Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrungen auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu.

Schulfreiräume und Gender: Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie verfestigen die Annahme, dass der Schulhof ein Ort ist, wo geschlechter“gerechtes“ Verhalten „erprobt“ werden kann. Insbesondere scheint das Bewegungs- und Sportverhalten ein bedeutsames Instrument der Darstellung und Inszenierung von Geschlechterrollen am Schulhof zu sein: Während Burschen großflächigeren Bewegungs- und Sportaktivitäten nachgehen, ziehen sich viele Mädchen mit zunehmendem Alter davon zurück und bevorzugen es, im Hof spazieren zu gehen, wenngleich sie klare Vorstellungen hinsichtlich einer bewegungsaktiveren Pausenhofnutzung auch jenseits geschlechterstereotyper Muster (z. B. mehr Fußball, …) und einer attraktiveren Hofgestaltung äußern.

Mädchen am Schulhof

  • … finden sich eher in kleineren Gruppen zu informellen und darstellenden Spielen zusammen,
  • … benutzen Materialien und Geräte wie Schnüre, Seile, Klettergerüste, Schaukeln und vorhandene Reckanlagen,
  • … gehen und flanieren häufig im Hof und beobachten das Pausengeschehen,
  • … halten sich häufiger in der Nähe von Betreuer(inne)n auf.

Buben am Schulhof

  • … sind die Ersten und Letzten im Pausenhof und suchen zielgerichtet „ihre“ Räume auf,
  • … dominieren die großflächigen Ball-/Sportspiele (z. B. Fußball),
  • … bringen dazu ihre Materialien mit (Fußball, …),
  • … raufen und balgen sich häufig (mit Buben, aber auch mit Mädchen),
  • … stehen und beobachten das Geschehen.

Geschlechterrollentypische Verhaltensweisen zeigen sich auch in gemeinsamen Aktivitäten von Mädchen und Buben und in altersabhängiger Ausprägung

bei gemeinsamen Spielaktivitäten:

  • wo vereinzelt Mädchen in den großflächigen Sportspielen der Buben mitspielen,
  • bei Fangenspielen,
  • in darstellenden Spielformen;

in typischen „Abgrenzungsinteraktionen“ (der Geschlechter):

  • wo sich Mädchen und Buben necken, piesacken und rangeln,
  • von verbalen Abwertungen bis hin zu körperlichen Belästigungen;
  • in „Wieder“-Annäherungsprozessen, die sich in Aktionen wie
    • dem Zuschauen der Mädchen bei Bubenaktivitäten oder
    • in der Präsentation und im Austausch von Jugendlichkeitssymbolen (iPod, mp3 etc.) widerspiegeln.

Zusammenfassend zeigt sich, dass ein Großteil der 60 beobachteten Pausensituationen eine Vielfalt an geschlechterrollenstereotypen Nutzungsmustern aufweist.

Geschlechterrollenuntypisches Bewegungsverhalten zeigt sich vorwiegend in Einzelsituationen oder durch Einzelpersonen:

  • Mädchen nehmen trotz hohem Platzdruck am Schulhof mehr Raum als die Buben ein;
  • Mädchen raufen, rangeln, spielen wild und verhalten sich mitunter auch raumfordernd gegenüber anderen Kindern (Mädchen wie Buben);
  • einzelne Mädchen spielen in gleicher Weise in den Buben- als auch Mädchengruppen mit;
  • einzelne Buben spielen bei den Mädchen mit etc.

Einigermaßen ausgewogene Raumnutzungsverhältnisse auf dem Pausenhof zwischen Mädchen und Buben finden sich nur in wenigen Beobachtungen und an wenigen Schulen. Diese Schulen zeichneten sich meist dadurch aus, dass z. B.

  • die Gender-Sensitivität seitens der Direktion oder der Lehrpersonen besonders hoch war und gezielt Geräte und Materialien zur Verfügung gestellt wurden oder eine gezielte Betreuung (Nutzungszeiten, Ermunterung zur Teilnahme, …) erfolgte;
  • die Schule früher eine reine Mädchenschule war;
  • es Schwerpunktförderungen an der Schule für Mädchen in typischen „Bubensportarten“ wie beispielsweise Fußball gegeben hat und die Mädchen daher selbstverständlich auch am Pausenhof Fußball bzw. großflächiger gespielt haben;
  • Geräte und Materialien vorhanden sind, die auch Mädchen gerne nutzen (z. B. Reck, Schaukeln, …).

Die Auswertungen lassen vermuten, dass neben dem Alter nicht nur die räumlichen Rahmenbedingungen Einfluss auf die häufig „geschlechterstereotype“ Nutzung der Schulfreiräume haben. Auch die Einstellung und die „Gender-Sensibilität“ der Schulleitung sowie der betreuenden Personen (Aufsichtspersonen, Regelungen der Pausennutzung, Sanktionen etc. …) tragen dazu bei, dass über die Ermunterung, Ermöglichung, Erduldung oder Verhinderung von Bewegung und sportivem Verhalten Geschlechterrollen fortgeschrieben oder aufgebrochen werden können.

Folgende Kriterien unterstützen ein Aufbrechen traditioneller Nutzungsmuster in den Pausenhöfen:

Schulklima

  • Offenheit der Schule hinsichtlich verschiedener Projekte (Bewegte Schule, Gesunde Schule, Soziales Lernen, …)
  • Aushandlungsprozesse und Mitsprache von Schüler(inne)n (z. B. Schüler(innen)parlament)
  • Konsens zwischen Schulleitung und Lehrkollegium
  • Verankerung im Schulprofil oder in Schulordnungen

Genderbewusstsein von Schulleitung und Lehrpersonen

  • hohe Sensitivität für die gelebte Realität
  • diskursive Auseinandersetzung über die Geschlechterthematik im Leitungskollegium (Sichtbarmachen) bzw. als schulische Vorgabe (Schulprofil, Projekte, …)
  • Wissen, dass Geschlecht kulturell geprägt und im täglichen Tun hergestellt wird und prinzipiell veränderbar ist

Pausenbetreuung und -aufsicht

  • eher aktive Betreuung über die Pausenaufsicht hinaus
  • Regelung durch Nutzungszeiten

Zusätzliches Angebot an geschlechterrollenuntypischen Bewegungsaktivitäten

  • z. B. Mädchenfußball

Gestaltung der Räume

  • eher vielfältige, räumlich differenzierte Gestaltung (Wechsel von offenen Bereichen und Nischen bzw. gesonderten und „eigenen“ Bereichen)
  • breite Vielfalt an Geräten und Ausstattung
  • mobiles Spielmaterial
  • (Größe und Ausstattung allein sind jedoch kein Erklärungsmoment.)
Inhaltlicher Stand: 06.04.2018