Gabriele Possanner-Förderungs-Jubiläumspreisträgerin 2007

MMag.ª Dr.in Anita Thaler
Pädagogin, Graz

 

Anita Thaler, 1974 in Graz geboren, absolvierte nach der Matura das Diplomstudium Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Nach ihrem Ab-schluss in Wirtschaftspsychologie begann sie das Diplomstudium der Erziehungs- und Bildungswissenschaften; ihren Abschluss machte sie in Erwachse-nenbildung und Frauenforschung. Neben der Zertifizierung in Arbeitspsychologie begann sie 2002 das Doktoratsstudium Pädagogik an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, das sie 2005 mit der nun ausgezeichneten Dissertation abschloss.  

Seit 2004 ist Anita Thaler wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interuniversitären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur, Graz, mit  Schwerpunkt Technik-Bildung, Technik-Berufe und Geschlecht, e-Learning und Geschlecht, Methoden der Geschlechterforschung; 2005 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung Technik- und Wissenschaftsforschung der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Alpen-Adria-Universität Klagen-furt, 2006 Lehrbeauftragte der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 2007 ist sie Projektleiterin des Forschungspro-jektes „FEMTEC STYRIA – Ausbildung an Technischen Universitäten – Benchmarking im deutschsprachigen Raum unter besonderer Berücksichtigung der Attraktivität für weibliche Studierende“.
 
Über die ausgezeichnete Arbeit von

Anita Thaler
BERUFSZIEL TECHNIKERIN?
Der Faktor Geschlecht in den technischen Fachhochschul-Studiengängen
 

Geschlechtsspezifische Aspekte der Technik-Ausbildung sind zwar kein neues Forschungsthema, aber die Autorin diskutiert speziell den Bereich der Fach-hochschulen, die immer größere Relevanz im tertiären Ausbildungssektor ge-winnen. Anita Thaler greift damit einen bis dato hinsichtlich der Geschlechter-frage wenig fokussierten Bereich des tertiären Bildungssektors auf. Die Arbeit geht vom gegenwärtigen Forschungsstand aus und reflektiert ihn umfassend.  

Auf dieser Basis wird in nachvollziehbarer und sorgfältiger Weise das eigene Vorgehen innovativ entwickelt und begründet. Die Frage nach dem gleichen Zugang von Männern und Frauen zu gesellschaftlichen Ressourcen, Macht und Einfluss lenkt den Fokus auf die horizontale und vertikale Segregation des Arbeitsmarktes, die ein wesentlicher Grund der geschlechtsspezifischen Einkommensdifferenz ist. Anita Thalers Untersuchung dieser Segregation und die Ent-wicklung von Strategien, sie zu vermindern, ist in hohem Maß politikrelevant. In ihrer Arbeit verzichtet Anita Thaler bewusst auf geschlechtsspezifische Verglei-che, behandelt viel mehr das Ausmaß an weiblicher Beteiligung als Erfolgskrite-rium. Die Autorin behandelt ihr Thema aus mehreren relevanten Perspektiven und wendet die entsprechenden Methoden sinnvoll an.

Die Arbeit ist für den Jubiläumspreis hervorragend geeignet, thematisiert sie doch genau die Frage der Geschlechtergerechtigkeit in der technischen Hoch-schulbildung und in der Technik. Seit Abschluss dieser Forschungsarbeit wurde die Autorin mehrfach von österreichischen ArbeitnehmerInnenvertretungen und Fachhochschulen eingeladen, um über ihre Ergebnisse zu berichten, zu denen auch Vorschläge für die notwendigen Veränderung im Fachhochschulbereich, aber auch in Unternehmen zählen. Die ausgezeichnete Studie wurde bereits in der Reihe „Technik- und Wissenschaftsforschung“ des Profil Verlages 2006 veröffentlicht.

Die Erkenntnisse der inhaltlich und methodisch ausgezeichneten Arbeit sind in einem hohen Maße vor allem für das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung umsetzungsrelevant.