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Nachlese zum Science Talk spezial >
Muss Wissenschaft Geschichten erzählen?
mit Preisverleihung Wissenschaftsbuch des Jahres
vom 22. März 2021

Live-Stream

Der Live-Stream zur Veranstaltung kann auf unserer Facebook-Seite Wissensministerium nochmals angesehen werden.

Science Talk: Forscher müssen lernen, Geschichtenerzähler zu sein

Wien (APA-Science) - Sind Wissenschafter und Wissenschafterinnen Geschichtenerzähler? Nein, glaubt Martin Schröder, Professor für Soziologie an der deutschen Philipps-Universität Marburg, aber "sie müssen lernen, es zu sein". Wie wichtig es für die Forschung ist, Geschichten zu erzählen, diskutierte eine Expertenrunde in Wien.

Vor Corona habe die Wissenschaft ein Schattendasein gefristet, mittlerweile stehe sie aber im Rampenlicht, so Max Freudenschuß, Geschäftsführer des Verlags Buchkultur, bei einem vom Wissenschaftsministerium veranstalteten "Science Talk" mit dem Titel "Muss Wissenschaft Geschichten erzählen?", in dessen Rahmen auch die Sieger der Wahl des "Wissenschaftsbuch des Jahres" ausgezeichnet wurden. Ziel der Auszeichnung, die 2007 vom Wissenschaftsministerium und dem Verlag Buchkultur in Leben gerufen wurde, ist es, "Bücher in eine Auslage zu stellen, die Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zur Verfügung stellen", erklärte Freudenschuß.

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), der sich zu Beginn der Veranstaltung mit einer Videobotschaft an das Publikum wandte, drückte seine Freude darüber aus, dass das wissenschaftliche Sachbuch auch heuer auf großes Interesse der Öffentlichkeit gestoßen sei, woran die Pandemie und geschlossene Buchhandlungen und Bibliotheken nichts geändert hätten. Während beispielsweise die Belletristik im vergangenen Jahr vier Prozent weniger Umsatz gemacht habe, seien Sachbücher stabil geblieben, betonte Freudenschuß. Der Digitalisierung zum Trotz sei das Buch weiterhin zentrales Medium der Wissensvermittlung. Die Frage sei, wie viel Storytelling in ein Sachbuch einfließen dürfe, ohne das Ergebnis zu verwässern.

Die Rolle des Menschen

Thomas Hofmann, Gewinner der Kategorie Naturwissenschaft/Technik, hat in seinem Buch über das "Abenteuer Wissenschaft. Forschungsreisende zwischen Alpen, Orient und Polarmeer" versucht, Wissen in Form von Geschichten zu vermitteln. Im Fokus stehen die menschliche Seite der Geologen, Geografen und Weltentdecker, die von der Arktis bis zur Antarktis, von den Tropen hin zu den Meeren die leeren Flecken auf den Landkarten beseitigt haben. Gleichzeitig lässt sich der Autor und Bibliotheksleiter der Geologischen Bundesanstalt (GBA) beim Erkenntnisgewinn über die Schulter schauen. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, ist er sich sicher. "Es ist ja schön, wenn man statt Metamorphose Verwandlung schreibt", aber das reiche nicht aus, man dürfe bei der wissenschaftlichen Vermittlung den menschlichen Faktor nicht vernachlässigen.

Dieser Faktor spielt auch in Nikola Kucharskas "Ausgestorben. Das Buch der verschwundenen Tiere" (Gewinner der Kategorie Junior-Wissensbücher) eine wichtige Rolle. Die Illustratorin war schon als Kind fasziniert von Dinosauriern, musste aber im Verlauf ihrer Recherche feststellen, wie viele weitere Tierarten erst in den letzten hundert Jahren ausgestorben sind, - und das durch menschliche Einflüsse. Mit dem Buch, in dem sie nicht nur ausgestorbene Tierarten, sondern auch die Gründe für ihr Aussterben skizziert, will sie Kindern das Problem in der Interaktion zwischen Menschen und Tieren näher bringen und ihnen vermitteln, dass jeder etwas dazu beitragen kann, dass weniger Arten aussterben.

Durch Geschichten lernen

Martin Hartmann, Gewinner der Kategorie Medizin/Biologie, hätte Corona in seinem Buch "Vertrauen. Die unsichtbare Macht" gerne ausgespart, konnte der Thematik aber nicht ausweichen. Die Krise habe uns vor Augen geführt, wie unsichtbar Vertrauen tatsächlich sei, so der Philosoph und Professor der Universität Luzern (Schweiz) - und sie habe ordentlich am Vertrauen gerüttelt. Das merke man schon bei der Begrüßung, so Hartmann: den gewohnten Handschlag, die Umarmung, das traue man sich nicht mehr so leicht. Über Vertrauen hat er schon öfter im wissenschaftlichen Bereich publiziert, nun habe er das Thema einem breiten Publikum zugänglich machen wollen. In der Philosophie sei es üblich, ausgedachte Beispiele herzunehmen, bedauerte Hartmann, denn dabei gäbe es im realen Leben ebenso gute Beispiele, die lebensnahe Geschichten erzählen würden und mit denen die Leserschaft mehr anfangen könne.

Martin Schröder, Gewinner der Kategorie Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaft, schreibt über die Zufriedenheit und will ergründen, wann wir zufrieden sind. Das Coronajahr werde in dieser Hinsicht schlecht abschneiden, ist er überzeugt. Beispielsweise seien soziale Kontakte die wichtigste Zutat, um zufrieden zu sein. Dabei sei Unzufriedenheit evolutionär betrachtet nicht unbedingt etwas Schlechtes, denn diese Unzufriedenheit befähige uns, etwas zum Besseren zu verändern. Wissenschaftliche Erkenntnisse in Form von Geschichten der Öffentlichkeit näherzubringen sei deshalb besonders wichtig, weil Menschen durch Zahlen nur schwer lernen können. "Durch Geschichten können wir uns Dinge merken."

(Schluss) ari/asc

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Letzte Aktualisierung: 22. März 2021