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Schulfreiräume und Gender: Tools

Schulfreiräume und Gender
Zeichnung zum Thema Schulhof im Rahmen eines Schulwork-
shops (Foto: Diketmüller/tilia)

Um sichtbar zu machen, wie Mädchen und Buben die schulischen Freiräume und Außenflächen als Lebens- und Lernorte nützen, bieten sich verschiedene Methoden an.

Mittels Beobachtung, Videographie und Befragung können die Tätigkeiten, denen die Schülerinnen und Schüler nachgehen, erhoben werden. Eine grafische Verankerung der Tätigkeiten in erstellte Plangrundlagen erleichtert die Diskussion darüber, wo im Außenraum welche Kinder welchen Tätigkeiten nachgehen und wie sich dabei Mädchen und Buben voneinander unterscheiden (Nutzungskarten). Wie die Ergebnisse im Lehrer/innen/team und gemeinsam mit den Schüler/innen aufbereitet und diskutiert werden können, wird am Beispiel konkreter Workshops mit Schulen vorgestellt.

Im Folgenden werden die verwendeten Methoden kurz vorgestellt. Detaillierte Beschreibungen der Methoden und Erklärungen, wie diese im Projekt „Schulfreiräume und Geschlechterverhältnisse“ beziehungsweise „Learnscapes“ umgesetzt wurden, finden sich unter "Schulfreiräume und Geschlechterverhältnisse. Methoden und Tools".

Kartierung
BeobachtungInterviewsDokumentenanalyseZusammenfassende AnalyseEinbindung aller Beteiligten in den Diskussions- und GestaltungsprozessDownloads

Kartierung

Eine wichtige Grundlage für die Erhebung und die grafische Darstellung der Tätigkeiten der Kinder in den Schulfreiräumen ist die Erstellung einer Plangrundlage der Außenräume. In dieser sind die Freiraumorganisation, die Grundausstattung und die Nutzungsspuren textlich und planlich dokumentiert. Die Freiraumorganisation umfasst die Aufzeichnung der Größe und die Benennung unterschiedlicher Freiräume (z.B. befestigter Hof, Sitzplatz am Teich, Sportfläche usw.), deren Anordnung zueinander und zu angrenzenden Gebäuden, deren Verbindungen (Eingänge, offene Bereiche, Sichtbeziehungen) und die Grenzen (Zäune, Mauern, Hecken, Belagswechsel etc.). Zur Grundausstattung gehören beispielsweise Pflanzen, Bodenbeläge, Sitzmöbel und Spielgeräte. Nutzungsspuren geben Auskunft über die Nutzungsqualitäten des Freiraumes.

Die Plangrundlage dient dazu, darin die Tätigkeiten, die im Rahmen der Beobachtungen dokumentiert wurden, zu verorten. Dabei können die beobachteten Tätigkeiten in Form von Piktogrammen und die Geschlechterverteilung durch Einfärbung der Aufenthaltsorte und -wege dargestellt werden.

Legende der Nutzungskarten
Tätigkeiten (Piktogramme)

Beobachtung

Gezielte Beobachtungen können helfen, festgefahrene Meinungen aufzubrechen und Details und Besonderheiten der Alltagswirklichkeit (vgl. Wagner-Willi, 2005, S. 264) wieder sichtbar zu machen. Als ertragreich hat sich erwiesen, wenn mehrere Personen (Lehrkräfte, Schüler/innen) zeitgleich Pausensituationen beobachten und die nonverbalen, körperlich-expressiven Aspekte der Handlungen und Interaktionen der Schülerinnen und Schüler festhalten und protokollieren. Videoaufnahmen sind v.a. dann aufschlussreich, wenn deren Einsatz das Verhalten der Kinder nicht beeinflusst. Die beobachteten und protokollierten Tätigkeiten können in die Schulhofkarten eingebunden werden, um daraus auch eine räumliche Darstellung der geschlechterspezifischen Nutzung zu ermöglichen (vgl. Nutzungskarten).

Beispiel einer Nutzungskarte Volksschule
Beispiel einer Nutzungskarte Volksschule


Beispiel einer Nutzungskarte AHS
Beispiel einer Nutzungskarte AHS
Beispiel einer Nutzungskarte Hauptschule
Beispiel einer Nutzungskarte Hauptschule

Die Entwicklung von Beobachtungskriterien unterstützt dabei, den Blick bei der Beobachtung zu fokussieren und die Daten der verschiedenen Erhebenden besser miteinander vergleichen zu können. Sie regt dazu an, sich mit eigenen Vorannahmen auseinanderzusetzen und ggf. blinde Flecken zu enttarnen. Beispiele für Beobachtungskriterien sind:

  • Aufenthaltsorte, benutzte Geräte und Materialien der Schüler/innen
  • Aktivitäten der Schüler/innen und Aufsichtspersonen
  • Stimmung im Schulfreiraum

Interviews

Interviews dienen dazu, einen Einblick in die Gegebenheiten, Regelungen und Besonderheiten der jeweiligen Schule und der üblichen Pausensituationen zu erhalten sowie Wahrnehmungen und Einstellungen hinsichtlich der Bedeutung von Bewegung und Sport, der Geschlechterthematik, der Freiraumnutzung und -gestaltung usw. kennenzulernen.

Die Interviews können je nach befragter Gruppe (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulwartinnen und Schulwarte, …) verschiedene Themen zu Raum, Zeit, Regeln, Bewegung, Zusatzangebot, Betreuung und Migration (vgl. Beispiel für einen Interviewleitfaden) beinhalten.

Interviews mit Lehrkräften ermöglichen es, den Blick auf bewusste oder unbewusste Einstellungen oder Verhaltensweisen den Schüler/inne/n gegenüber freizulegen, da diese die Situation am Schulhof mitprägen.

Interviews mit Schüler/innen bzw. Gruppen von Schüler/inne/n werden dann eingesetzt, wenn man deren Einschätzung zur Pausenhofgestaltung und -nutzung sowie deren Vorstellung eines idealen Pausenhofes, ihrer Lieblingsplätze und -tätigkeiten, typischer Konfliktpotenziale etc. erhalten möchte. Interviews mit Schüler/inne/n sind kürzer und altersgemäß formuliert.

Zusammenfassend liefern die Interviewdaten wichtige Zusatzinformationen zu den Beobachtungen und ermöglichen Erklärungen für Verhaltensweisen aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten.

Dokumentenanalyse

Schulordnungen liefern wichtige Informationen darüber, wie und in welcher Weise sich Schülerinnen und Schüler am Schulhof betätigen können bzw. sollen und verdeutlichen oft auch die Grundhaltung der Schule. Es lohnt daher, die darin getroffenen Vereinbarungen hinsichtlich der Nutzung von Schulräumen bzw. Schulfreiräumen anzusehen bzw. die Dokumente inhaltsanalytisch auszuwerten. Die Palette der Vorgaben reicht von Auflistungen von rigiden Verboten bis hin zu Statements, wie die verschiedenen Personengruppen miteinander umgehen und den Außenraum gestalten und gemeinsam beleben wollen.

Schulfreiräume und Gender
„Schulpass“ mit Regeln des Miteinanders in der Volksschule Lehen 1

Zusammenfassende Analyse

Am ertragreichsten ist es, verschiedene Methoden kombiniert einzusetzen und je nach Interesse die Aussagen von Lehrkräften und Schüler/inne/n aus den Interviews sowie die Tätigkeiten der Schüler/innen und Aufsichtspersonen aus den Beobachtungen der Pausen gemeinsam zu diskutieren.

Einbindung aller Beteiligten in den Diskussions- und Gestaltungsprozess

Will man gemeinsame Gestaltungsprozesse in Gang setzen, so sind die verschiedenen beteiligten Personengruppen einzubinden. Je nach Anliegen kann es Sinn machen, einzelne Schüler/innen/gruppen bis hin zu ganzen Klassen anzusprechen bzw. auch Lehrer/nnen/teams und Schulwartinnen und Schulwarte zu sensibilisieren und darüber die Diskussion über Schulfreiräume und deren Nutzungsmöglichkeiten und -barrieren für verschiedene Gruppen in Gang zu bringen. Vielfach ist es auch hilfreich, Eltern und Gemeindevertretungen einzubeziehen, wenn es um Umgestaltungen geht.

Schulfreiräume und Gender
Schulworkshop unter Einbindung von Lehrer/innen und Gemeinde-
vertreter/innen (Foto: Diketmüller/tilia)

Workshops mit Schülerinnen und Schülern sind schultyp-, zielgruppen- und altersspezifisch zu gestalten und vor dem Hintergrund der schulischen Besonderheiten zu konzipieren. Ziel kann es dabei sein, Sensibilisierungsprozesse in Gang zu setzen, um zu erkennen, wie verschiedene Schülerinnen/gruppen den Schulhof nützen, wo sich für verschiedene Gruppen Barrieren ergeben und wie sie gemeinsam dazu beitragen können, einen Pausenhof für alle zu entwickeln.

Schulfreiräume und Gender
Schüler/innen als Expert/innen ihres Schulhofs (Fotos: Diketmüller/tilia)

Während im Projekt „Schulfreiräume und Geschlechterverhältnisse“ in Volksschulen viele spielerische Akzente gesetzt wurden mit Plakaten, Zeichnungen, Rate- und Darstellungsspielen, Forumtheater etc., wurden an Hauptschulen und Gymnasien die Schüler/innen als „Expert/inn/n“ ihrer Lebenswelt einbezogen. Sie schlüpften selbst in die Rolle von Forscher/inne/n, analysierten ihren Schulhof, überlegten, wie Bewegung, Raumnutzung und Geschlecht zusammenhängen und auf ihre individuelle Schulhofnutzung einwirken und fassten die Ergebnisse in einer "Forschungskonferenz" zusammen. Daneben können auch Schulparlamente dafür genützt werden, Bedürfnisse und Wünsche von Schüler/nnen hinsichtlich ihrer Pausenhofgestaltung und -nutzung zu artikulieren und in Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden.

Schulfreiräume und Gender
Ideen für die Pausengestaltung (Foto: Diketmüller/tilia)

Downloads

Inhaltlicher Stand: 23.07.2019