/2020 , wurde das Schul-Organisations-Gesetz geändert und Ethik als Pflichtgegenstand für alle Schülerinnen und Schüler eingeführt, die keinen Religionsunterricht besuchen. Damit wurde ein langjähriger Schulversuch und eines der offenen aktuellen bildungspolitischen Ziele in den Regelbetrieb übergeführt. Dadurch entsteht ein zusätzliches Bildungsangebot für Schülerinnen und Schüler, die keinem religiösem Bekenntnis angehören oder sich vom Religionsunterricht abmelden.

Die steigende Anzahl von Jugendlichen, die sich vom Religionsunterricht abmelden oder keiner Religionsgemeinschaft angehören, zieht zunehmend von verschiedenen gesellschaftlich relevanten Gruppierungen die Forderung nach sich, auch für diese Schülerinnen und Schüler einen – nicht bloß religiösen – systematischen staatlichen Ethik- und Werteunterricht zu vermitteln.

Mit Rundschreiben 5/2021 sind Durchführungsrichtlinien zum Religions- sowie zum Ethikunterricht veröffentlicht.

Ziele des Ethikunterrichtes

Der Ethikunterricht soll Schülerinnen und Schüler zu selbstständiger Reflexion im Hinblick auf Wege gelingender Lebensgestaltung befähigen, ihnen Orientierungshilfen geben und sie zur fundierten Auseinandersetzung mit den Grundfragen des Lebens anleiten.
In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen philosophischen, weltanschaulichen, kulturellen und religiösen Traditionen und Menschenbildern soll der Ethikunterricht einen Beitrag zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung leisten. Hierbei soll die Bereitschaft gestärkt werden, Verantwortung für das eigene Leben und das Zusammenleben mit anderen in sozialen, ökologischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Verhältnissen zu übernehmen. Der Ethikunterricht bestärkt die Schülerinnen und Schüler, eigene Krisenerfahrungen aufzugreifen und sich im autonomen Handeln als selbstwirksam zu erfahren. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Ethikunterricht auch maturieren können.

Schulversuch Ethik

Seit mehr als 20 Jahren wird Ethik als Schulversuch in Schulen der Sekundarstufe II (allgemeinbildende höhere Schulen, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) an derzeit 233 Standorten erprobt. Mit der Ausrollung von Ethik als Pflichtgegenstand zum Religionsunterricht wird einer jahrelangen Forderung und Entschließung des Nationalrates 2011 nachgekommen.

Ausrollung von Ethik in der Sekundarstufe II

Die Ausrollung erfolgt mit Schuljahr 2021/22 in den Allgemeinbildende höhere Schulen sowie Berufsbildende mittlere und höhere Schulen der Sekundarstufe II, inklusive aller Sonderformen, Kollegs, Abendschulen für Berufstätige und so weiter. Die Lehrpläne (BGBl. II Nr. 250/2021) werden zwar innerhalb der jeweiligen Schulform aufsteigend umgesetzt, dies bedeutet aber zum Beispiel bei Kollegs oder bei Schulen für Berufstätige nicht, dass davor in der Sekundarstufe II Ethik oder Religion aufsteigend absolviert und daher Ethik erst später umgesetzt werden müsste. Gemäß SchoG (BGBl. I Nr. 133/2020) ist daher auch in diesem Schulformen mit Beginn des Schuljahres 2021/22 Ethik als Pflichtgegenstand anzubieten.

Lehrplanarbeit

Auf Basis der zahlreichen, vielfach schulautonom nur an einzelnen Standorten angewendeten Schulversuchs-Lehrpläne und unter besonderer Berücksichtigung eines Lehrplanentwurfes der Bundes-ARGE Ethik wurden neue Lehrpläne erarbeitet und am 7. Juni 2021 verordnet (BGBl. II Nr. 250/2021).

In die Lehrpläne fließen aktuelle Anforderungen sowie die vielfältigen Erfahrungen aus den Schulversuchen ein. Grundlagenwissenschaft des Ethikunterrichts ist die Philosophie. Bezugswissenschaften sind Psychologie, Soziologie, Religionswissenschaft, Theologien von Religionen, aber auch Geschichte, Rechtswissenschaft, Biologie, Wirtschaftswissenschaft, Politologie, und anderes mehr.

Ausbildung

Für die ersten Bedarfsjahre wird an Pädagogischen Hochschulen, Universitäten und der KPH Wien/Krems ein auf Basis eines gemeinsam entwickelten Rahmencurriculum angebotener Hochschullehrgang Ethik im Ausmaß von insgesamt 60 ECTS-Punkte als berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung angeboten. Für eine erste Lehrbefugnis sind 30 ECTS-Punkte im ersten Studienjahr, weitere 30 ECTS-Punkte sind im 2.-4. Studienjahr zu absolvieren. Weiters bieten die Universitäten Wien und Graz Masterstudienlehrgänge Ethik an (120 ECTS-Punkte). Die Zulassungsbestimmung unterscheiden sich zwar von den Hochschullehrgängen, setzen jedoch jedenfalls eine bestehende Lehrbefugnis voraus.

Zulassung Hochschullehrgänge Ethik

Als Voraussetzung für eine Zulassung zum Besuch eines Hochschullehrganges Ethik sind ein abgeschlossenes universitäres Lehramtsstudium beziehungsweise eine gleichwertige Qualifikation und Befugnis, ein aufrechtes Dienstverhältnis an einer Stammschule und eine mindestens 3-jährige Unterrichtspraxis nachzuweisen. Aufgrund der Anforderungen werden derzeit nur Lehrkräfte aus AHS und BMHS zugelassen.

Anrechnungen

Für etliche inhaltsverwandte universitäre Lehrbefugnisse (zum Beispiel Philosophie und Psychologie; Theologie, Religionspädagogik) sind Anrechnungsanträge für bereits erfüllte Ausbildungen oder Ausbildungsteile zu erwarten. Die jeweils konkrete Anrechnung erfolgt jedoch durch die jeweilige Ausbildungseinrichtung, an der der Hochschullehrgang absolviert wird. Bereits in der Vergangenheit erworbene Lehrbefugnisse für Ethik müssen nicht erneuert oder ergänzt werden und behalten die Gültigkeit.

Lehramtsstudium

Mit Ethik als Pflichtgegenstand in der Sekundarstufe II ist ein universitäres Lehramtsstudium unabdingbar. Derzeit befinden sich die Curricula im Genehmigungsprozess, ein Studienangebot wird mit Beginn des Studienjahres 2021/22 angestrebt.

Links

Kontakt

MinR Mag. Manfred Wirtitsch
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Leiter der Abteilung für Grundsatzangelegenheiten und überfachliche Kompetenzen, Schulpartnerschaft, ganztägige Schulformen
Minoritenplatz 5
1010 Wien
T +43 1 53120-2540
manfred.wirtitsch@bmbwf.gv.at