Gabriele Possanner-Staatspreisträgerin 2001

Ass.-Prof.in Dr.in Silvia Ulrich
Juristin, Graz

 

Ass.-Prof.in Dr.in Silvia Ulrich wurde 1957 in Radkersburg/Stmk. geboren, studierte ab 1977 Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz und promovierte 1984 zur Doktorin der Rechte. 1986 wurde sie Universitätsassistentin am Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre an der Universität Graz, wo sie seit 1997 Assistenzprofessorin ist.  

Entsprechend ihren Forschungsschwerpunkten hat sich Ass.-Prof.in Dr.in Ulrich rechtspolitisch in Fragen des Diskriminierungsschutzes und der Frauenförderung in Österreich (und auf internationaler Ebene) engagiert. Dies geschah zum einen durch rechtswissenschaftliche Begleitung von verfassungsrechtlichen Reformprozessen, legistische Vorarbeiten im Bereich der Gleichbehandlungsgesetzgebung auf Bundes- und Landesebene, juristische Beratung und Schulung von gesetzgebenden Körperschaften auf Bundes- und Landesebene sowie Frauenbeauftragten, zum anderen durch die Einführung und Etablierung genderspezifischer Lehrveranstaltungen an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz und die Betreuung genderspezifischer verfassungs- und verwaltungsrechtlicher Diplomarbeiten bzw. Dissertationen sowie eine umfangreiche Mitarbeit in verschiedenen Gremien und genderspezifische Projektbeteiligungen auf europäischer Ebene.  

Zu den herausragenden Leistungen der Preisträgerin Ass.-Prof.in Dr.in Silvia Ulrich zählen u.a.: die kritische Rechtsanalyse des ersten Entwurfes zum Bundes-Gleichbehandlungsgesetz für den Bundesdienst und rechtsgutachtliche Stellungnahmen; rechtswissenschaftliche Begleitung von verfassungsrechtlichen Reformprozessen; 1990–1993 die Mitarbeit an der Schaffung der neuen frauenpolitischen Rechtsschutz- und Interessenvertretungsinstitutionen der "Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen"; die Verankerung der ersten verfassungsrechtlichen Klarstellung, dass "vorübergehende Sondermaßnahmen zur Herbeiführung der De-facto-Gleichstellung der Geschlechter nicht dem Gleichheitsgrundsatz der Verfassung widersprechen"; genderspezifische Projektbeteiligungen auf europäischer Ebene (österreichische Expertin in der Positive Action Co-ordinating Group 1995 und 1996, eingerichtet von der Europäischen Kommission; Projekt "European Database on Good Practices in the Field of Positive Action Programmes and Initiatives" 1997–1998); 1998 Mitarbeit in der Arbeitsgruppe zur Erstellung des "Weißbuches zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft" und seit 2000 Mitarbeit in der ministerielle Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Weißbuches.  

Eine umfangreiche Publikations- und Vortragsliste zum Forschungsbereich Recht der Geschlechterbeziehungen sowie weitere fachspezifische Publikationen aus Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie einschlägige Gutachten und Gesetzesentwürfe zur Gleichbehandlung und Frauenförderung zeigen die wissenschaftliche Bandbreite der Preisträgerin.  

Ass.-Prof.in Dr.in Silvia Ulrich ist als brilliante Juristin und Feministin wesentlich an der juristischen Umsetzung sozialwissenschaftlicher und politischer Konzepte von Frauenförderung und Gleichbehandlung in Österreich beteiligt. Ihre Arbeit an der Schnittstelle von Rechtswissenschaft, Politik und Frauenforschung bzw. Gleichbehandlung ist stark praxisorientiert. Als angewandte Rechtswissenschafterin hat sie mit der Erarbeitung der zur Durchsetzung der Gleichbehandlung notwendigen juristischen Instrumentarien einen zentralen Beitrag zur Durchsetzung der Geschlechterdemokratie in Österreich geleistet.