Gabriele Possanner-Staatspreisträgerin 2013

Univ.-Prof.in Dr.in Mag.a Gabriella HAUCH
Historikerin, Wien

Gabriella Hauchs umfangreiche Forschungs-, Publikations-, Vortrags- und Lehrtätigkeit gilt den Geschlechterverhältnissen in Europa von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. Ihre Leistungen auf Basis der Einbringung der Frauen- und Geschlechterforschung in die Geschichtswissenschaft, die von ihr vorangetriebene Gründung eines überfakultären Institutes für Frauen- und Geschlechterforschung (sie war von 2001 bis 2011 auch dessen Vorständin) an der Johannes Kepler Universität Linz, ihre Vehemenz und Energie gegen einen Rückbau bzw. eine Stagnation der Geschlechterforschung in Österreich – herausragend dabei ihr von Erfolg gekrönter Kampf für eine Wiedereinführung des Käthe-Leichter-Preises für Geschlechterforschung 2005 –, die Mitbegründung der österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung (ÖGGF) sowie ihre Rolle als Mitinitiatorin des Forschungsverbundes Gender Agency sind öffentlichgesellschaftlich relevante Belege für ihre herausragende wissenschaftliche, strukturelle und institutionelle Wirkung.

In ihrer Position als Vertretungsprofessorin an der Johannes Kepler Universität
Linz ist es ihr – vor allem durch erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln –
gelungen, das bislang in Österreich einzige überfakultäre Institut für Frauenund
Geschlechterforschung aufzubauen und dieses nach ihrer Berufung als Professorin für Frauen- und Geschlechterforschung weiter zu entwickeln. Als Professorin an der Universität Wien leitete sie die AG Frauen- und Geschlechtergeschichte am Institut für Geschichte und koordinierte das frauen- und geschlechtsspezifische Lehrangebot der Historisch- Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Frauen- und Geschlechtergeschichte veranstaltet sie auch internationale Workshops und Diskussionsreihen. Gemeinsam mit Birgit Sauer und Nikolaus Benke initiierte sie den Forschungsverbund Gender and Agency an der Universität Wien; sie ist Leiterin der AG UniFrauenJubel, der Frauen- und
Geschlechterschiene des 650-Jahr-Jubiläums der Universität Wien. Darüber hinaus nimmt sie mit großem Engagement und exzellentem Blick für Frauenförderung Aufgaben in der universitären Selbstverwaltung wahr (z.B.die Konzeption von Curricula oder die Einführung des Universitätslehrganges „Management und Leadership für Frauen“), aber auch zahlreiche Vorsitze in Habilitations- und Berufungskommissionen.

Hauch promovierte 1990 an der Universität Salzburg und habilitierte sich 1996 an der Universität Linz, wo sie seit 1986/87 als Universitätslektorin gearbeitet hatte. Ab 1997/98 war sie Lehrstuhlvertreterin an der Universität Innbruck, 1998 hatte sie auch eine Gastdozentur an der Martin-Luther-Universität Halle a.d. Saale. 1991–1999 war sie Vizepräsidentin bzw. 1999–2005 Präsidentin der ITH (International Conference of the Historians of Labour and Social History), seit 2006 ist sie Mitglied des Internationalen wissenschaftlichen Beirates. 2000–2003 war sie Universitätsprofessorin für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz, 2001–2004 Co-Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte Linz–Graz–Salzburg. 2002/03 hatte sie eine Gastprofessur an der Universität Klagenfurt inne. 2001–2011 war sie Gründungsprofessorin und Vorständin des gesamtuniversitären Institus für Frauen- nd Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Uiversität Linz, seit 2011 ist sie Universitätsprofessorin für
Geschichte der Neuzeit/Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität
Wien, Koordinatorin des MA Frauen- und Geschlechtergeschichte sowie Fakulty-Mitglied von MATILDA – International Master of Women’s and Gender History. Weiters ist sie Mitherausgeberin von „L’Homme. Europäische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften“ und seit 1995 Mitherausgeberin der „Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften“ (ÖZG). Als Herausgeberin der wissenschaftlichen Reihe „Studien zur Frauen- und Geschlechterforschung“ im Studienverlag Innsbruck-München-Bozen schafft sie vor allem auch für Nachwuchsforscherinnen Möglichkeiten zur Publikation.

Gabriella Hauchs wissenschaftliche Verdienste wurden 1987 mit dem Theodor-
Körner-Förderungpreis und 1992 mit dem Käthe-Leichter-Preis für Historische
Frauenforschung ausgezeichnet. Weiters erhielt Gabriella Hauch 2012 den Wiener Frauenpreis für Wissenschaft.