Wissenstransferzentren und IPR-Verwertung

Hintergrund

Die Bedeutung des Wissens- und Technologietransfers sowie eine stärkere Nutzung der wissenschaftlichen Forschungsbasis werden in der EU-Strategie „Europa 2020“ und im Nationalen Reformprogramm Österreichs zur Umsetzung der Europastrategie ebenso betont wie in der FTI-Strategie der Bundesregierung.
Diese hat sich zum Ziel gesetzt, Österreich in die Gruppe der Innovation Leader zu führen. Um dieses Ziel zu erreichen sind in der FTI-Strategie vielfältige Maßnahmen definiert, wie beispielsweise

  • die Kooperationsintensität von Unternehmen mit der Wissenschaft zu erhöhen, 
  • wissensintensive, technologiebasierte Unternehmensgründungen zu forcieren, 
  • die Stärkung von Entrepreneurship an und aus Universitäten heraus.

Förderprogramm „Wissenstransferzentren und IPR-Verwertung“ des BMBWF

Zur Stärkung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft und des Unternehmertums an österreichischen Universitäten hat das BMBWF das Programm "Wissenstransferzentren und IPR Verwertung" gestartet, welches mit einem Fördervolumen von rund € 20 Mio. Grundlagenforschung, anwendungsorientierte Forschung und Wirtschaft noch näher zusammenbringt. Die Austria Wirtschaftsservice GesmbH (aws) ist mit der Abwicklung dieses Programms beauftragt.

Mit der Schaffung von drei regionalen Wissenstransferzentren (Ost, Süd und West) sowie einem thematischen Wissenstransferzentrum im Life Sciences-Bereich an österreichischen Universitäten sollen attraktive Anreize für Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen gesetzt werden, um den Wissenstransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft und Gesellschaft weiter zu intensivieren. Verstärkte Kooperation und Koordination sowie eine abgestimmte Profil- und Schwerpunktsetzung in den Wissenstransferzentren sollen optimale Voraussetzungen für einen effizienten und erfolgreichen Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft schaffen und einschlägige Netzwerke weiter ausbauen. Ein spezieller Förderschwerpunkt wurde bei Kooperationsprojekten im Bereich Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) gesetzt. Am Programm nehmen alle österreichischen öffentlichen Universitäten teil.

Programmziele
Mit dem Förderprogramm, welches sich in drei Module gliedert, will das BMBWF die Zusammenarbeit von Universitäten untereinander sowie mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen weiter verbessern (Modul 1), die strategische Patentförderung stärken (Modul 2) und durch die Prototypenförderung (Modul 3) die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die wirtschaftliche Praxis erleichtern und somit die Verwertung von universitären Erfindungen beschleunigen.

Im Falle einer positiven Evaluierung des Programms ist geplant, wesentliche Programmteile in die Leistungsvereinbarungen 2019-2021 zu übernehmen.

Modul 1: Wissentransferzentren

Im Rahmen von Modul 1 sind Technologietransferkoordinator/innen an den Universitäten etabliert, die als Ansprechstelle für Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie für Unternehmen dienen. Sie sollen einen Überblick über alle laufenden Forschungsvorhaben geben und diese auf ihr Verwertungspotenzial untersuchen.

Durch einschlägige interuniversitäre Kooperationsprojekte soll der Umgang mit geistigem Eigentum weiter professionalisiert und die Verwertungschancen erhöht werden. Wirtschaft und Industrie erhalten dadurch einen besseren und schnelleren Zugang zu Forschungsergebnissen, wodurch diese effizienter umgesetzt werden können.

Den Universitäten ist es im Rahmen der Wissenstransferzentren auch möglich, geförderte Kooperationsprojekte mit außeruniversitären Einrichtungen - wie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), den Fachhochschulen, dem IST Austria, der Christian Doppler Gesellschaft (CDG), den AplusB-Zentren, den Bundesmuseen sowie den speziellen Einrichtungen mit Forschungsschwerpunkt Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) und Kunst - einzugehen. Die genannten Einrichtungen sind im Falle der Kooperation mit den Universitäten förderberechtigt.

Modul 1a: Regionale Wissenstransferzentren

Den zentralen Eckpunkten des österreichischen Hochschulplans folgend gibt es drei regionale Wissenstransferzentren (Ost, Süd und West), die von den Universitäten auf Basis von Konsortialverträgen gegründet wurden. Der spezielle Förderschwerpunkt für Kooperationsprojekte im Bereich Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) und Kunst soll einmal mehr die große Bedeutung der GSK für den Wissenstransfer in und für die Gesellschaft unterstreichen.

Start: August 2014 
Fördervolumen:  
€ 500.000,-- pro Zentrum pro Jahr, 
€ 150.000,-- zusätzlich pro Zentrum pro Jahr für GSK und Kunst

Regionales Wissenstransferzentrum West
Konsortialkoordinator: Universität Innsbruck
Konsortialpartner: Medizinische Universität Innsbruck, Universität Salzburg, Mozarteum Salzburg, Universität Linz, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz

Regionales Wissenstransferzentrum Süd
Konsortialkoordinator: Technische Universität Graz
Konsortialpartner: Montanuniversität Leoben, Medizinische Universität Graz, Universität Graz, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Universität Klagenfurt

Regionales Wissenstransferzentrum Ost
Konsortialkoordinator: Medizinische Universität Wien
Konsortialpartner: Technische Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, Veterinärmedizinische Wien, Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien, Akademie der bildenden Künste Wien, Universität für angewandte Kunst Wien

Insgesamt wurden in der nunmehr 3. Ausschreibungsrunde 16 Kooperationsprojekte von einer internationalen Bewertungskommission zur Förderung empfohlen und vom BMBWF genehmigt.

Projektbeispiele:

Physical Science (Wissenstransferzentrum West)

  • Konzeption und Implementation eines Instrumentariums, welches den drei Standorten des Zentrums den professionellen Transfer ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Innovationen unter besonderer Berücksichtigung der Spezifika im Bereich Physical Science ermöglicht
  • Planung und Umsetzung von sogenannten Innovationslabors/Living Labs, damit Erfindungen schneller ihren Weg in Wirtschaft und Gesellschaft finden:
    Wissenschafter/innen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen wie Technik, Kunst und Wirtschaft werden zusammengeführt, damit neue Anwendungsfelder  identifiziert und kreative Wege gefunden werden, universitäres Know-how verstärkt zu verwerten (z.B. durch die Präsentation von Prototypen oder durch Innovations- und Kreativitätsworkshops).

Maßnahmen im Bereich Entwicklung und Erschließung der Künste/Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften (Wissenstransferzentrum Süd)

  • Transdisziplinäres Kompetenznetzwerk Lebensende: Aufbau eines Forschungs- und Kompetenznetzwerks zum Thema „Lebensende“, um zu gemeinsamen Fragestellungen Forschung zu initiieren; Schaffung einer österreichischen Plattform zum Thema Lebensende.
  • Verwertungsaktivitäten von „GSK und Kunst“-Forschungsergebnissen

IP meets IT (Wissenstransferzentrum Ost)

  • Anschaffung einer möglichst einheitlichen IT-Ausstattung der Technology-Transfer-Officers (IP- Management -und Recherche Software) 
  • Umfassende und zielgerichtete Schulungen der IP-Manager/innen
  • Fortlaufende Pflege der angeschafften Software

Modul 1b: Thematisches Wissenstransferzentrum

Das thematische Wissenstransferzentrum für Life Sciences soll ein österreichweit vollständiges Infrastruktur- und Kompetenznetzwerk für die Medikamentenentwicklung aufbauen, um die Wertschöpfungskette im Bereich der frühen präklinischen Wirkstoff- und Diagnostikaentwicklung umfassend abzudecken und gemäß internationalen Qualitätsstandards durchzuführen. Es soll für alle Fragen rund um klinische Tests als zentrale Anlaufstelle für Forschungseinrichtungen und junge Unternehmen dienen, um gute Rahmenbedingungen für den Übergang von der akademischen Forschung in die Wirkstoff- und Diagnostika-Entwicklung zu schaffen. Es stellt zum Beispiel koordinierte Informationen über freie Kapazitäten von verfügbaren Labors zur Verfügung. Gerade in diesem Bereich verbessert jede Zeitersparnis die Chance auf die Verwertung.

Start: August 2014  
Fördervolumen:€ 500.000,-- pro Jahr

Projektbeispiele:

IP-Scouting und Verwertung 

  • Erarbeitung von Strategien für Screening und Scouting erfolgversprechender Entwicklungsprojekte
  • Etablierung eines Anreiz-Systems für Forscher/innen
  • Definition einheitlicher Kriterien zur wissenschaftlichen, schutzrechtlichen und kommerziellen Bewertung von Entwicklungsprojekten

Entwicklung Biologika 

  • Erfassung der in Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen vorhandenen Infrastruktur
  • Positionierung im internationalen Umfeld auf Basis von Best-Practice-Beispielen
  • Definition von Entwicklungsprozessen nach Industriestandards
  • Definition rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen sowie Qualitätskriterien für Entwicklungsprojekte

Modul 2: Patentförderung

Eine zusätzliche Patentförderung soll den Universitäten weitere Anreize bieten, speziell jene Patente strategisch weiterzuentwickeln, welche ein hohes Verwertungspotenzial aufweisen bzw. eine erfolgreiche wirtschaftliche Nutzung erwarten lassen. Gefördert werden Maßnahmen zur Erlangung von gewerblichen Schutzrechten im Zusammenhang mit Prioritäts- und Patentfolgeanmeldungen (Kosten zur Erlangung des Schutzrechts, nationale und internationale Anmeldegebühren, etc.).

Start: Dezember 2013 
Fördervolumen: € 1.000.000,-- pro Jahr

Modul 3: Neue Prototypenförderung

Durch dieses Modul werden im Rahmen eines Wettbewerbs neue patentierte bzw. patentfähige Einreichungen aus der Grundlagenforschung an den Universitäten bzw. in Kooperation mit definierten Forschungseinrichtungen von einer Fachjury ausgewählt. Die Projekte mit den besten Verwertungschancen werden mit einer Förderung unterstützt, um aus der Erfindung einen Prototyp zu erstellen. Voraussetzung ist ein Bedarf bei Klein- und Mittelbetrieben.

Start: Dezember 2013
Fördervolumen: € 1.000.000,-- pro Jahr

Projektbeispiele:

  • Bei einem Kooperationsprojekt entwickelt die TU Wien gemeinsam mit der Donau Universität Krems einen neuartigen Sensor im Bereich der Physik und Nanotechnologie
  • Positive Auswirkungen im Life Science Bereich werden durch eine verbesserte Leistung eines Mikroskopiesystems erwartet
  • Mittels einer neuen chemischen Methode werden Gasgemische und Biogase für neue Anwendungsbereiche wie z.B. als Biosprit besser und effizienter aufbereitet
  • Verbesserungen in der Bautechnologie werden durch neue Eigenschaften im Turmbau erwartet

Kontakt BMBWF:
 
Module 1a+2:
Abteilung V/1, Mag. Daniela Kopriva-Urbas: daniela.kopriva-urbas@bmbwf.gv.at

Module 1a+3:
Abteilung C1/11, Mag. Sabine Matzinger: post.c111@bmbwf.gv.at

Modul 1b:
Abteilung C1/9, post.c19@bmbwf.gv.at