Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrungen auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu.

Schulfreiräume und Gender: Glossar

Schulfreiräume

Schulfreiräume sind wichtige Bewegungsräume, Lernorte und Treffpunkte für Kinder und Jugendliche. Da Schüler/innen vermehrt Zeit in Schule und Nachmittagsbetreuung verbringen, gewinnen Schulfreiräume zunehmend an Bedeutung als zentrale Orte für die körperliche und die soziale Entwicklung.

Die physisch-materielle Komponente umfasst unbebaute Flächen um die Schule, die in Pausen, im Unterricht, in der Nachmittagsbetreuung, beim Ankommen und vor dem Heimgehen genutzt werden. Schulfreiräume können Pausenbereiche, Vorplätze, Sportflächen und Unterrichtsbereiche im Freien sein.

Interaktionen

Soziale Interaktionen beinhalten Nutzungsregeln wie beispielsweise Schulordnungen und das konkrete Handeln der Schüler/innen und Lehrer/innen bei Bewegung, Spiel, Kommunikation und Erholung.

Gesundheitsförderung

Verhaltensorientierte Gesundheitsförderung zielt darauf ab, das Verhalten einzelner Menschen zu beeinflussen und Menschen darin zu bestärken, Maßnahmen für sich und ihre eigene Gesundheit zu entwickeln und umzusetzen.

Verhältnisorientierte Gesundheitsförderung nimmt Rahmenbedingungen, Umgebungen, Räume, Settings in den Blick, in denen es Einzelnen erst möglich wird, sich für gesundheitsförderliche Aktivitäten zu entscheiden. Im schulischen Kontext sind dies z. B. Pausenzeiten, Verfügbarkeit von Außenräumen für Bewegung und Erholung, gesetzliche Rahmen zu Gesundheitsförderung in der Schule, bewegte Lernmodelle etc.

Bewegung

Beispielhafte Ergebnisse der „Klug und Fit“-Studie (Sandmayr, 2004), des Wiener Jugendgesundheitsberichtes 2002 oder aktueller HBSC-Studien (2010) zeigen, dass Kinder und Jugendliche nur unzureichend die vorgegebenen Normwerte für gesundheitswirksame Bewegungsausmaße und -intensitäten erreichen. Schon in Jugendjahren nimmt das motorische Leistungsniveau ab, während Haltungsschäden von Mädchen und Burschen steigen.

Besonders ambivalent ausgeprägt ist das Verhältnis der Mädchen zu Bewegung und Sport. Dabei sind Bewegung und Sport bis zum 20. Lebensjahr für einen ausreichend dichten Knochenaufbau besonders wichtig, da dieser in späteren Jahren nicht mehr aufgeholt werden kann. Für das eingeschränkte Bewegungsinteresse von Mädchen spielt die Trennung in ihr Selbst und ihren Körper eine wesentliche Rolle (vgl. Kugelmann, 1996, S. 60, 64f). Der Körper wird für viele jugendliche Mädchen zur Projektionsfläche für Selbstdarstellung und Mädchen verlieren nicht selten das Interesse an Bewegung. Die Gestaltung von Schulfreiräumen, die Mädchen und junge Frauen zu einer bewegungsreichen und freudvollen Nutzung anregt und auffordert, ist daher besonders bedeutsam und gewinnt auch aus einer gesundheitsförderlichen Sicht besondere Relevanz. Aus der Analyse der schulischen Raumgestaltung und ihrer Einflüsse auf das Bewegungsverhalten von Mädchen und Jungen sind daher wichtige Erkenntnisse erwartbar, die zur Zielstellung der Förderung von attraktiveren schulischen Bewegungsräumen auch für Mädchen beitragen und mithelfen, indirekt auch deren Körperbewusstsein zu fördern. Insbesondere bei der Erarbeitung von Empfehlungen soll dieser Aspekt der Mädchenförderung besondere Berücksichtigung erfahren.

Geschlechterverhältnisse

Sich mit Fragen nach der Bedeutung von Geschlecht im Kontext der Nutzung von Schulfreiräumen auseinanderzusetzen, geht von der Annahme aus, dass Geschlecht nicht bloß biologisch fundiert ist, sondern auch sozial hergestellt und konstruiert wird. Was als (typisch) männlich oder weiblich in einer Gesellschaft gilt, wird im alltäglichen Tun hergestellt (doing gender) und gefestigt. Dass es sich um (veränderbare) Herstellungsprozesse handelt, kann man zum einen darin sehen, dass sich die Zuschreibungen im Lauf der Zeit sehr verändert haben (z. B. Ansichten über die Bildungsfähigkeit von Mädchen). Zum anderen finden sich immer wieder Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen und Gesellschaften (z. B. ist Fußball in den USA ein typischer „Frauen“sport und „nichts für echte Männer“).

Die Art und Weise, wie Mädchen und Buben in den Pausen in den Schulfreiräumen (inter)agieren, verdeutlicht, welche Bedeutung Geschlecht für die Kinder und Jugendlichen auf verschiedenen Ebenen hat und wie es im Setting Schule „ausverhandelt“ und hergestellt wird. Es zeigt aber auch, welche Möglichkeiten Schulen haben und/oder nützen, um durch verschiedene Rahmenbedingungen und pädagogische Maßnahmen erweiterte Handlungsmöglichkeiten für die Kinder bereitzustellen.

Schulfreiräume und Geschlechterverhältnisse

Schulfreiräume und Geschlechterverhältnisse: Abschlussbericht
Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien; tilia - büro für landschaftsplanung
Februar 2007

Gesetzliche Vorgaben

In den schulischen Bildungsaufgaben finden sich übergeordnete Unterrichtsprinzipien. Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern", „Gesundheitserziehung und „Umweltbildung“ sind drei, die besonderen Bezug zum Projektthema haben.

Das Bildungsministerium hat das Unterrichtsprinzip „Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“ in den Lehrplänen der meisten Schularten verankert. Dies entspricht dem Grundsatz des Gender-Mainstreaming, zu dem sich die Europäische Union und die österreichische Bundesregierung bekannt haben. Schulen sind demnach aufgefordert, „die Gender-Perspektive in allen Bereichen des Lernens und Lehrens, in der Organisation Schule und im Handeln aller Beteiligten zu verankern, um geschlechtergerechtes Lernen zu ermöglichen.“ (bm:bwk, 2004, S. 2). Ferner ist es Aufgabe der Schule, Maßnahmen zu setzen, die für Mädchen und Buben gleichermaßen Entwicklungschancen bieten. Das Unterrichtsprinzip "Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern" soll dazu beitragen, alle im Bildungsbereich tätigen Personen zu motivieren, Fragen der Gleichstellung der Geschlechter verstärkt in den Lehrinhalten der Lehrpläne, im Unterricht, in den Schulbüchern und sonstigen in Verwendung stehenden Unterrichtsmitteln zu berücksichtigen sowie die Diskussion an den Schulen über folgende Themen zu intensivieren:

  • Bewusstmachung von geschlechtsspezifischer Sozialisation,
  • Wahrnehmung von Ursachen und Formen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung,
  • Erkennen möglicher Beiträge zur Tradierung und Verfestigung von Rollenklischees im Lebensfeld Schule (und in anderen Lebensfeldern),
  • Reflexion des eigenen Verhaltens, der Interaktionen im Unterricht, des täglichen Umgangs miteinander, der eigenen Geschlechtsrollenvorstellungen,
  • Bewusstmachen von alltäglichen Formen von Gewalt und Sexismus in der Schule und
  • Förderung der Bereitschaft zum Abbau von geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Benachteiligungen.
  • Unterrichtsprinzip "Gesundheitserziehung“

Internationale Studien zeigen, dass das Selbstvertrauen von Schülerinnen und Schülern auch davon abhängt, ob sie sich in der Schule wohlfühlen, dass Wohlbefinden und Selbstvertrauen positive Auswirkungen auf den körperlichen und den seelischen Gesundheitszustand der Schülerinnen und Schüler haben und dass das Gesundheitsverhalten durch die Schule beeinflusst wird.

Schulische Gesundheitsförderung wird dabei als Prozess gesehen, der für gesundheitliche Zusammenhänge sensibilisiert und dadurch allen Beteiligten Möglichkeiten eröffnet, bewusst zur Erhaltung der Gesundheit beizutragen (gemäß WHO, 1986). Damit kommen auch schulische Verhältnisse in den Blick wie z. B. soziales Klima, Gestaltung von schulischen Räumen bis hin zu Pausengestaltung und Ernährungsangeboten. Schule wirkt sich also auf die körperliche, psychische und soziale Gesundheit aller Menschen aus, die sich in ihr aufhalten.

Hauptziele von schulischer Gesundheitsförderung sind daher:

  • Verankerung der Gesundheitsförderung als organisationsumfassender Ansatz,
  • Wissensentwicklung und Entwicklung von persönlichen Handlungskompetenzen,
  • Gestaltung der Schule als gesundheitsfördernde Lebenswelt,
  • regelmäßige Thematisierung in den Gremien der Schulgemeinschaft sowie
  • Verankerung der Gesundheitsförderung im Schulprogramm oder Schulprofil.
  • Unterrichtsprinzip "Umweltbildung“

Das Unterrichtsprinzip „Umweltbildung“ will Bewusstsein schaffen für die Begrenztheit unserer Lebensgrundlagen und will Bereitschaft sowie Handlungskompetenz für ein aktives Mitgestalten der Umwelt fördern. Der zugrunde liegende Umweltbegriff umfasst sowohl die natürliche Umwelt als auch die kulturelle, technische, gebaute und die soziale Umwelt.

Umwelterziehung wird als wichtige Aufgabe von Schule gesehen, um ökologische Handlungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und zu fördern und um demokratische Bildung zu fördern.

Learnscapes

Der Begriff Learnscape setzt sich aus den beiden englischen Worten „Learn“ (Lernen) und „Landscape“ (Landschaft) zusammen. Gemeint sind damit Orte im Bereich des Schulgeländes oder auch davon entfernt, die einen Unterricht im Freien ermöglichen und die durch Schüler/innen und Lehrer/innen mitgestaltet werden können.

Das Interessante an der Nutzung des Schulgeländes oder der Schulumgebung ist, dass sich neben der Begegnung mit der Natur auch zahlreiche wirtschaftliche und soziale Prozesse auftun wie z. B. die Begegnung von Schüler(inne)n miteinander oder der Kontakt mit Gemeinden und anderen außerschulischen Partnern. Neben der Funktion als Freiluftklassenzimmer sind Schulfreiräume in erster Linie Bewegungsräume. Wichtig dabei ist, dass diese Räume so gestaltet sind, dass sie sowohl den Bedürfnissen der Jugendlichen wie auch gesellschaftlich relevanten Fragestellungen genügen. So ist es z. B. von großer Bedeutung, das Gelände so zu gestalten, dass Mädchen und Buben attraktive und bewegungsanregende Lernumgebungen vorfinden.

Da sich die Anforderungen an die Schule und ihre Schulfreiflächen in den letzten Jahren stark erhöht haben, können unter Einbeziehung der sogenannten Learnscape-Prinzipien kreative und hochqualitative Flächen geschaffen werden, die Möglichkeiten für Spiel, Spaß und Lernen bieten und gleichzeitig als pädagogische, soziale und ökologische Lernorte wirksam werden. Folgende Anforderungen sind dabei zu berücksichtigen:

  • Multifunktionalität
  • Öffnung und Mehrfachnutzung
  • Ökologie und Nachhaltigkeit
  • Gender Equality
Inhaltlicher Stand: 22. Juli 2019