Die Universitäten als Träger der Forschung

In ihrer Gesamtheit repräsentieren die Hochschulen die größte Forschungseinrichtung Österreichs. Im Jahr 2006 kamen den 21 Universitäten 65,4 Prozent der Mittel für F&E aus dem öffentlichen Sektor zugute. Weitere Forschungsmittel gewinnen Universitäten durch die vom Wissenschaftsfonds (FWF) finanzierten Projekte.  Zusätzlich fließen Drittmittel aus Aufträgen der öffentlichen Hand oder von Unternehmen an die Universitäten. Die Universitäten erreichen auch einen hohen Anteil an den österreichischen Beteiligungen an den EU-Forschungs-Rahmenprogrammen. Im derzeitigen 7. Rahmenprogramm konnten die Universitäten 40,2 Prozent (Datenstand Mai/2009) der auf Österreich entfallenen EU-Förderungen lukrieren.
 
Die Universitäten erfüllen für die Forschung in Österreich eine doppelte Funktion: Zum einen bilden sie das Rückgrat der Grundlagenforschung. Die jüngste Erhebung der Statistik Austria über Forschung und experimentelle Entwicklung aus dem Jahr 2006 rechnet 17,2 Prozent aller F&E-Ausgaben in Österreich der Grundlagenforschung zu. Diese wird wiederum laut Statistik von 70,1 Prozent vom Hochschulsektor getragen. Freilich überschreitet die Universitätsforschung in zunehmendem Maß die definitorischen Grenzen von Grundlagenforschung und ist bei Kooperationen mit und Aufträgen aus der Wirtschaft auch oft produktorientiert. Zum anderen sind die Universitäten auch die hauptverantwortlichen Träger der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
 
Die Stärkung der Position der Universitäten ist in der forschungsstrategischen Ausrichtung des BMBWF daher von zentraler Bedeutung. So flossen bisher auch mehr als ein Drittel der dem Ministerium aus den im Rahmen der Technologieoffensive gewidmeten Mittel in den Ausbau der universitären Infrastruktur. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch der Wissenschaftsfonds (FWF). 87 Prozent seiner Mittel werden von universitären Forscher/innen vor allem für Grundlagenforschung eingeworben und ermöglichen den Aufbau von neuen Forschungsfeldern. Die Empfehlung des Rats für Forschung und Technologieentwicklung in seiner Strategie 2010, die Dotation des FWF mit jährlichen Wachstumsraten von sieben bis neun Prozent wachsen zu lassen, unterstreicht seine Bedeutung. Insbesondere wird in der Ratsempfehlung ausdrücklich die Ausdehnung der FWF-Förderung auch auf die Universitätsinfrastruktur angesprochen.
 
Mit dem Universitätsgesetz UG 2002 wurden die Universitäten einer tief greifenden Reform unterzogen mit den Zielen höherer Qualität, inhaltlicher Fokussierung und weitgehender Selbstständigkeit: Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes Anfang 2004 sind nun alle Universitäten vollrechtsfähig und gestalten in Autonomie ihre zukünftige Positionierung in Forschung und Lehre. Ein mehrjähriges Globalbudget und Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Universitäten bilden die Instrumente zur Steuerung ihrer Qualitätsentwicklung in Forschung und Lehre. Universitätsstudien beruhen gemäß Universitätsgesetz 2002 § 1 und § 2,2 auf der Verbindung von Forschung und Lehre. Analog gilt dies für FH-Studienangebote, da diese gemäß § 3 FHStG auf Hochschulniveau zu gestalten sind. Die Fachhochschulen sind gemäß FHStG aufgefordert, an Forschungsaufgaben mitzuwirken. Einige größere Fachhochschulen sind bereits im Bereich der kooperativen Forschung erfolgreich tätig.

Informationen zum „Universitätsrechts-Änderungsgesetz 2009“, das mit 1. Oktober 2009 Inkraft getreten ist.
 
Förderung der Forschungsinfrastruktur an Universitäten
Seit mehreren Jahren wird die Entwicklung der universitären Infrastruktur durch spezielle Ausschreibungen zur Förderung der Schwerpunktbildung und Profilentwicklung aus Offensivmitteln unterstützt und zwar sowohl mit Programmen zur Förderung der universitären Infrastruktur wie auch zur Personalentwicklung durch Vorziehprofessuren. Für die Jahre 2007/08 wurden beide Programmlinien Infrastrukturprogramm und Vorziehprofessuren gemeinsam ausgeschrieben. Bei der professionellen Verwertung wissenschaftlicher Ergebnisse bringt uni:invent Patentierungsknow-how ein.

Neben der Förderung von Infrastruktur unterstützt der FWF im Auftrag des BMBWF schwerpunktmäßig den Aufbau von Exzellenz und die Entwicklung von Humanressourcen.