Gabriele Possanner-Würdigungspreisträgerin 2013

em. Univ.-Prof.in Dr.in Ursula FLOSSMANN
Rechtswissenschafterin

Ursula Floßmanns Verdienste für die Gleichberechtigung der Geschlechter sind
geprägt von einem Wissenschaftsverständnis, das Wissenschaft als Teil gesellschaftlicher Realität begreift. In der Erkenntnis, dass Rechtsnormen die
Lebensmöglichkeiten von Menschen erweitern oder beschränken, trägt sie mit ihrer Forschung direkt zu rechtlichen und politischen Reformprozessen seit den 1970er-Jahren bei und hat die Gesetzgebung in Österreich zur Gleichberechtigung der Geschlechter mitgeprägt – lange bevor EU-Richtlinien zum Gender Mainstreaming bzw. ein EU-weites Antidiskriminierungsgesetz zur Umsetzung vorlagen. An der Universität Linz wurden, nicht zuletzt aufgrund ihres jahrzehntelangen Engagements, ein überfakultäres Institut für Frauen und Geschlechterforschung und das bislang österreichweit einzigartige Institut für Legal Gender Studies an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät etabliert.

In ihren wissenschaftlichen Schriften, Vorträgen und Publikationen versteht es
Ursula Floßmann aus ihrer disziplinär geprägten Forschungsperspektive – der
Rechtsgeschichte – wegweisende transdisziplinäre Einsichten für die interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung zu liefern. Mehr noch, die
Rechtshistorikerin beweist, dass ein präziser Forschungsfokus auf die (Rechts-) Situation von Frauen in Vergangenheit und Gegenwart wertvolle Hinweise für die Begründung und Gestaltung einer gesellschaftlichen Zukunft bietet, in der alle Geschlechter gleiche Chancen auf Teilhabe und Mitgestaltung haben.

Auf ganz vielfältige Weise sorgt Floßmann dafür, ihre Erkenntnisse über die
Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Gleichberechtigung der Geschlechter in
Lehre und Forschung weiterzugeben. Ein Beispiel dafür ist die von ihr gegründete und herausgegebene Schriftenreihe „Linzer Schriften zur Frauenforschung“ im Trauner Verlag, in der seit dem Jahr 1996 bereits mehr als 50 Bände erschienen sind.

Ursula Floßmann setzte sich als erste Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen an der Johann Kepler Universität unermüdlich für die Anerkennung der berechtigten Forderungen von Wissenschafterinnen im universitären Kontext ein. Sie hat durch ihr nachhaltiges Arbeiten institutionell-strukturelle Weichenstellungen an ihrer Universität erreicht und es geschafft, eine Professur „Legal Gender Studies“ einzurichten. Als Pionierin erreichte sie zu einer Zeit, als von einer systematischen institutionellen Verankerung der Genderforschung in Österreich noch keine Rede sein konnte, dass geschlechtsspezifische Lenkungsaspekte von Normen aufgedeckt wurden und die Einbeziehung von Gender in die Rechtswissenschaften heute als state of the art gelten kann.