Univ.-Prof. i.R. Mag. Dr. Gudrun Biffl

Gudrun Biffl studierte in den Jahren 1967 bis 1972 an der Hochschule für Welthandel Handelswissenschaften, wobei sie 1971 mit einem Sommerstipendium an der Universität Sevilla ein Diplom in Spanisch erhielt. In Folge war sie Scholarin in der Studienrichtung Ökonomie am IHS (Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung) und 1973 bis 1975 absolvierte Gudrun Biffl an der Universität Newcastle upon Tyne ihr Doktoratsstudium (Ph. D. in Economics). Im Jahr 1993 habilitierte sie an der Wirtschaftsuniversität Wien.  

Besonders hervorzuheben ist Biffls hohe Forschungsaktivität, die ein breites Themenspektrum abdeckt – angefangen von Gleichstellungs- über Minderheiten- bis hin zu Globalisierungsfragen. Ihre Arbeit als Wissenschafterin startete Gudrun Biffl im Jahr 1975 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung in Wien, für das sie bis 2009 tätig war. Biffl war nicht nur mit ihren Forschungsaufenthalten u.a. in Washington D.C., in London und in Perth international orientiert, auch war sie als Konsulentin der OECD in Migrationsfragen und zur Bevölkerungsentwicklung tätig. Für die EU wirkte sie als Expertin für soziale Exklusion und als Peer-Reviewerin der EU-Beschäftigungs-, Bildungs- und Integrationspolitik. Ab 2008 hatte sie den Lehrstuhl für Migration, Integration und Sicherheit an der Universität für Weiterbildung Krems inne und von 2010 bis 2015 war sie ebendort Dekanin der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung.

Neben diesen Themenfeldern bildet auch die Genderthematik und Diskriminierung einen Forschungsschwerpunkt in Gudrun Biffls wissenschaftlichem Wirken. Sehr stark im Fokus ihrer Forschungen stand dabei der Arbeitsmarkt und die ökonomische Situation von Frauen, Stichwort Gender Pay Gap, Stichwort Gender Budgeting – beides Bereiche in denen sie sehr wertvolle Forschungsarbeit mit ihren Untersuchungen leistete, wofür sie von der Jury gewürdigt wird.     

Als ihre wesentlichsten Errungenschaften in der Geschlechterforschung verweist die Wirtschaftswissenschafterin auf folgende Forschungsarbeiten: „Die Bewertung der Haushaltsproduktion“, erschienen im WIFO-Monatsbericht 9/1989. Diese Studie war die erste in Österreich, die sich mit dem volkswirtschaftlichen Wert der unbezahlten Arbeit (Haushaltsproduktion) auseinandergesetzt hat und die dazu beigetragen hat, dass „Time Use Surveys“ in Österreich vorgenommen werden. Zudem nennt Biffl ihre Beiträge zu den Frauenberichten (1985, 2010) sowie die Vertiefung im Journalartikel (1996) „Towards a Social Reproduction Model” sowie ihr 2006 erschienener Bericht  „MEHR JOBS UND BESSERE EINKOMMENSCHANCEN FÜR FRAUEN: Eine gesellschaftspolitische Herausforderung für Österreich*.“ als zentrale Publikationen.  Ihre im November 2011 erschienene Studie “Women and the economic crisis – Integrating social services to safeguard social wellbeing and to promote economic growth” präsentierte Gudrun Biffl vor dem Europaparlament.

Gudrun Biffl zeichnet sich durch ihr enormes gesellschaftspolitisches Engagement in punkto Gleichstellung der Geschlechter aus. Sie bringt seit vielen Jahren ihre Expertise zu diesem umfassenden Themenfeld unermüdlich in politische Gremien und in Medien ein, wodurch sie der Geschlechtergleichstellung nachhaltig zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit verhilft. Gudrun Biffl zu ihrer Motivation sich mit Geschlechterforschung auseinander zu setzen: „Als Wirtschaftsforscherin mit Fokus auf die Integration der Bevölkerung in das Erwerbsleben habe ich mich von Anfang an für die Faktoren interessiert, die die Erwerbsintegration nach dem Geschlecht und Alter beeinflussen. Daraus entwickelte sich mein Interesse für die Rolle der Frauen und Männer in der Gesellschaft und die Bedeutung der Gleichbehandlungspolitik für die Erzielung von gleichen Lebenschancen der Frauen.“

Gudrun Biffl erfüllt alle Voraussetzungen für eine Gabriele-Possanner- Lebenswerk-Preisträgerin. Sie hat die österreichische Geschlechterforschung nachhaltig mitgeprägt, diese an (internationale) Universitäten sowie an die Öffentlichkeit getragen. Sie ist in der internationalen Forschungsszene bekannt und etabliert, was unter anderem Gastprofessuren in Neuseeland und Australien sowie Gastvorträge in China unterstreichen. Biffl steht nach wie vor im aktiven wissenschaftlichen Diskurs, und sie wurde bereits mit dem Liese Prokop Frauenpreis, dem Käthe Leichter Staatspreis sowie dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. 

Für Gudrun Biffl repräsentiert der Gabriele-Possanner-Würdigungspreis für ihr Lebenswerk die Anerkennung ihrer langjährigen Bemühungen im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschung um die Gleichbehandlung der Geschlechter und um Frauenförderung, ohne die Frauen den Rollenklischees und Zuordnungen nicht entkommen können. Ihr Forschungsfokus liegt auf Österreich und den spezifischen Rahmenbedingungen, die es bis jetzt Frauen schwer machen, in allen Berufen Fuß zu fassen und sich frei von Diskriminierung zu entfalten. Ihr Rat an alle Nachwuchswissenschafterinnen im Feld der Geschlechterforschung: „Durchhalten und nicht aufgeben, denn jede Generation muss immer wieder dieselbe Forschungserfahrung machen. Geschlechterforschung ist eine Sisyphus-Arbeit und man kommt nur schritt-weise voran. Gleichzeitig sieht man  sich mit Anfeindungen konfrontiert, da man an Grundpfeilern der gesellschaftlichen Organisation rüttelt wenn man in der Forschung bestrebt ist, Gleichbehandlung und gleiche Lebenschancen der Geschlechter einzufordern.“