Von Bergen 2005 bis London 2007

Im ersten Halbjahr 2006 hatte Österreich im Rahmen der
Opens external link in new windowEU-Ratspräsidentschaft mit Unterstützung des britischen Sekretariats den Vorsitz im Bologna Board und in der Europäischen Bologna Follow-Up Gruppe inne.  

Die Herausforderungen waren groß: Nach einer vorbereitenden Sitzung des Boards im Jänner 2006 in Wien wurden beim Treffen der Europäischen Bologna Follow-up Gruppe im April 2006 ebenfalls in Wien die Themen Lebenslanges Lernen und joint study-Programme als neue Bereiche neben jenen der Studienstruktur, der Qualitätssicherung und der Anerkennung der Studienabschlüsse und -abschnitte in die Bestandsaufnahme aufgenommen.
 
Der Vorschlag der Arbeitsgruppe "Qualifikationsrahmen", vier regionale workshops zum Thema "National Qualification Frameworks" zu veranstalten, wurde angenommen und im Juni und Herbst 2006 durchgeführt.
 
Für die Analyse der "Mitnahme von Studienförderungen und Stipendien" wurde ebenfalls eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die bereits bestehenden Arbeitsgruppen "Bestandsaufnahme", "Qualifikationsrahmen", "Externe Dimension" und "Soziale Dimension" berichteten über den jeweiligen Stand der Diskussion. Die Arbeitsgruppe für das "London Kommunikee" ist beim Treffen im Herbst 2006 in Helsinki eingesetzt worden.

Im Bereich der Entwicklung der europäischen Doktoratsprogramme konnte Österreich abermals einen wichtigen Beitrag leisten:
 
Gemeinsam mit der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission und der European University Association EUA hat das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Juni 2006 die vielbeachtete Konferenz A researchers' labour market: Europe - a pole of attraction? veranstaltet. Auch im darauffolgenden Follow-up bis hin zum "Doctoral Programmes Follow-up"-Seminar im Dezember 2006 in Nizza beteiligte sich Österreich unter Einbringung seiner Expertise maßgeblich.

Generell ging es um die Einführung eines PhD-ähnlichen Doktorats mit längerer Dauer (mindestens drei Jahre) und höherer Qualität als zuvor. Österreich entsprach dieser Entwicklung durch eine Novelle des Universitätsgesetzes 2002 (Juni 2006). Die darauf folgenden Initiativen der österreichischen Universitäten zur Weiterentwicklung der Doktoratsprogramme gehen aus dem im September 2006 veröffentlichten Bericht über die Nachwuchsförderung und die Entwicklung der Personalstruktur der Universitäten hervor. Zu dieser Zeit boten bereits acht  österreichische Universitäten PhD-Programme an (Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien, Veterinärmedizinische Universität Wien, Medizinische Universität Wien, Medizinische Universität Graz, Medizinische Universität Innsbruck und Universität für Musik und darstellende Kunst Wien).

Bereits vor der Board-Sitzung im Jänner 2006 wurde gemeinsam mit dem Europarat für die neuen Teilnehmerstaaten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine sowie für Albanien ein Informationsseminar, zu dem einerseits namhafte Expert/inn/en, andererseits Vertreter/innen aus den neuen "Bologna-Ländern" eingeladen waren, durchgeführt. Auf der Tagesordnung stand neben allgemeiner Information über den Bologna Prozess das Arbeitsprogramm 2005 - 07, die Implementierung der Bologna-Ziele und in diesem Kontext die Aufgaben der jeweiligen Ländervertreter/innen in den nationalen und internationalen Bologna-Gremien.

Im Juni 2006 trafen sich die Mitglieder des Board abermals in Wien, um die Vorbereitungen für die Übergabe des Vorsitzes an die nächste EU – Ratspräsidentschaft Finnland in die Wege zu leiten.
 
Unter finnischer Rats-Präsidentschaft fand in Helsinki Anfang September 2006 eine Board-Sitzung und Mitte Oktober 06 eine Sitzung der europäischen Bologna Follow-up Gruppe statt.
 
Hier ging es bereits um die Vorbereitung zur fünften Minister/innen/konferenz am 16. - 18. Mai 2007 in London. Ziel war, acht Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung den Stand der Umsetzung des Bologna Prozesses in den einzelnen Ländern und auf gesamteuropäischer Ebene aufzuzeigen und weitere Schritte zur Umsetzung des Europäischen Hochschulraumes in Hinblick auf 2010 festzulegen sowie erste Weichen für die Zeit nach 2010 zu stellen .
 
Im Vorfeld der Konferenz formulierten die teilnehmenden Organisationen entsprechende Beiträge (hier werden nur einige wenige angeführt, die Veröffentlichung aller Konferenzunterlagen erfolgt über die weiter unten angeführte website zur London-Konferenz):

Darüber hinaus erschien auch in gewohnter Weise die EUA – Studie Trends V: Universities shaping the European Higher Education Higher Education Area, eine Analyse des Standes der Umsetzung der Bologna-Ziele in den teilnehmenden Ländern.

5. Bologna - Minister/innen-Konferenz, London, 17. – 18. Mai 2007

Zu Beginn der Konferenz wurde die Aufnahme von Montenegro, das bereits als Teil von Serbien-Montenegro Mitglied war und seit der letzten Konferenz in Bergen unabhängig geworden ist, beschlossen. Insgesamt beteiligten sich somit 46 Länder am Bologna Prozess.

Im Bologna Stocktaking Report 2007, dem anlässlich dieser Konferenz erstellten Bericht über den Stand der Umsetzung der Bologna-Ziele auf europäischer Ebene und in den einzelnen Mitgliedsländern, wurden vor allem die drei prioritären Bologna-Ziele Qualitätssicherung, die zweigliedrige Studienstruktur und Anerkennungsfragen bewertet. Österreich lag hierbei im Spitzenfeld. Durch die Umsetzung der Standards und Richtlinien im Bereich der Qualitätssicherung und die Einbeziehung internationaler Expert/inn/en und Studierender in Qualitätssicherungsmaßnahmen konnte Österreich in diesem Bereich in die Spitzengruppe vorstoßen. Im Bereich der Studienarchitektur zeigten die damals aktuellen Zahlen, dass bereits 42 Prozent der Studienprogramme an Universitäten und 77 Prozent der Fachhochschul-Studiengänge bis zum Wintersemester 2006 in zweistufige Bachelor-/Master-Studien umgewandelt waren. Insgesamt wurden 2006 211 Bachelor- und 278 Master-Studien an den Universitäten sowie 115 Bachlor und 33 Master-Studienprogramme im Fachhochschulbereich angeboten. Im Bereich der Anerkennungs- und Akkreditierungsfragen lag der Umsetzungsgrad in Österreich laut Stocktaking Report 2007 bereits bei 100 Prozent.

Hauptthema der London-Konferenz war die Diskussion und der Beschluss des London-Kommikees
 
Als Schwerpunkte für die folgenden beiden Jahre wurden neben der weiteren Umsetzung der bereits vereinbarten Ziele im Bereich der Studienarchitektur, der Qualitätssicherung und der Anerkennung die Beschäftigungsfähigkeit und die Relevanz der Abschlüsse für den Arbeitsmarkt, die weitere Verstärkung der sozialen Dimension durch die Erarbeitung nationaler Strategien, die Nutzung von Synergieeffekten zwischen dem Europäischen Hochschul- und dem Europäischen Forschungsraum durch die Umsetzung der europäischen Kriterien in der Doktoratsausbildung sowie die internationale Zusammenarbeit, die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit Europas als Wissenschaftsstandort festgelegt. Die Konferenz betonte neuerlich auch die Bedeutung der partnerschaftlichen aktiven Teilnahme autonomer Hochschuleinrichtungen und der Studierenden am Prozess.

Im Bereich der Qualitätssicherung wurde die Einrichtung eines Europäischen Registers für Qualitätssicherungs- und Akkreditierungsagenturen beschlossen. 
In sechs parallelen Diskussionsforen konnten sich alle Delegationsmitglieder über die Eckpunkte des künftigen Europäischen Hochschulraumes austauschen. Es bestand Einigkeit darüber, dass dieser Hochschulraum – unter Wahrung des reichhaltigen kulturellen Erbes und der sprachlichen Vielfalt – von autonomen strategisch geleiteten und in eine Qualitätskultur eingebetteten Hochschuleinrichtungen geprägt sein wird, deren attraktives, nachhaltiges für einen breiten europäischen Arbeitsmarkt bestausbildendes und qualifizierendes Angebot Innovation und Kreativität fördert.
 
Der Hochschulraum werde weiters durch einen gerechten Hochschulzugang, eine starke soziale Dimension, eine Steigerung der Mobilität von Studierenden und Lehrenden, die bessere Nutzung von  Synergieeffekten zwischen Forschung und Hochschulbildung und einen stärkeren Dialog und Wissenstransfer zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft gekennzeichnet sein. Die internationale Kooperation werde sich zwischen partnerschaftlicher Zusammenarbeit und Wettbewerb bewegen.

Zum Abschluss der fünften Bologna Minister/innen/konferenz luden die Benelux-Staaten zur nächsten Konferenz 2009 nach Leuven/Louvain-la-Neuve, Belgien ein.