Astrid HAINZL, MSc

Zur Person
Nach dem Bachelorstudium (2008–2012) an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Spezialisierungen in Entrepreneurship & Innovation und International Business besuchte Astrid Hainzl 2012 die Internationale Sommeruniversität in Montenegro und absolvierte anschließend das Masterstudium (2012–2015) an der Wirtschafts-universität Wien (Schwerpunkt Change Management und Gender- und Diversitäts-management).

2013–2015 war sie wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im EU-geförderten PROGRESS Projekt am Institut für Gender und Diversität in Organisationen an der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema Frauen in Aufsichtsratspositionen.
Seit 2015 ist sie Universitätsassistentin

Zur ausgezeichneten Arbeit: "Die Reproduktion des männlichen Aufsichtsrates - Homosoziale Praktiken in der Evaluierung von Kandidatinnen und Kandidaten."

Astrid Hainzl greift das Thema der Unterrepräsentanz von Frauen in österreichischen Führungsgremien innovativ auf. Durch ihre Arbeit sind wesentliche Vorarbeiten für weitere Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge von Geschlechter-verhältnissen und Arbeitsprozessen geleistet. So fügt sich die Arbeit vorzüglich in die stetigen Bemühungen um mehr wissenschaftlich fundiertes Wissen zur Reduktion von vertikaler Geschlechtersegregation ein.

Astrid Hainzls Studie an der Schnittstelle von Wirtschaft und Gesellschaft beleuchtet das Faktum, dass trotz der öffentlichen Diskussion über den geringen Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der österreichischen Gesellschaften eben dieser Anteil nur in geringem Maß steigt. Astrid Hainzl legt dabei den Fokus auf die Evaluierung von Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei geht es aber nicht, wie von vielen bisherigen Studien forciert, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten. Es wird vielmehr aufgezeigt, welche weitgehend unreflektierten und unbewusst stattfindenden homosozialen Praktiken zur Bevorzugung von Männern führen.

Auf der Grundlage einer qualitativ explorativen Studie mittels einer Reihe von Interviews mit ausgewählten Experten und Expertinnen, Aufsichtsratsmitgliedern und Vorständen sowie Personalberater/innen, die mit der Besetzung befasst sind, werden typische Charakteristika der Auswahl herausgearbeitet. Dabei zeigt sich ein Verhaltensmuster, das Männer bevorzugt, weil Vertrauen in typischen Männerrunden und Männernetzwerken gebildet wird (im homosozialen Kontext) und dieses Vertrauen ausschlaggebendes Moment für die Besetzung der Gremien ist. Weder die fachliche Qualifikation noch die Notwendigkeit der unterschiedlichen Besetzung der einzelnen Positionen können dieses Kriterium schlagen. Die Arbeit zeigt, dass der Leim der persönlichen Bekanntschaft der maßgebliche Schlüssel für die Besetzung ist. Astrid Hainzls Masterarbeit zeichnet sich besonders durch ihre Aktualität aus.

Das Thema der Aufsichtsratsbesetzung und -zusammensetzung ist nicht nur medial, sondern auch politisch viel diskutiert. Derzeit ist ein Entwurf für eine EU-weite Vereinheitlichung der Auswahlbestimmungen in Ausarbeitung. In diesem wird verankert, dass die Auswahl nicht „unsachlich“ sein darf. Wissenschaftlich fundierte Argumentationen, wie sie mit Hainzls Arbeit vorliegen, sind nicht zuletzt aus diesen Gründen für die politik-vorbereitende Arbeit hilfreich.