Gabriele Possanner-Staatspreisträgerin 2003

a.o. Univ.Prof.in Dr.in Elisabeth List
Philosophin, Graz

 

Elisabeth List wurde 1946 in St. Veit an der Glan (Kärnten) geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Soziologie in Graz, Konstanz und Berlin und promovierte 1971 an der Karl Franzens Universität Graz. Im selben Jahr wurde sie Universitätsassistentin am Institut für Philosophie der Universität Graz, wo sie nach der Habilitation 1981 Assistenzprofessorin wurde. Seit 1996 ist sie a.o. Professorin, seit 1999 Vorstandsmitglied der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland, AGPD. 1995 wurde sie Leiterin der Arbeitsgruppe "Theorie, Kultur und Kritik" – Theorie der Kulturwissenschaften unter Berücksichtigung der interdisziplinären Kulturforschung am Institut für Philosophie. Seit Jänner 1998 ist sie Leiterin der Arbeitsgruppe Kulturwissenschaften der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Karl Franzens Universität Graz.  

Gastprofessuren führten sie nach Bergen, Norwegen, Klagenfurt und Innsbruck.  

Ihre Arbeitsschwerpunkte Wissenschaftstheorie und Gesellschaftstheorie, Feministische Theorie und Wissenschaftskritik, Theorien des Körpers im kulturellen Kontext und Theorien des Lebendigen sind in zahlreichen Publikationen dokumentiert. Der 1989 von ihr (gemeinsam mit Herlinde Studer) herausgegebene Band "Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik" etwa war ein Anker für die feministische Theoriendiskussion und wurde breit rezipiert. Seine große Bedeutung für die Entwicklung der feministischen Theorie begründete die international hohe wissenschaftliche Reputation der Philosophin.  

Zahlreiche Publikationen von ähnlicher Bedeutung folgten diesem Sammelband, wie z.B. der 1993 vorgelegte Band "Die Präsenz des Anderen. Theorie und Geschlechterpolitik". Elisabeth List festigte damit ihre bedeutende Stellung; die vitalen Lebenszeichen feministischer Theorie aus Graz fanden durch ihre Arbeiten und ihre Wirkung eine international gehörte Botschafterin. Die Arbeiten von Elisabeth List wirken aber auch durch innovative wie höchst reflektive Forschungsansätze als Motor für die weitere feministische Theorieentwicklung. Aufgrund ihres ausgeprägt internationalen Forschungsinteresses ist Elisabeth List Garant für einen Forschungsdiskurs auf dem (auch international) letzten Stand der Wissenschaft. Dieses hohe Niveau setzt sich in ihren Leistungen in der Lehre fort. 

Als bemerkenswert fand die Jury auch die Netzwerkleistungen, die Elisabeth List ab den frühen 80er-Jahren an der Universität Graz setzte. List gelang es, die lehrenden Mittelbau-Frauen der Geisteswissenschaften im Bereich von feministischer Wissenschaftskritik zu bündeln. Gemeinsam mit anderen initiierte sie ab 1985 eine interdisziplinäre Ringvorlesung, die als Erfolgsgeschichte bis in die Gegenwart wirkt. Einmalig in Österreich, war diese Ringvorlesung durch Kontinuität der interdisziplinären Zusammenarbeit und ihr hohes Niveau, durch die Durchdringung von Wissenschaft und feministischer Kritik, damit auch von Wissenschaft und Politik an der Stätte von Lehre und Forschung, Ausdruck von Anspruch und Beharrlichkeit.  

Elisabeth Lists Publikationsliste umfasst 15 selbstständige oder herausgegebene selbstständige Titel sowie über 100 Beiträge in Zeitschriften, Sammelbänden und Festschriften. Auch in ihren Publikationen tritt das Nachdenken über die verschiedensten Aspekte der Geschlechterdemokratie als ein zentrales Anliegen in ihrer Forschung hervor.