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Corona-Studien

Wissenschaftliche Studien zum Coronavirus finanziert durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF)

  • Prävalenzstudien zur Verbreitung aktiver SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich

Von 12.-14. November führte Statistik Austria in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erneut eine Studie zur Prävalenz von Infektionen mit dem Coronavirus und zur Seroprävalenz, der Verbreitung von Antikörpern gegen das Virus, durch. 

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben rund 350.000 Personen eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht und damit Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Die Seroprävalenz beträgt damit 4,7 % bis zum Untersuchungszeitraum Mitte/Ende Oktober. 
Die Seroprävalenz ist in Westösterreich (Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich: 5,7 %) höher als in Ostösterreich (Wien, Burgenland, Niederösterreich, 3,8 %). 

Die Hochrechnung der Stichprobendaten zu bisher durchgemachten Infektionen auf Basis der gebildeten Antikörper zeigt, dass rund 61 % der in der Studie entdeckten Fälle behördlich unerkannte Infektionen waren.
Für die Studie wurde von 12. bis 14. November 2020 bei 2.229 Personen Blut abgenommen. Bei 92 Proben wurden neutralisierende, also gegen eine Infektion schützende Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Auf Basis wissenschaftlicher Studien kann davon ausgegangen werden, dass virusspezifische Antikörper nach einem Zeitraum von rund drei Wochen verlässlich nachgewiesen werden können. Dementsprechend spiegelt der Testzeitraum von 12. bis 14. November 2020 die Infektionssituation in Österreich bis Mitte/Ende Oktober wider. 

Erste Zwischenergebnisse zum Anteil der akut infizierten Personen im Zeitraum 12. bis 14. November 2020 wurden bereits präsentiert. Diese Ergebnisse wurden mittlerweile mit Daten des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) validiert. Die hochgerechnete Gesamtzahl der SARS-CoV-2-Infektionen von 12. bis 14. November 2020 beträgt 233.000 (3,1 % der in Privathaushalten lebenden Bevölkerung ab 16 Jahren). Unter Berücksichtigung der statistischen Schwankungsbreite liegt dieser Wert zwischen 195.000 und 261.000 (2,6 % - 3,5 %) infizierten Personen Mitte November.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Statistik Austria http://www.statistik.at/web_de/presse/124959.html

Detaillierte Informationen zum Ablauf der Erhebung sowie zum Datenschutz finden Sie auf der Webseite von Statistik Austria www.statistik.at/covid19.

Um Informationen über die tatsächliche Häufigkeit von Personen, die von Covid-19 betroffen sind, einschließlich einer hochgerechneten Dunkelziffer, zu erhalten, beauftragte das BMBWF bisher drei Prävalenzstudien.

Eine erste Pilotstudie/Welle wurde vom Forschungsinstitut SORA koordiniert. Die weiteren Studien wurden von Statistik Austria in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien durchgeführt.

Hauptergebnisse: In der ersten Welle (1.-6. April 2020, n=1.544), wurde eine Prävalenz akuter SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich von 0,33% der Bevölkerung ermittelt (max. Anteil von 0,77% bei einem 95%-Konfidenzintervall). In der zweiten Welle (21. bis 24. April 2020, n=1.432), wurde ein max. Anteil akuter SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich von 0,15% ermittelt. In der dritten Welle (26. bis 30. Mai 2020, n=1.279) wurde keine Person positiv getestet.

Kontakt: covid19@statistik.gv.at

  • Experimentelle Antikörperstudie

Am 25. April 2020 führte Statistik Austria in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien eine Studie zu SARS-CoV-2 Antikörpern in 27 Gemeinden in Österreich durch (in sechs Bundesländern). Die Gemeinden in der Stichprobe hatten eine relativ hohe Anzahl an bekannten SARS-CoV-2-Infektionen. Die Zufallsstichprobe hatte eine Größe von 269 Personen. Bei den Studienteilnehmer/innen wurden PCR-Tests und Antikörper-Schnelltests durchgeführt, ebenso wurde eine Blutprobe für weitere Antikörpertests im Labor (ELISA, NT) genommen.

Das Ergebnis der Studie ist, dass 4,71% der Bevölkerung in den 27 Risikogemeinden SARS-CoV-2 Antikörper entwickelt hat.

Kontakt: covid19@statistik.gv.at

  • Wirksamkeitsstudie Abschätzung von Fall- und Todeszahlen in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Lockdowns in Österreich

Am 16. März 2020 wurden österreichweite Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie eingeführt. Dieser sogenannte „Lockdown“ umfasste unter anderem die Schließung von Geschäften und Restaurants, Besuchsverbote sowie eine Reihe weiterer Maßnahmen. Im internationalen Vergleich hat Österreich, auch relativ zu seiner Größe, eine geringe Anzahl positiv getesteter Fälle (15.294 am 27. April 2020) und an Covid-19-Toten (549 am 27. April 2020) aufzuweisen. Diese Simulationsstudie des Complexity Science Hub Vienna versucht abzuschätzen, in welchem Ausmaß die am 16. März 2020 verkündeten Maßnahmen zu dieser Situation beigetragen haben. Insbesondere soll abgeschätzt werden, wie die Fallzahlen ausgesehen hätten, wäre der Lockdown eine bzw. zwei Wochen später verhängt worden, beziehungsweise hätte er in dieser Form gar nicht stattgefunden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Anfang Mai 2020 mehr als viermal mehr positive Fälle (60.000) und knapp viermal so viele Tote (ca. 2.100) zu erwarten gewesen wären als ohne Lockdown im März 2020. Die Kapazitätslimits des Gesundheitssystems wären aus heutiger Sicht vermutlich überschritten worden. Bei einer Verzögerung des Lockdowns um eine Woche hätte es etwa doppelt so viele Fälle (über 30.000) und Tote (ca. 1.100) gegeben, bei zweiwöchiger Verzögerung etwa dreimal mehr Infizierte (ca. 45.000) und Tote (ca. 1.600).

CSH-Studie Wirksamkeitsstudie Abschätzung von Fall- und Todeszahlen in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Lockdowns in Österreich

Kontakt: Univ.-Prof. Mag. DDr. Stefan Thurner, thurner@csh.ac.at, Complexity Science Hub Vienna    

  • CoV-2 Seroprävalenzstudie und Validierung von Antikörpertests

Die Medizinische Universität Wien führte eine Studie zur Seroprävalenz von SARS-CoV-2-Antikörpern in einem repräsentativen Arbeitskollektiv (n=1.655) unter Mitarbeiter/innen einer Bank durch. Das Ziel der Studie war zu untersuchen, wie viele Personen unter verschiedenen Arbeitsbedingungen Kontakt mit dem Virus gehabt haben, ob eine Immunität aufgebaut wurde, und wie lange diese Immunität anhält.

Hauptergebnis: Von den 1.655 getesteten Personen zeigte die überwiegende Anzahl, nämlich 89,85%, keine Immunität gegen SARS-CoV-2 bzw. keinen Hinweis für einen Kontakt mit dem Virus. 1,88% zeigten Virus-reaktive Antikörper, jedoch bei nur 0,8% der Gesamtpopulation wurden neutralisierende und somit schützende Antikörper gemessen.

Kurzbericht - Seroprävalenzstudie der Medizinischen Universität Wien (nicht barrierefrei) (PDF, 101 KB)

Kontakt: Prof.in Ursula Wiedermann-Schmidt, ursula.wiedermann-schmidt@meduniwien.ac.at

  • Screening von SARS-CoV-2 Infektionen in Österreichs Bevölkerung mittels Abwasseranalysen

Ein Konsortium aus Medizinischer Universität Innsbruck, Technischer Universität Wien, Universität Innsbruck, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und dem Umweltbundesamt entwickelt derzeit ein Monitoringsystem von Kläranlagenzuläufen zur Erfassung von umfassenden Informationen zur räumlichen Verteilung und des zeitlichen Verlaufes der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie. Grundlage ist die Bestimmung von Virus-RNA-Mengen im Zulauf von Kläranlagen. Damit sollen die grundsätzliche Eignung des abwasserepidemiologischen Ansatzes als Screeningtool für räumliche und zeitliche Entwicklungen des Infektionsgrades der österreichischen Bevölkerung untersucht werden.

Link zur Projektwebsite

Kontakt: Prof. Heribert Insam, heribert.insam@uibk.ac.at, Universität Innsbruck

  • Pilotstudie zu SARS-CoV2-Infektionen bei Schulkindern

Ein Konsortium aus Forscher/innen von österreichischer Universitäten und Krankenhäusern führte im Juni/Juli 2020 eine Pilotstudie zu akuten SARS-CoV-2-Infektionen von Schulkindern in der Volksschule und Unterstufe in elf Wiener Schulen durch. Dabei kommt ein vereinfachtes und dem jungen Alter vieler der Teilnehmer/innen entsprechendes Verfahren zur Probenahme zum Einsatz. Für den Test muss eine angenehm schmeckende Flüssigkeit für eine Minute gegurgelt werden, bevor die Gurgelproben in kleinen Pools zusammengefasst und mittels PCR untersucht werden.
 
Die Pilotstudie begleitet die Öffnung der Schulen in Österreich im Mai und Juni 2020. Insgesamt werden über 5.000 Gurgelproben von Schulkindern, Lehrer/innen und Schulpersonal untersucht. Das Studienteam umfasst Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Mikrobiologie, den Bildungswissenschaften und der Epidemiologie, Ärzte und Ärztinnen, Schuldirektor/innen und Softwareentwickler/innen.

Kontakt: Prof. Michael Wagner, michael.wagner@univie.ac.at, Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft, Universität Wien

  • „Gurgelstudie“ – Schul-SARS-CoV-2-Studie

Die Schul-SARS-CoV-2-Studie, besser bekannt unter „Gurgelstudie“, leistet einen wichtigen, langfristigen Beitrag zur wissensbasierten Beurteilung, Begründung und Anpassung notwendiger Maßnahmen an den Schulen, um die Verbreitung von COVID-19 möglichst effektiv zu verhindern.

COVID-19 unterscheidet sich in vielen Aspekten von allen bisher bekannten Infektionserkrankungen der Atemwege. Insbesondere zur Rolle von Schulkindern für die Verbreitung von SARS-CoV-2 gibt es bislang auch international noch wenig Daten. Die „Gurgelstudie“ begleitet die Öffnung der Schulen in Österreich im Herbst 2020 bis Sommer 2021. Sie umfasst rund 14.800 Schüler/innen im Alter zwischen 6 und 15 Jahren der Primarstufe und Sekundarstufe 1 sowie ca. 1.200 Lehrer/innen und verwendet ein vereinfachtes, dem überwiegend jungen Alter der Teilnehmer/innen entsprechendes Verfahren zur Probennahme (Mund-Rachenspülung mit Gurgeln). Die Beprobung erfolgt an den Schulen unter Aufsicht von dafür geschulten Schulärzt/inn/en.

Die „Gurgelstudie“ baut auf der im Juni/Juli 2020 in Wien durchgeführten Pilotstudie auf (siehe oben). Sie soll belastbare Daten zur Rolle von Kindern für die Epidemiologie von COVID-19 liefern und so eine wissenschaftliche Grundlage für regulatorischen Maßnahmen im Schulbereich in Österreich bereitstellen.

Die Gurgelstudie wird im Auftrag des BMBWF auf Basis der im Rahmen der Vienna Covid-19 Diagnostic Initiative (VCDI) entwickelten Methode von den Universitäten Wien und Linz sowie den Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck durchgeführt.

Nähere Informationen zur Gurgelstudie

  • Adaptive klinische Plattformstudie zur Wirksamkeit von Therapeutika im Einsatz gegen
    Covid-19

In der Studie Adaptive clinical platform trial investigating treatment options and repurposing of drugs for Covid-19 patients, abgekürzt ACOVACT, einer adaptiven klinischen Plattformstudie zu Covid-19, wird die Wirksamkeit von Therapeutika im Einsatz gegen Covid-19 überprüft, die für andere Erkrankungen entwickelt wurden. Die Studie prüft in einem multifaktoriellen Studiendesign mehrere therapeutische Säulen auf ihre Wirksamkeit. Es werden Medikamente getestet, welche das COV-SARS2 Virus hemmen, den Blutdruck verbessern, die Blutgerinnung hemmen, sowie die durch das Virus verursachte Entzündung unterdrücken können. Die Studie ist eine akademische klinische Studie unter Koordination der Medizinischen Universität Wien. Es sind insgesamt zehn Studienzentren in Österreich daran beteiligt (u.a. alle Medizinischen Universitäten bzw. die Medizinische Fakultät Linz sowie die KAV-Spitäler in Wien).

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Bernd Jilma, Assoz. Prof. PD Dr. Markus Zeitlinger, klin-pharmakologie@meduniwien.ac.at, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Wien