Gabriele Possanner-Förderungspreisträgerin 2011

Mag.a Dr.in Evi Genetti, Politikwissenschafterin, Wien

Evi Genetti, 1973 geboren, schloss ihr Diplomstudium der Politikwissenschaft 1999 mit Auszeichnung an der Universität Wien ab, 2009 promovierte sie. 1999 erhielt sie für ihre Diplomarbeit den Förderpreis für wissenschaftliche Arbeiten von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien, 2000 den Förderungspreis für wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Frauenforschung des Verbands der Akademikerinnen Österreichs. Ab 1995 war Evi Genetti in zahlreichen Lehrtätigkeiten am Institut für Politikwissenschaft in Wien sowie ab 1997 als Projektleiterin in europäischen und internationalen Forschungsprojekten mit Schwerpunkt Frauenförderung und Gender Mainstreaming tätig. Seit Oktober 2010 ist sie Fakultätsmanagerin an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien. Von 2000–2010 war sie Akademische Referentin und Projektleiterin in der Abteilung Frauenförderung und Gleichstellung an der Universität Wien.  

STAATEN IM WETTBEWERB:
Zur Transformation von Staatlichkeit und Geschlechterverhältnissen im Kontext der Europäischen Union, Dissertation, Wien 2009.
 

Evi Genetti untersucht, inwiefern sich der moderne Staat im Zuge von Transnationalisierungs- und Europäisierungsprozessen in den letzten Jahrzehnten der Krisenkonstellation transformiert hat, wie sich dabei ein grundlegender Strukturwandel von Staatlichkeit herausbildet und welche Rolle Geschlechterverhältnisse dabei spielen. Sie stellt detaillierte staatstheoretische Überlegungen an und generiert politökonomisches Verständnis von Staat bzw. Staatlichkeit und des Verhältnisses von Staat und Geschlechterverhältnissen. Dabei entwirft sie ein theoretisches Gerüst einer geschlechterkritischen Theorie des Staates, das die verschiedenen Herrschaftsverhältnisse berücksichtigt. Evi Genetti greift sowohl auf materialistische bzw. regulationstheoretische als auch auf feministische Staatsansätze zurück, die sie produktiv miteinander verbindet. Von dieser staatstheoretischen Folie ausgehend untersucht sie die gegenwärtigen Transformationsprozesse von Staatlichkeit im Zuge von neoliberalen Globalisierungsoffensiven. In kritischer Auseinandersetzung mit gesellschafts-theoretischen und feministischen Analysen zum Wandel von Staatlichkeit in westlichen Industrieländern erläutert Evi Genetti ein gendersensibles Konzept von nachfordistischer Wettbewerbsstaatlichkeit.

Genetti zeigt auf, dass die Entstehung der neuen Wettbewerbsstaatlichkeit auf allen Ebenen zu Ambivalenzen hinsichtlich der Geschlechterpolitiken geführt hat. In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich der Gleichstellungspolitik ein unternehmerischer und marktkonformer ökonomischer Diskurs über die Nutzung der weiblichen Humanressourcen zur Sicherung von unternehmerischer und der gesamteuropäischen Wettbewerbsfähigkeit durchgesetzt. Aspekte der sozialen Gerechtigkeit und Ungleichheit in der europäischen Geschlechterdebatte treten immer mehr in der Hintergrund und die Gleichstellungspolitik der EU wird den Bedürfnissen des flexibilisierten Arbeitsmarkt und vermeintlich ökonomischer Zwänge des globalen Wettbewerbs untergeordnet.

Die vorliegende Dissertation aus der Politikwissenschaft wurde von der Jury als herausragend bezeichnet.