Nachlese Science Talk "Was ist Sport?"

Sport ist in unserem Alltag heute präsenter denn je: Fernsehübertragungen von Sportveranstaltungen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und sind nicht zuletzt für die Werbewirtschaft von enormer Bedeutung. Aber auch immer mehr HobbysportlerInnen versuchen sich durch körperliche Betätigung fit und gesund zu halten. Dennoch finden vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten oft keinen Zugang zu den mitunter sehr kostspieligen Sportangeboten und leiden zunehmend unter Bewegungsmangel und den daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen, wie Übergewicht, Diabetes oder Herzproblemen. Der Sport hat aber auch durch die bekannt gewordenen Doping-Skandale seine Vorbildfunktion teilweise eingebüßt, indem mit ihm verbundene Ideale wie Fair Play immer mehr in den Hintergrund gerückt sind.

Am 24. Juni 2013 widmete der Science Talk des BMWF in der Aula der Wissenschaften diesem Themenkomplex. Unter der Moderation des Soziologen Otto Penz und reger Beteiligung des Publikums diskutierte eine Expertenrunde um Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle die Frage „Was ist Sport?“ aus philosophischer und praktischer Sicht.
Der Philosoph Gunter Gebauer konzentrierte sich dabei auf eine existenzielle Betrachtungsweise des Sports, wobei die Begriffe der „Selbstsorge“ und „Selbstfindung“ zentral sind. Für ihn gleicht die Karriere einer Spitzensportlerin oder eines Spitzensportlers einem Drama, das durch tragische Veränderungen wie Verletzungen und den symbolischen Tod durch das Ende einer Karriere gekennzeichnet ist. In Anlehnung an das Konzept des „homo ludens“ ist für ihn daher der Sport vor allem für die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung.

Der ehemalige Skispringer und nordische Sportdirektor des ÖSV Anton Innauer unterstrich diese These mit seinen persönlichen Erfahrungen unter seinem Trainer Baldur Preiml. Für ihn war in erster Linie die Erkenntnis prägend, einem Sieg nicht alles unterordnen zu müssen, sondern auch durch Fairness und Kreativität erfolgreich sein zu können. In dieser Hinsicht hat für Innauer der Sport vor allem die Bringschuld, ein Modell für eine auf Wettbewerb gegründete, aber dennoch soziale und faire Gesellschaft zu bieten. Er räumte aber auch ein, dass der Sport diese Vorbildfunktion nur durch eine große Kraftanstrengung tatsächlich einnehmen kann.

Bundesminister Karlheinz Töchterle bot schließlich einen kulturgeschichtlichen Überblick über die Bedeutung des Sports, bis hin zu aktuellen Forschungsschwerpunkten an den Universitäten: In der griechischen Antike war körperliche Ertüchtigung ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Erziehungsideals und diente dazu, die Mitglieder der Gesellschaft auf den Kriegseinsatz vorzubereiten. Durch die Entstehung der Demokratie im 5. Jahrhundert v. Chr. rückte allerdings die geistige Bildung in den Vordergrund. Darüber hinaus verkam der Sport, beispielsweise durch Wagenrennen, immer mehr zu einem Spektakel, das von antiken Philosophen und dem Christentum abgelehnt wurde und so im Mittelalter vor allem der Aristokratie vorbehalten blieb. Erst durch die Aufklärung konnte sich der Sport wieder zu einem Massenphänomen entwickeln.