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Corona-Studien

Wissenschaftliche Studien zum Coronavirus finanziert durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF)

  • Prävalenzstudien zur Verbreitung aktiver SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich

Um Informationen über die tatsächliche Häufigkeit von Personen, die vom Coronavirus betroffen sind, einschließlich einer hochgerechneten Dunkelziffer, zu erhalten, beauftragte das BMBWF Prävalenzstudien.

Im April, Mai und November 2020 führte Statistik Austria in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien die Prävalenzstudien zu akuten Infektionen mit dem Coronavirus durch sowie zur Seroprävalenz, der Verbreitung von Antikörpern gegen das Virus. Eine erste Pilotstudie/Welle wurde im April 2020 vom Forschungsinstitut SORA koordiniert.

Zusätzlich wurden in den verschiedenen Erhebungswellen u.a. folgende Themen näher untersucht: die Maßnahmen-Akzeptanz der von der Bundesregierung erlassenen Schutzmaßnahmen, die erwarteten und bereits eingetretenen Folgen der Corona-Pandemie, das Wohlbefinden während der Corona-Krise sowie die Veränderungen der Arbeitssituation.

Hauptergebnisse: In der ersten Welle (1. bis 6. April 2020, n=1.544), wurde eine Prävalenz akuter SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich von 0,33% der Bevölkerung ermittelt (max. Anteil von 0,77% bei einem 95%-Konfidenzintervall). In der zweiten Welle (21. bis 24. April 2020, n=1.432), wurde ein max. Anteil akuter SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich von 0,15% ermittelt. In der dritten Welle (26. bis 30. Mai 2020, n=1.279) wurde keine Person positiv getestet. In der vierten Welle (12.-14. November 2020, n=2.263) wurde eine Prävalenz akuter SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich von 3,1% der Bevölkerung ermittelt (max. Anteil von 3,5% bei einem 95%-Konfidenzintervall) und eine Prävalenz von Antikörpern von 4,7% (max. Anteil von 5,6% bei einem 95%-Konfidenzintervall).

Kontakt: covid19@statistik.gv.at

  • Experimentelle Antikörperstudie

Am 25. April 2020 führte Statistik Austria in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien eine Studie zu SARS-CoV-2 Antikörpern in 27 Gemeinden in Österreich durch (in sechs Bundesländern). Die Gemeinden in der Stichprobe hatten eine relativ hohe Anzahl an bekannten SARS-CoV-2-Infektionen. Die Zufallsstichprobe hatte eine Größe von 269 Personen. Bei den Studienteilnehmer/innen wurden PCR-Tests und Antikörper-Schnelltests durchgeführt, ebenso wurde eine Blutprobe für weitere Antikörpertests im Labor (ELISA, NT) genommen.

Das Ergebnis der Studie ist, dass 4,71% der Bevölkerung in den 27 Risikogemeinden SARS-CoV-2 Antikörper entwickelt hat.

Kontakt: covid19@statistik.gv.at

  • Wirksamkeitsstudie Abschätzung von Fall- und Todeszahlen in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Lockdowns in Österreich

Am 16. März 2020 wurden österreichweite Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie eingeführt. Dieser sogenannte „Lockdown“ umfasste unter anderem die Schließung von Geschäften und Restaurants, Besuchsverbote sowie eine Reihe weiterer Maßnahmen. Im internationalen Vergleich hat Österreich, auch relativ zu seiner Größe, eine geringe Anzahl positiv getesteter Fälle (15.294 am 27. April 2020) und an Covid-19-Toten (549 am 27. April 2020) aufzuweisen. Diese Simulationsstudie des Complexity Science Hub Vienna versucht abzuschätzen, in welchem Ausmaß die am 16. März 2020 verkündeten Maßnahmen zu dieser Situation beigetragen haben. Insbesondere soll abgeschätzt werden, wie die Fallzahlen ausgesehen hätten, wäre der Lockdown eine bzw. zwei Wochen später verhängt worden, beziehungsweise hätte er in dieser Form gar nicht stattgefunden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Anfang Mai 2020 mehr als viermal mehr positive Fälle (60.000) und knapp viermal so viele Tote (ca. 2.100) zu erwarten gewesen wären als ohne Lockdown im März 2020. Die Kapazitätslimits des Gesundheitssystems wären aus heutiger Sicht vermutlich überschritten worden. Bei einer Verzögerung des Lockdowns um eine Woche hätte es etwa doppelt so viele Fälle (über 30.000) und Tote (ca. 1.100) gegeben, bei zweiwöchiger Verzögerung etwa dreimal mehr Infizierte (ca. 45.000) und Tote (ca. 1.600).

Kontakt: Univ.-Prof. Mag. DDr. Stefan Thurner, thurner@csh.ac.at, Complexity Science Hub Vienna    

  • CoV-2 Seroprävalenzstudie und Validierung von Antikörpertests

Die Medizinische Universität Wien führte eine Studie zur Seroprävalenz von SARS-CoV-2-Antikörpern in einem repräsentativen Arbeitskollektiv (n=1.655) unter Mitarbeiter/innen einer Bank durch. Das Ziel der Studie war zu untersuchen, wie viele Personen unter verschiedenen Arbeitsbedingungen Kontakt mit dem Virus gehabt haben, ob eine Immunität aufgebaut wurde, und wie lange diese Immunität anhält.

Hauptergebnis: Von den 1.655 getesteten Personen zeigte die überwiegende Anzahl, nämlich 89,85%, keine Immunität gegen SARS-CoV-2 bzw. keinen Hinweis für einen Kontakt mit dem Virus. 1,88% zeigten Virus-reaktive Antikörper, jedoch bei nur 0,8% der Gesamtpopulation wurden neutralisierende und somit schützende Antikörper gemessen.

Kontakt: Prof.in Ursula Wiedermann-Schmidt, ursula.wiedermann-schmidt@meduniwien.ac.at

  • Screening von SARS-CoV-2 Infektionen in Österreichs Bevölkerung mittels Abwasseranalysen

Ein Konsortium aus Medizinischer Universität Innsbruck, Technischer Universität Wien, Universität Innsbruck, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und dem Umweltbundesamt entwickelt derzeit ein Monitoringsystem von Kläranlagenzuläufen zur Erfassung von umfassenden Informationen zur räumlichen Verteilung und des zeitlichen Verlaufes der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie. Grundlage ist die Bestimmung von Virus-RNA-Mengen im Zulauf von Kläranlagen. Damit sollen die grundsätzliche Eignung des abwasserepidemiologischen Ansatzes als Screeningtool für räumliche und zeitliche Entwicklungen des Infektionsgrades der österreichischen Bevölkerung untersucht werden.

Kontakt: Prof. Heribert Insam, heribert.insam@uibk.ac.at, Universität Innsbruck

  • Pilotstudie zu SARS-CoV2-Infektionen bei Schulkindern

Ein Konsortium aus Forscher/innen von österreichischer Universitäten und Krankenhäusern führte im Juni/Juli 2020 eine Pilotstudie zu akuten SARS-CoV-2-Infektionen von Schulkindern in der Volksschule und Unterstufe in elf Wiener Schulen durch. Dabei kommt ein vereinfachtes und dem jungen Alter vieler der Teilnehmer/innen entsprechendes Verfahren zur Probenahme zum Einsatz. Für den Test muss eine angenehm schmeckende Flüssigkeit für eine Minute gegurgelt werden, bevor die Gurgelproben in kleinen Pools zusammengefasst und mittels PCR untersucht werden.
 
Die Pilotstudie begleitet die Öffnung der Schulen in Österreich im Mai und Juni 2020. Insgesamt werden über 5.000 Gurgelproben von Schulkindern, Lehrer/innen und Schulpersonal untersucht. Das Studienteam umfasst Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Mikrobiologie, den Bildungswissenschaften und der Epidemiologie, Ärzte und Ärztinnen, Schuldirektor/innen und Softwareentwickler/innen.

Kontakt: Prof. Michael Wagner, michael.wagner@univie.ac.at, Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft, Universität Wien

  • „Gurgelstudie“ – Schul-SARS-CoV-2-Studie

Die Schul-SARS-CoV-2-Studie, besser bekannt unter „Gurgelstudie“, leistet einen wichtigen, langfristigen Beitrag zur wissensbasierten Beurteilung, Begründung und Anpassung notwendiger Maßnahmen an den Schulen, um die Verbreitung von COVID-19 möglichst effektiv zu verhindern.

COVID-19 unterscheidet sich in vielen Aspekten von allen bisher bekannten Infektionserkrankungen der Atemwege. Insbesondere zur Rolle von Schulkindern für die Verbreitung von SARS-CoV-2 gibt es bislang auch international noch wenig Daten. Die „Gurgelstudie“ begleitet die Öffnung der Schulen in Österreich im Herbst 2020 bis Sommer 2021. Sie umfasst rund 14.800 Schüler/innen im Alter zwischen 6 und 15 Jahren der Primarstufe und Sekundarstufe 1 sowie ca. 1.200 Lehrer/innen und verwendet ein vereinfachtes, dem überwiegend jungen Alter der Teilnehmer/innen entsprechendes Verfahren zur Probennahme (Mund-Rachenspülung mit Gurgeln). Die Beprobung erfolgt an den Schulen unter Aufsicht von dafür geschulten Schulärzt/inn/en.

Die „Gurgelstudie“ baut auf der im Juni/Juli 2020 in Wien durchgeführten Pilotstudie auf (siehe oben). Sie soll belastbare Daten zur Rolle von Kindern für die Epidemiologie von COVID-19 liefern und so eine wissenschaftliche Grundlage für regulatorischen Maßnahmen im Schulbereich in Österreich bereitstellen.

Die Gurgelstudie wird im Auftrag des BMBWF auf Basis der im Rahmen der Vienna Covid-19 Diagnostic Initiative (VCDI) entwickelten Methode von den Universitäten Wien und Linz sowie den Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck durchgeführt.

  • Adaptive klinische Plattformstudie zur Wirksamkeit von Therapeutika im Einsatz gegen
    Covid-19

In der Studie Adaptive clinical platform trial investigating treatment options and repurposing of drugs for Covid-19 patients, abgekürzt ACOVACT, einer adaptiven klinischen Plattformstudie zu Covid-19, wird die Wirksamkeit von Therapeutika im Einsatz gegen Covid-19 überprüft, die für andere Erkrankungen entwickelt wurden. Die Studie prüft in einem multifaktoriellen Studiendesign mehrere therapeutische Säulen auf ihre Wirksamkeit. Es werden Medikamente getestet, welche das COV-SARS2 Virus hemmen, den Blutdruck verbessern, die Blutgerinnung hemmen, sowie die durch das Virus verursachte Entzündung unterdrücken können. Die Studie ist eine akademische klinische Studie unter Koordination der Medizinischen Universität Wien. Es sind insgesamt zehn Studienzentren in Österreich daran beteiligt (u.a. alle Medizinischen Universitäten bzw. die Medizinische Fakultät Linz sowie die KAV-Spitäler in Wien).

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Bernd Jilma, Assoz. Prof. PD Dr. Markus Zeitlinger, klin-pharmakologie@meduniwien.ac.at, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Wien

  • COVID-19 Social Science Data Hub Austria

Ziel dieses Projektes ist es, wichtige sozialwissenschaftliche Datensätze, die in Bezug zur COVID-19 Pandemie stehen, priorisiert und zeitnah zu archivieren und internationalen Standards entsprechend für die wissenschaftliche Nachnutzung zur Verfügung zu stellen.

Das Austrian Social Science Data Archive (AUSSDA), das Forschungsdaten aus den Sozialwissenschaften archiviert, schafft damit eine zentrale Sammelstelle für Daten zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Corona in Österreich. Die Datensätze stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung und sind dank standardisierter Metadaten auch im Datenkatalog des Consortium of European Social Science Data Archives (CESSDA) und in der European Open Sciene Cloud (EOSC) auffindbar.