Mag. Dr. Elisabeth Günther

Elisabeth Anna Günther absolvierte von 1998 bis 2008 das Diplomstudium in Soziologie und eine Fächerkombination aus Politikwissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Wien, wobei sie 2001 bis 2002 an der Universität Rotterdam (Erasmus-Aufenthalt) und an der internationalen Sommeruniversität in Priština studierte. Ihr Doktoratsstudium in Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau folgte 2011 bis 2016 an der Technischen Universität Wien mit dem Schwerpunkt in Organisationsforschung.

Überdies war sie von Mai 2008 bis März 2012 Assistentin der Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies, Technische Universität Wien. Im November 2010 startete Günther als (wissenschaftliche) Projektassistentin am Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität Wien, wo sie von März 2012 bis Februar 2016 auch als Universitätsassistentin mit dem Schwerpunkt Arbeitswissenschaft und Organisation tätig war. Dabei war sie in der Lehre tätig, betreute Bachelorarbeiten im Bereich Organisation & Personal und forschte zum Themenkomplex „Intersektionelle Einstiegsbarrieren in Technik und Naturwissen-schaften.“ Von März bis August 2016 war sie Lehrbeauftragte an der Paris Lodron Universität Salzburg und von Oktober 2016 bis März 2017 Lehrbeauftragte an der Alpen Adria Universität Klagenfurt. Seit September 2017 ist Günther Research Fellow an der Cranfield University, School of Management, wobei sie an der Konstruktion des Gender Diversity Index mitarbeitet und den Einfluss von Gender Diversity auf die Arbeit von Forschungsteams im Rahmen eines Horizon 2020 Projekts (GEDII) untersucht.

Elisabeth Anna Günther wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: 2013 bekam sie den Johanna Dohnal Förderpreis für die Dissertation “The ideal Student”, 2014 den Best Paper Award: Stream 15 (Academic Cultures beyond Privilege and Discrimination) und 2016 bekam sie den Dissertationspreis des Vereins zur Förderung der betriebswissenschaftlichen Forschung und Ausbildung für die beste Dissertation in Industrial Engineering.

Elisabeth Anna Günther ist Mitglied in folgenden Fachverbänden: British Academy of Management, International Sociology Association, Research Committee for Women in Society RC32, Sektion Feministische Theorie und Geschlechterforschung in der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Österreichische Gesellschaft für Geschlechterforschung.

“The ideal student. Intersectional interference in the social practice of teaching STEM at university.”

Elisabeth Anna Günther setzt sich in ihrer Dissertation mit der Fragestellung welchen Einfluss Lehrende in ihrer Rolle als Gatekeeper im akademischen Feld  auf (soziale) Ein- und Ausschließungsprozesse für Studierende haben, auseinander. Sie befasst sich dadurch mit einem bisher vernachlässigten Aspekt und leistet hier wichtige Pionier/innenarbeit in der Geschlechterforschung in einem Bereich, der sowohl gesellschafts- als auch universitätspolitisch gesehen von hoher Relevanz ist.

In ihrer Dissertation zeigt Elisabeth Anna Günther unter anderem auf, dass Lehrende Vorstellungen vom „idealen Wissenschaftler“ auf den „idealen Studenten“ und somit eine männliche Norm auf die Studierenden übertragen. Dies ist mit ein Grund für die schlechteren Chancen von Minderheitsangehörigen und Frauen im MINT-Bereich. Elisabeth Anna Günther über ihre Motivation, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen: „Ein fairer Zugang zu Bildung ist wesentlich für eine gerechte, soziale und prosperierende Gesellschaft. Dabei spielen nicht nur die persönlichen Umstände und Fähigkeiten eine Rolle, sondern auch die Lernumgebungen, die von Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Die Rolle von Universitäten und Lehrenden wurde zuvor kaum untersucht. Daher habe ich diese Forschungslücke mit meiner Dissertation adressiert.“

Mit der Beantwortung der Forschungsfragen leistet Günther einen immens wichtigen Beitrag für die Verbesserung marginalisierter sozialer Gruppen in unserer Gesellschaft und liefert zugleich der Wissenschaftsverwaltung Anregungen zur Verbesserung der Situation hinsichtlich der sozialen Dimension in universitären Strukturen und Prozessen im Bereich der Lehre. Die Geschlechterforscherin legt in dieser Dissertation ihren Finger auf einen wunden Punkt in diesem Bereich, gleichzeitig eröffnet sie eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Lösung der vielschichtigen Probleme die mit „Retention-Management“ und „Diversitäts-Management“ an Universitäten verbunden sind.

Die transdisziplinäre Dissertation trägt zur Bearbeitung wesentlicher Fragen der Geschlechterforschung auf gesellschaftlicher und disziplinärer Ebene bei. Zur Disziplin Wirtschaftsingenieurwesen hat die Dissertation nicht nur Intersektionalität als Forschungsperspektive eingeführt, sondern auch fachintern Diskussionen mitangestoßen. Aufgrund der Pionier/innenarbeit, der methodischen Exzellenz und der hohen Relevanz des Themas schlug die Jury die Dissertation für den Förderungspreis vor.

Die nächsten wissenschaftlichen Ziele von Elisabeth Anna Günther: „Ich möchte weiter den Nexus von Geschlecht, Diversität, Technik und Organisation beforschen und lehren. Ein Thema, dem ich mich in naher Zukunft mehr widmen möchte, ist das Zusammenspiel von Big Data und Menschen. Aufbauend auf meine Dissertation möchte ich zudem noch genauer ausarbeiten, wie ein inklusiveres Klima innerhalb einer Organisation hergestellt werden kann.“