Berufliche Anerkennung nach EU-Recht

Die Anerkennung zu beruflichen Zwecken (meist kurz als „berufliche Anerken-nung“ bezeichnet) ist die Einräumung der Berechtigung, aufgrund ausländischer Qualifikationen zu bestimmten beruflichen Tätigkeiten zugelassen zu werden. In der Regel stellt sich die Frage nur für die so genannten „reglementierten“ Tätigkeiten, das sind solche, für welche die Zulassung aufgrund von Rechtsvor-schriften vom Besitz eines Hochschuldiploms abhängt (klassische Beispiele: Ärztinnen und Ärzte, Beamtinnen und Beamte, Lehrerinnen und Lehrer, Wirtschaftstreuhänderinnen und Wirtschafts-treuhänder, Zivilingenieurinnen und Zivilingenieure, viele Gewerbe). Die erforderlichen Qualifikationen liegen dabei, je nach Beruf und anzuwendender Rechtsvorschrift, auf verschiedenen Ausbildungsniveaus.

Diesen reglementierten Tätigkeiten im eigentlichen Sinn stehen jene sehr nahe, die zwar im Rahmen privatrechtlicher Vereinbarungen und nicht durch eine Rechtsvorschrift geregelt werden, bei denen aber die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber ein Zulassungs- und Gehaltsschema verwendet, das denen des reglementierten Bereiches ähnlich ist; meist ist dies in großen Firmen der Fall, bei denen die völlig individuelle Gestaltung von Arbeitsverträgen praktisch nicht machbar ist.

Es ist Sache jedes Staates – in Österreich können dies der Bund oder die Länder, je nach Zuständigkeit für bestimmte Berufe, sein –, die jeweiligen reglementierten Tätigkeiten und die Zulassung zu ihnen festzulegen. Die Besonderheit für die EU- und EWR-Staaten sowie die Schweiz besteht jedoch darin, dass diese Staaten für die Zulassung zu solchen reglementierten Tätigkeiten die Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Mitgliedstaaten anerkennen müssen, sofern sie im Herkunftsstaat bereits ein entsprechendes Berufsrecht besitzen. Das erfolgt aufgrund der Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, 2005/36/EG. Vorher galten verschiedene sektorielle Richtlinien für bestimmte Berufe – in der Entstehungsgeschichte waren das die ersten Harmonisierungsinstrumente der EU im Berufsbereich – und eine allgemeine (horizontale) Richtlinie aus 1989.

Die Hauptmerkmale für das „akademische“ Niveau eines Diploms sind z.B. der Abschluss eines mindestens dreijährigen Hochschulstudiums auf Vollzeitbasis, der Abschluss allfällig vorgeschriebener weiterer Berufsausbildungen (z.B. in Österreich das Unterrichtspraktikum für Lehrerinnen und Lehrer oder die postpromotionelle Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte) und das Bestehen eines unmittelbaren Berufsrechtes für eine entsprechende Tätigkeit im Herkunftsstaat.