Gabriele Possanner-Förderungspreisträgerin 2009

Mag. Ulrike Prattes,
Kultur- und Sozialanthropologin, Wien

 

Ulrike Prattes, geboren 1982 in Bruck/M., studiert seit 2001 Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien (Diplomstudium abgeschlossen, derzeit Doktoratsstudium). Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen Feministische Anthropologie; kritische Studien zu Männern und Männlichkeit; Islam in Europa. 2003 beteiligte sie sich an einem Camp zum kulturellen Austausch in Togo. Sie verfügt über archivarische Erfahrung durch eine Mitarbeit in der Frauenhetz. Feministische Bildung, Kultur und Politik (2009) und bearbeitete die Ethnographische Sammlung am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien (2005–06).
Ihr Diplomstudium schloss Ulrike Prattes mit der nun ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeit ab.

JUNGE MÄNNER UND FEMINISMUS.
Ein sozialanthropologischer Blick auf Männlichkeitskonstruktionen im Kontext Österreichs

Ulrike Prattes beforscht ein für die Geschlechterdemokratie wichtiges, jedoch noch wenig erschlossenes Phänomen. Ausgehend von einem theoretischen Teil, in dem sie einerseits die feministische Begrifflichkeit zur Unterschiedsdebatte (differences within und differences between) und andererseits Konzepte der kritischen Masculinity Studies herausarbeitet, stellt Prattes im zweiten Teil die Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchung dar: Mittels eines qualitativen Forschungsdesigns erhebt sie in drei sozial unterschiedlich zusammengesetzten Diskussionsgruppen die Positionierung von jungen Männern (zwischen Mitte 20 und Mitte 30 Jahre alt) zur feministischen Bewegung.

Die Arbeit ist innovativ, was die Adaptierung der Methode betrifft: Die Autorin legt große Aufmerksamkeit auf die Differenzierung zwischen den gleichgeschlechtlichen und gemischtgeschlechtlichen Settings bei den Diskussionen und verfügt über einen hervorragenden, pointierten Stil. In der Interpretation ihrer empirischen Daten vermag die Autorin auf beeindruckende Weise Theorie und Praxis miteinander zu verbinden und das schwierige Unterfangen der Deutung der Ergebnisse nachvollziehbar und spannend zu gestalten. Der originelle Nachweis sowohl machtkonservierender als auch systemverändernder Strategien junger Männer gibt wichtige Anstöße für weitere politische Gestaltungsmöglichkeiten. Prattes liefert damit eine hervorragende Grundlage für weitere Forschungen in dem Gebiet der feministischen Masculinity Studies.
Die vorliegende Diplomarbeit aus dem Fach Sozial- und Kulturanthropologie ist in jeder Hinsicht eine ausgezeichnete Arbeit, die allen Anforderungen des Gabriele Possanner-Förderungspreises in hervorragender Weise gerecht wird.